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Klimaschutz „1000 kleine Schritte nach vorne“ – UN-Klimakonferenz erzielt Kompromiss

Die Klimaverhandler applaudieren, manche fallen sich in die Arme. Jubel gib es aber keinen. Die beschlossenen Regeln zum Klimaschutz weisen in die richtige Richtung – immerhin.
15.12.2018 Update: 16.12.2018 - 01:02 Uhr Kommentieren
Ziel des Pariser Abkommens ist, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Quelle: dpa
Klimawandel

Ziel des Pariser Abkommens ist, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.

(Foto: dpa)

Kattowitz Erst zähe Marathon-Verhandlungen, dann große Erleichterung: Drei Jahre nach der historischen Einigung auf das Pariser Klimaabkommen haben fast 200 Staaten Regeln für seine praktische Umsetzung beschlossen. Der Chef der UN-Klimakonferenz in Polen, Michal Kurtyka, besiegelte den Kompromiss des Plenums am Samstagabend in Kattowitz mit einem Hammerschlag.

Die Klimaverhandler applaudierten, manche fielen sich in die Arme. Jubel gab es aber keinen. Umweltverbände zeigten sich unzufrieden und mahnten zu mehr Klimaschutz und Solidarität mit armen Ländern an.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sprach von einem „ganz wichtigen Signal an die Welt“. Es gebe nun gemeinsame Regeln für alle, wie sich die Staaten beim Klimaschutz vergleichen und messen. „Wir müssen dafür sorgen, dass diese Erde bewohnbar bleibt. Und das ist die Verantwortung dieser Generation.“

Ziel des Pariser Abkommens ist, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Dafür muss der Ausstoß von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl oder auch der Tierhaltung in den kommenden Jahren drastisch reduziert werden.

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    Vertreter aus 196 Staaten und der EU hatten in Polen zwei Wochen lang um die Regeln gerungen, nach denen Staaten künftig über ihre Pläne und Fortschritte im Klimaschutz berichten sollen. Vergleichbarkeit und Transparenz sind wichtig, da das Pariser Abkommen auf gegenseitigem Vertrauen beruht und keine Sanktionen vorsieht, wenn Länder nicht vorankommen. Vor allem der Gruppendruck soll alle auf Kurs halten.

    Die Zeit drängt: Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Und die 20 wärmsten lagen in den vergangenen 22 Jahren. Geht es weiter wie bisher, leben wir Ende dieses Jahrhunderts wohl in einer drei bis vier Grad wärmeren Welt. Die fatalen Folgen je nach Region: mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser.

    Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan zeigte sich enttäuscht: Ein Jahr voller Klima-Katastrophen und einer eindringlichen Warnung von den besten Wissenschaftlern der Welt hätten zu viel mehr führen sollen“, sagte sie. Anzuerkennen, dass mehr Ehrgeiz nötig ist, und Regeln für den Klimaschutz zu verabschieden, ist nicht mal annähernd genug, wenn ganzen Nationen die Auslöschung droht.“

    Konferenzpräsident Kurtyka sagte, bei den Klimaverhandlungen gehe es nicht um nationale Interessen, sondern um einen Sinn für Menschlichkeit und die Verantwortung für kommende Generationen. Die Beschlüsse seien „1000 kleine Schritte nach vorne. Sie können stolz sein.“

    Die Verhandlungen sollten eigentlich am Freitag enden, zogen sich aber hin bis durch die Nacht. Sitzungen wurden immer wieder verschoben. Die Entscheidung fiel schließlich erst einen ganzen Tag später - was für Klimagipfel aber nichts Ungewöhnliches ist. Dennoch wirkten die Verhandler am Ende erschöpft und erleichtert, dass eine Einigung gelungen war. Zuletzt hatten noch Brasilien und die Türkei für Verzögerungen gesorgt.

    Strittig waren in Kattowitz auch Fragen rund um Finanzhilfen der reicheren Länder für die ärmeren. Die vom Klimawandel besonders gefährdeten Staaten hatten zudem ein deutliches Signal eingefordert, dass es größere Anstrengungen im Klimaschutz braucht, um dramatische Folgen zu begrenzen. Bis zuletzt gab es auch Ärger um den internationalen Handel mit Verschmutzungsrechten. „Bedauerlich ist, dass eine Einigung auf finanzielle Unterstützung von besonders armen und verletzlichen Staaten bei der Bewältigung von Klimaschäden nicht gelungen ist“, sagte Sabine Minninger von Brot für die Welt.

    Umweltministerin Schulze hatte auf der Konferenz mit einem Bündnis aus Industrie- und Entwicklungsländern mehr Ehrgeiz im Klimaschutz gefordert. Deutschland hinkt den eigenen Zielen seit längerem hinterher. Derzeit berät eine Kommission, wie der Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle-Stromproduktion laufen soll. Auch zum Klimaschutz im Verkehr tagt eine Arbeitsgruppe. Im kommenden Jahr soll ein Klimaschutzgesetz für den Bund verabschiedet werden.

    Der nächste UN-Klimagipfel findet in Chile statt, und zwar nach Angaben des dortigen Umweltministeriums entweder im Dezember 2019 oder Januar 2020.

    • dpa
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