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Klimaschutz Treibhausgasneutralität bis 2050: Japan beschleunigt seine Energiewende

Japan steuert um: Bisher wollte sich die Industrienation bei der CO2-Reduktion Zeit lassen. Nun aber will sie doch in den Kreis der klimatechnologisch führenden Länder aufrücken.
22.10.2020 - 17:35 Uhr 1 Kommentar
Für das Ziel der Dekarbonisierung muss Japan seine Energiestrategie grundsätzlich überarbeiten – die Rolle der Kernkraft könnte wieder ausgebaut werden. Quelle: dpa
Der japanische Premierminister Suga (l.) beim Besuch des Kernkraftwerks Fukushima

Für das Ziel der Dekarbonisierung muss Japan seine Energiestrategie grundsätzlich überarbeiten – die Rolle der Kernkraft könnte wieder ausgebaut werden.

(Foto: dpa)

Tokio Als klimafreundlicher Reformer – so will sich Yoshihide Suga zu Amtsbeginn in Szene setzen. Am kommenden Montag wird der neue japanische Ministerpräsident, der seit September im Amt ist, in seiner ersten Grundsatzrede ankündigen, dass der Inselstaat seine Treibhausgasemissionen wie die Europäische Union bis 2050 auf null senken will. Dies berichten japanische Medien.

Damit würde Suga die Klimaziele der drittgrößten Volkswirtschaft drastisch verschärfen. Bisher hatte die Regierung lediglich vorgehabt die Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2) bis 2050 um 80 Prozent zu reduzieren – und zwar netto: also abzüglich der Mengen an CO2, die auf natürliche Weise gespeichert werden, wie zum Beispiel von Bäumen. Wann die Industrienation komplett klimaneutral sein soll, hatten die Staatslenker nie benannt.

Umweltorganisationen hatten diese Zögerlichkeit der Regierung angesichts der rapide voranschreitenden globalen Erwärmung kritisiert. Besonders missfiel Experten, dass Japan dabei, anders als viele Staaten in der EU, Kohle noch bis die zweite Jahrhunderthälfte hinein verfeuern wollte.

Die Klimaforscher der Webseite „Climate Action Tracker“, die Analysen zeigt, welche Erderwärmung sich durch die momentan beschlossenen Maßnahmen ergibt, bewerteten daher Japans bisherigen Klimaschutzplan mit ihrer zweitschlechtesten Note: „höchst unzureichend“.

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    Im deutschen Schulnotensystem wäre das eine Fünf. Die Europäer bekommen immerhin eine Vier, eine Sechs kassieren beispielsweise die Amerikaner und die Saudis. Eine Eins hat sich bislang niemand geholt, die Marokkaner erhalten als Einziger eine Zwei.

    Japans schlechte Note bedeutet, dass sein Emissionsausstoß dazu beiträgt, dass sich die globale Temperatur um drei bis vier Grad erwärmt und damit das von den Vereinten Nationen (UN) gesetzte Ziel von deutlich unter zwei Grad drastisch verfehlt werden würde. Die Zwei-Grad-Grenze gilt als gefährlicher Kipppunkt im Weltklima, ab dem sich ein rasant fortschreitender, für die Menschheit gefährlicher Klimawandel nicht mehr aufhalten lässt.

    Mit einer Kurswende wäre Japan nun nach China der zweite Großverschmutzer, der seine Klimaziele nachbessert. Chinas Staatschef Xi Jinping hatte im September vor der Vollversammlung der UN versprochen, dass sein Land vor 2060 die CO2-Emissionen auf netto null senken würde. Von einer kompletten Treibhausgasneutralität sprach Peking aber nicht. Laut dem „Climate Action Tracker“ würde sich mit der chinesischen Klimaoffensive die Erderwärmung um 0,2 bis 0,3 Grad verlangsamen.

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    Die EU-Kommission hatte Ende vergangenen Jahres angekündigt, die Treibhausgase bis zur Mitte des Jahrhunderts auf netto null zu senken – unter anderem mit dem Ziel, in der internationalen Klimapolitik Druck auszuüben.

    Das Vorhaben scheint seine Wirkung zu entfalten: Japan will offenbar nicht mehr hinter seinen Weltmarktkonkurrenten zurückstehen. Kabinettsamtschef Katsunobu Kato sagte auf einer Pressekonferenz, man habe bereits fünf Jahren in Folge die japanischen Emissionen gesenkt. Und weiter: „Wir möchten weiterhin eine aktive Rolle bei diesen Bemühungen in der Welt spielen.“

    In Japan fragen sich die Medien allerdings, wie die Regierung in Tokio die neuen Ziele erfüllen will. Die Wirtschaftszeitung „Nikkei urteilte: „Um den hohen Zielen gerecht zu werden, wird Japan gezwungen sein, seine Industriestruktur zu verändern.“

    Die linksliberale Zeitung „Asahi gab zu bedenken, dass das Wirtschaftsministerium nun die Energiestrategie des Landes grundsätzlich überarbeiten müsse: Zum Beispiel müsse der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix, der niedriger ist als in den großen europäischen Ländern, erhöht werden. Wichtige Diskussionspunkte dürften auch die weitere Reduzierung von Kohlekraftwerken sowie die Rolle der Kernkraft sein.

