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Klimaschutzpolitik Die Ukraine soll Hersteller grüner Energien werden

Das Land sucht ein neues Geschäftsmodell, denn der Erdgastransit hat aufgrund der Pipeline Nord Stream 2 keine Zukunft. Die EU und die Bundesregierung haben bereits Pläne für die Neuausrichtung.
13.07.2021 - 00:05 Uhr 1 Kommentar
Russland wird künftig weniger Gas durch die Ukraine nach Westeuropa leiten, die Gebühreneinnahmen werden sinken. Quelle: Reuters
Gastransit durch die Ukraine

Russland wird künftig weniger Gas durch die Ukraine nach Westeuropa leiten, die Gebühreneinnahmen werden sinken.

(Foto: Reuters)

Berlin, Brüssel Um die Zukunft seines Landes geht es, weshalb der ukrainische Präsident Wolodimir Selensky derzeit keine diplomatischen Mühen scheut. Am Montag traf er sich erst mit EU-Kommissionsvize Maros Sefcovic in Kiew. Wenig später brach er nach Berlin auf, um am Abend mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt zu speisen.

Selensky weiß, dass die Ukraine ein neues Geschäftsmodell braucht. Die goldenen Jahre des Gastransits, aus dem das Land bisher einen wichtigen Teil seiner Einnahmen bestritten hat, sind vorbei. Russland wird künftig weniger Gas durch die Ukraine nach Westeuropa leiten, die Gebühreneinnahmen werden sinken. Der Grund ist die Ostseepipeline Nord Stream 2, die deutsch-russische Gasleitung, die Kiew mit aller Macht bekämpft hat. Das Projekt ist kaum noch zu stoppen, das hat auch Selensky inzwischen erkannt. Schon im August dürften die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Zwar haben sich die Russen nicht zuletzt auf Druck der EU dazu bereit erklärt, den Gastransit durch die Ukraine nicht komplett einzustellen. Doch es ist fraglich, was russische Versprechen in Zeiten wachsender politischer Spannungen wert sind. Selbst wenn die Russen die Vereinbarungen einhalten, ist nicht viel gewonnen. Denn die EU bereitet den Ausstieg aus fossilen Energien vor. An diesem Mittwoch will sie ihren Masterplan für eine klimaneutrale Wirtschaft vorlegen, den europäischen Green Deal.

Die Gespräche zwischen Ukraine, EU und Bundesregierung konzentrieren sich daher darauf, die Ukraine zu einem Partner bei der Energiewende zu machen. „Die Ukraine hat strategische Bedeutung für die EU“, sagte Sefcovic dem Handelsblatt und einer Handvoll anderer europäischer Medien vor seinem Flug nach Kiew. Die EU habe 30 kritische Rohstoffe identifiziert.

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    21 davon fänden sich in der Ukraine – etwa Lithium, Kobalt, Titanium und Seltene Erden. Es gehe um Materialien für die Luftfahrindustrie, Batterien, Windkraftwerke und Kommunikationsausrüstung. „In diesen Bereichen ist die Abhängigkeit der EU von einzelnen Ländern teils sogar größer als bei fossilen Energien“, sagte Sefcovic. „Wir müssen Lieferanten diversifizieren, neue Partnerschaften aufbauen.“ Die EU will daher eine Rohstoff- und Batterie-Allianz mit Kiew schmieden.

    Ukraine als europäischer Wasserstofflieferant: Großes Interesse der Bundesregierung

    Darüber hinaus soll die Ukraine zum Wasserstofflieferanten für Europa werden. Dieser Plan stößt gerade in Berlin auf großes Interesse. Denn auch die Bundesregierung befindet sich in einer schwierigen Lage. Sie hält an ihrer Unterstützung für Nord Stream 2 fest, muss der Ukraine aber entgegenkommen, um den Sanktionsdruck aus Washington zu mindern.

