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Klimawandel und Landnutzung Zu hoher Fleischkonsum, zu viel Rodung – Klimarat präsentiert Report

Am Donnerstag veröffentlicht der Weltklimarat einen Sonderbericht. Im Fokus: Klimawandel und Landnutzung. Doch der Bericht könnte auch eine scharfe Mahnung an die Weltbevölkerung enthalten.
Update: 08.08.2019 - 01:12 Uhr Kommentieren
Die Landwirtschaft braucht Flächen, zugleich sind aber auch viele Wälder nötig, denn sie speichern das Treibhausgas Kohlendioxid. Quelle: dpa
Getreideernte in Brandenburg

Die Landwirtschaft braucht Flächen, zugleich sind aber auch viele Wälder nötig, denn sie speichern das Treibhausgas Kohlendioxid.

(Foto: dpa)

Genf Rund 820 Millionen Menschen weltweit sind unterernährt. Auf der anderen Seite gibt es einen sehr hohen Fleischkonsum, der viel Land verbraucht, und viele Lebensmittel werden einfach weggeworfen. Die wachsende Weltbevölkerung auf gerechte Weise mit ausreichend Lebensmitteln zu versorgen ist eine gewaltige Herausforderung - und sie wird durch den Klimawandel noch größer. Die Landwirtschaft braucht Flächen, zugleich sind aber auch viele Wälder nötig, denn sie speichern das Treibhausgas Kohlendioxid. „Die Nahrungsmittelsicherheit und der Schutz der Wälder sollten unverhandelbar sein“, sagt Charlotte Streck, Mitgründerin des Thinktanks Climate Focus. Ein Widerspruch?

Nein, sagt Streck, das Entweder-Oder-Spiel stört sie. Beides sei möglich. Die aus ihrer Sicht wichtigsten Hebel: Den Fleischkonsum senken und den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen forcieren. „Rindfleisch ist besonders ressourcenintensiv. Es braucht 20 Mal so viel Land und es entstehen 20 Mal so viele Treibhausgase pro Gramm essbaren Eiweißes wie bei pflanzlichen Eiweißen, etwa aus Bohnen, Erbsen oder Linsen“, erklärt Streck. Und die Ressource Land ist begrenzt. Zudem werden nach Angaben der Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO ein Drittel der Lebensmittel weltweit weggeworfen.

Diese Fakten wird aller Voraussicht nach auch der Sonderbericht des Weltklimarats IPCC deutlich machen, der am Donnerstag in Genf veröffentlicht wird und der sich vor allem mit der Landnutzung und dem Klimawandel beschäftigt.

EU-Kommissar Günther Oettinger hat in der Debatte um eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch vor nationalen Alleingängen gewarnt. Fleisch sei ein Grundnahrungsmittel im europäischen Binnenmarkt. Wenn sich Fleisch in Deutschland deutlich verteuern sollte, bleibe es im benachbarten Ausland gleich billig. „Daher rate ich von nationalen Sonderlösungen dringend ab“, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent werde zudem zu einer Verringerung des Fleischverzehrs „mit Sicherheit nicht beitragen. Gegebenenfalls gehen die Leute von der Biotheke zur normalen Fleischtheke.“

In Deutschland wird derweil bereits kurz vor der Veröffentlichung des Sonderberichts darüber diskutiert, ob Fleisch künftig höher besteuert werden sollte. Der Grünen-Experte Friedrich Ostendorff sprach sich für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent aus, von Bauern und Verbraucherschützern kam Kritik. Die Bundesregierung reagierte zurückhaltend. Das Thema ins Gespräch gebracht hatte der Deutsche Tierschutzbund. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, haben die Schlachtbetriebe in Deutschland im ersten Halbjahr des laufenden Jahres 2,6 Prozent weniger Fleisch produziert. Laut dem Statistikamt wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 29,4 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde geschlachtet.

Trotz dieses kleinen Erfolges für Klimaschützer in Deutschland: Der IPCC-Sonderbericht könnte eine scharfe Mahnung an die Weltbevölkerung, die Politik und die Wirtschaft enthalten. „Zu einer Zeit, in der wir es uns am wenigsten erlauben können, verlieren wir fruchtbaren Boden und biologische Vielfalt in einem alarmierenden Tempo“, sagte die Geschäftsführerin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep), Inger Andersen, bereits am Freitag zur Eröffnung der mehrtägigen IPCC-Sitzung. „Wir müssen die Nutzung unserer Landflächen an den Klimawandel anpassen, damit wir die Nahrungsmittelproduktion für die heutige und für zukünftige Generationen sicherstellen können.“

Ein großes internationales Forscherteam hat für den IPCC in den vergangenen Jahren eine sehr umfangreiche Analyse über den derzeitigen weltweiten Wissensstand zu diesen Themen erstellt. Seit Freitag sitzen Delegierte der IPCC-Mitliedsländer in Genf zusammen und beraten über die Zusammenfassung der Analyse. Den so entstandenen Report will der IPCC am Donnerstag präsentieren. Das einwöchige Prozedere soll dafür sorgen, dass der IPCC-Sonderbericht auch von den Mitgliedsländern anerkannt wird.

Dass nun überhaupt über die Rolle der Wälder und der Landwirtschaft diskutiert wird, wertet Expertin Streck bereits als einen großen Erfolg. „Das Thema betrifft uns direkt, wir sehen brennende Wälder, viel Schädlingsbefall. Die Waldqualität geht ja auch bei uns bergab“, sagt Streck, die vor allem einem Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen viel Potenzial beimisst.

„Die Klima-Modelle werden immer wilder, wenn wir an den fossilen Brennstoffen festhalten und immer mehr Aufforstungsflächen zur Kompensation ausweisen müssen.“ Ein Ende der fossilen Brennstoffe würde also viel Druck aus der Debatte um mögliche Landkonflikte nehmen. Der globale Ausstoß etwa von Kohlendioxid (CO2) müsste nach dem jüngsten IPCC-Bericht zum 1,5-Grad-Ziel von 2010 bis 2030 um 45 Prozent fallen und im Jahr 2050 Null erreichen.

Neben einem nachhaltigen Landmanagement werden Themen wie Dürren, Versteppung, Hitzewellen und Überschwemmungen in dem Bericht eine Rolle spielen. Der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, Hoesung Lee, betonte vergangenen Freitag vor allem die symbolische Wirkung auf die Öffentlichkeit, die der Report aussenden könnte. „Ich hoffe, dass wir die Aufmerksamkeit der Menschen für die Gefahren und Herausforderungen erhöhen können, die der Klimawandel für das Land bereithält, auf dem wir leben und das uns ernährt.“

Mehr: Norwegen will Kohlendioxid in alte Öl- und Gasfelder pressen und so den Klimawandel bekämpfen. Die verwendete Technologie ist allerdings umstritten.

  • dpa
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