    Kernkraft könnte wieder wichtiger werden

    Bisher sieht die Energiestrategie des Landes vor, bis 2030 den Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen auf 22 bis 24 Prozent seines Energiebedarfs zu erhöhen. Derzeit stammen rund 17 Prozent aus grünen Quellen, und davon rund die Hälfte stammt aus Wasserkraftwerken, obwohl Japan als Inselstaat sehr großes Potenzial bei der Offshore-Windkraft hat. Zum Vergleich: In Deutschland liefern Sonne und Wind rund ein Drittel des Stroms, trotz schlechterer geografischer Bedingungen.

    Im Gegensatz zu Deutschland und anderen europäischen Ländern, wie Österreich oder Italien, hält Japan trotz der Atomkatastrophe von Fukushima an der Kernkraft fest – die nämlich emissionsfrei ist. Allerdings sollte – Stand jetzt – ihre Bedeutung sinken: Im Jahr 2011 stammten 25 Prozent der japanischen Energie von Atomkraftwerken, bis 2030 sollen es drei bis fünf Prozentpunkte weniger sein. Der Anteil von fossilen Brennstoffen soll von 65 auf 56 Prozent sinken.

    Darüber hinaus soll Energie gespart und eine Wasserstoffwirtschaft aufgebaut werden, wofür der Pazifikstaat aufgrund seines Zugangs zu Wasser und der vorhandenen Infrastruktur gute Startbedingungen aufweist. Schon jetzt ist Japan eines der führenden Wasserstoffländer.

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    Kritik von Energieexperten gegenüber den neuen Klimaambitionen gibt es dennoch: Das neue Ziel sei wenig ambitioniert und unrealistisch, so der Tenor. Besonders der potenzielle nötige Wiederausbau der Atomkraft sorgt für Unmut. Denn die Bevölkerung leistet nach der Atomkatastrophe zwar stillen, aber zähen Widerstand gegen die Wiederinbetriebnahme abgeschalteter Meiler.

    Generell folgte die Regierung bislang nur langsam dem Drängen ihres jüngsten Kabinettsmitglieds, des 39-jährigen Umweltministers Shinjiro Koizumi, ihre Energiepolitik neu auszuarbeiten.

    Koizumi, der der Sohn des langjährigen ehemaligen Regierungschefs Junichiro Koizumi ist, setzte als Erstes durch, dass in den kommenden Jahren 100 der dreckigsten Kohlekraftwerke stillgelegt werden und der Export von Kohlekrafttechnik in Schwellenländer erschwert werden soll.

    Im Oktober kündigte dann Wirtschaftsminister Hiroshi Kajiyama an, dass Japan „Sonne, Wind und andere erneuerbare Energiequellen auf einem höheren Niveau als andere Energiequellen zu einer Hauptstromquelle machen wird“. Er wolle keine Obergrenze mehr – wie es bislang der Fall gewesen war – festlegen.

    Außerdem versprach Kajiyama, ein „großzügiges Budget“ für die Entwicklung von Hochleistungsspeicherbatterien und Offshore-Windturbinen bereitzustellen, so die „Nikkei. Doch Details gibt es noch nicht. Nun muss Suga zeigen, ob Japan in der Klimapolitik wirklich in der Riege der führenden Länder mitspielen kann.

    Mitarbeit: Eva Fischer

    Mehr: Mit dem Green Deal will die EU die weltweite Vorreiterrolle bei emissionsfreien Technologien einnehmen. Dieses Vorhaben gerät nun durch Chinas neue Klimaambitionen deutlich unter Druck.

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    1 Kommentar zu "Klimaschutz: Treibhausgasneutralität bis 2050: Japan beschleunigt seine Energiewende"

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    • Es ist wesentlich auch die Kernkraftwerke Japans zum Stillstand zu bringen. Denn der Unfall von FUKUSHIMA hatte zu vielen unschuldigen Menschen ihr Leben zerstört. Atommüll ist zudem hochgiftig und schwer abbaubar. Der Weg von der Kernenergie zur Neutrinovoltaik-Technologie, der Moskauer Atomphysiker Leonid Rumjantsev bekennt sich im Interview zur Nutzung der Neutrino Energy. Die Neutrino Energy Group und der CEO Holger Thorsten Schubart arbeiteten unermüdlich seit über 10Jahren mit dem internationalen Advisory Board an den Forschungsergebnissen und den daraus heute resultierenden Patenten und Lizenzen für diese emissionsfreie, grüne Energienutzung. Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlicht dazu aktuell: "Das ewige Licht - Der Beginn eines neuen Zeitalters" Weltbuch Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-906212-56-2. Die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung mit Strom zu speisen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln.




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