    Grafik

    Am Donnerstag will Merkel mit US-Präsident Joe Biden den langen transatlantischen Streit um Nord Stream 2 endlich begraben. Ein stärkerer deutscher Beitrag zur Unterstützung der Ukraine ist eine Voraussetzung für eine Verständigung mit den USA. Er würde auch im europäischen Interesse liegen: Der Aufbau grüner Energien in der Ukraine würde Kiew aus der Abhängigkeit von Russland befreien, und die EU ihrem Ziel der Klimaneutralität ein gutes Stück näherbringen.

    „Wenn es gelingt, wird das der Gamechanger in den Beziehungen der EU und Deutschlands zur Ukraine“, sagt der Chef der deutsch-ukrainischen Handelskammer in Kiew, Alexander Markus. Dafür würden aber gewaltige Investitionen nötig. Kiews Vizeenergieminister Jaroslaw Demtschenkow zufolge haben sich bereits mehr als 20 ukrainische Gesellschaften der europäischen Wasserstoff-Allianz angeschlossen. Darunter sind der Atomkonzern NAK Energoatom, GTS, der Betreiber des ukrainischen Gastransitnetzes, durch das künftig anstatt Erdgas Wasserstoff gepumpt werden könnte, regionale Energieerzeuger und der Stromriese Dtek.

    Die Ukraine hat ein beträchtliches Potenzial für Solarenergie. Die günstigste Region für die Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien ist der Süden des Landes, wo die Sonneneinstrahlung am höchsten ist. Dort, in der Nähe zum Schwarzen Meer, eröffnet sich auch großes Potenzial für Windenergie.

    Nach Überzeugung von Andreas Kuhlmann, Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), ist die Ukraine aussichtsreicher Kandidat für eine Wasserstoffpartnerschaft. „Wir sehen in der Ukraine großes Potenzial für den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft“, hatte Kuhlmann kürzlich gesagt. Es gebe Akteure aus verschiedenen Bereichen, die sich engagieren wollten.

    Die Infrastruktur nach Deutschland ist bereits vorhanden

    Eine Umfrage der Dena, die im Juni veröffentlicht wurde, belegt dies. Verschiedene deutsche Unternehmen verfolgen demnach konkrete Pläne für den Einstieg in die Wasserstoffproduktion in der Ukraine. Umgekehrt werben Vertreter ukrainischer Unternehmen und Konsortien bereits in Berlin für ihre Wasserstoffprojekte.

    Eine Zusammenarbeit stärke „die globale Energiewende in einem der größten Nachbarländer der EU ebenso wie den internationalen Klimaschutz“, sagte Kuhlmann. Die Dena ist vom Bundeswirtschaftsministerium damit beauftragt, die Zusammenarbeit mit der Ukraine in Energiefragen voranzutreiben.

    Die Ukraine verfügt nicht nur über riesige Flächen für den Ausbau der Windenergie und großes Potenzial für Photovoltaikanlagen, sie hat zudem auch einen besonderen Vorteil vorzuweisen: Die Infrastruktur, um grünen Wasserstoff nach Deutschland und damit in die EU zu transportieren, ist bereits vorhanden.

    Seit Jahrzehnten ist die Ukraine Transitland Nummer eins für russisches Erdgas, das in die EU geliefert wird. Die Leitungen und gewaltigen Gasspeicher des Landes könnte man künftig für den Wasserstofftransport nutzen. Der Neubau von Wasserstoffpipelines ist im Vergleich zur Umwidmung von bestehenden Erdgaspipelines etwa dreimal bis zehnmal teurer.

    Mehr: Die Klimaziele erfordern radikales Umsteuern. Wie mit Normen und Standards grüne Märkte entstehen können

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    1 Kommentar zu "Klimaschutzpolitik: Die Ukraine soll Hersteller grüner Energien werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • So, so - Die Bundesregierung knickt vor den USA ein und investiert zig Milliarden in die Ukraine nur damit wir Nord Stream 2 und damit eine sichere Energieversorgung haben dürfen. Diese ist notwendig, sollen doch bald alle Kern- und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Irgendwie macht es scheinbar der internationalen Gemeinschaft und auch den deutschen Politikern Spaß den deutschen Bürger zu quälen - nicht nur mit Corona - Einschränkungen (wo auf der Welt muss man FFP2 Masken noch tragen???). Oder habe ich da etwas falsch verstanden????

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