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Koch Industries Tod eines Libertären – US-Milliardär David Koch stirbt mit 79

David Koch gehörte zu den reichsten Menschen der USA. Der Milliardär galt als Libertärer mit bestem Draht in die Politik. Und doch war er ein Gegner von Donald Trump.
Update: 23.08.2019 - 19:01 Uhr Kommentieren
David Koch: Tod eines Libertären – US-Milliardär stirbt mit 79
US-Milliardär David Koch

Der Milliardär galt als konservativer Liberaler.

Düsseldorf Die verschwiegenen Koch-Brüder gelten seit Jahren als wichtige Finanziers der konservativen Politik in den USA. David Koch, einer der Miteigner von Koch Industries, ist nun im Alter von 79 Jahren verstorben, teilte die Familie am Freitag mit. Schon vor einem Vierteljahrhundert war bei Koch Prostatakrebs diagnostiziert wurden, daraufhin hatte er sich immer mehr aus dem Tagesgeschäft der Firma zurückgezogen, die von seinem älteren Bruder Charles geführt wird.

Gemeinsam hatten sich die Milliardäre in den vergangenen Jahrzehnten ein weit verzweigtes Netzwerk in der US-Politik aufgebaut. Regelmäßig veranstaltete Koch Industries seit 2003 Treffen mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Politik, um ihre Ideen zu verbreiten.

Zweimal im Jahr findet eine Konferenz statt, 2019 in Indian Wells in Kalifornien. Dort kamen fast 634 Unternehmer, Investoren oder Privatiers zusammen, eine Rekordbeteiligung. Voraussetzung: Jeder Teilnehmer muss mindestens 100.000 Dollar spenden.

Die Kochs pumpten laut „New York Times“ seit den 70er-Jahren mindestens 100 Millionen Dollar in politische Bewegungen, konservative republikanische Kandidaten oder Think Tanks, um den rechten Rand in den USA zu stärken. Einige Schätzungen gehen von weitaus höheren Summen aus. Laut „Koch Industries“ spendete er zeitlebens insgesamt 1,3 Milliarden Dollar - allerdings auch für viele gemeinnützige Zwecke wie der Krebsforschung oder für Bildungs- und Kultureinrichtungen.

Sein Ideal war die verabsolutierte Freiheit, der sogenannte Libertarismus, möglichst niedrige Steuern und möglichst wenig Vorschriften. Im Zweiparteiensystem der USA gilt die Präferenz des Clans klar den Republikanern. Der Aufstieg der Tea Party wäre ohne die Koch-Brüder wohl kaum denkbar gewesen. David soll schon immer einen Hang zur Politik gehabt haben, versuchte sich in den 1980er-Jahren mit einer politischen Karriere – allerdings mit wenig Erfolg.

Die Brüder haben die marktradikale Ideologie von ihrem Vater, dem Firmengründer Fred Koch, übernommen. Dieser war ein glühender Antikommunist und trichterte seinen Söhnen ein, Sozialprogramme als Anfang vom Ende der Freiheit zu fürchten.

David gehörte mit Bruder Charles zu den reichsten Menschen der USA. Mit jeweils 50,5 Milliarden Dollar landen sie im neuesten Ranking des US-Wirtschaftsmagazins „Forbes“ auf Platz elf. Zusammengenommen aber würden sie noch vor Bill Gates auf Platz zwei landen.

Keine Spenden für Trump

Beiden Brüdern gehören jeweils 42 Prozent vom familiengeführten Konglomerat, das Raffinerien und Pipelines betreibt, aber auch in der Chemie-, Elektronik-, Papier- und Finanzbranche tätig ist. Das Unternehmen beschäftigt fast 130.000 Menschen. Etwas mehr als die Hälfte davon arbeiten in den USA.

Zum Koch-Reich zählen auch Brawny-Wischtücher oder Dixie-Becher, auch Invista, das Unternehmen, das Lycra-Textilfasern oder Stainmaster-Teppiche produziert. Die Firma war Anfang der 1960er-Jahre nur 21 Millionen Dollar wert. Heute beziffert „Forbes“ den Firmenwert auf 112 Milliarden Dollar.

Koch erlebte auch Rückschläge und Tragödien. 1991 überlebte er einen Flugzeugabsturz, bei dem nach Angaben von „Koch Industries“ 35 Menschen starben. Kurz danach erkrankte er an Prostata-Krebs, der nie ganz geheilt werden konnte. Insgesamt habe Koch Millionen für wohltätige Zwecke gespendet - darunter für die Bekämpfung von Krebs oder für Bildungs- und Kultureinrichtungen. 

Außenminister Mike Pompeo sprach der Familie am Freitag per Twitter sein Beileid aus. Die Nachricht von Kochs Tod habe ihn traurig gemacht.

Trotz seiner Nähe zu den Republikanern galt David Koch nicht als Freund von US-Präsident Donald Trump. Handelskriege, Zölle, Abschottung gegen Immigranten – die Politik von Trump passt wenig zu den weltoffenen, libertären Vorstellungen der Koch-Brüder.

Wie bereits 2016 wollten sie ihn auch im Wahlkampf 2020 nicht unterstützen – was in republikanischen Kreisen einem Erdbeben gleichkommt. Aus Sicht der Koch-Brüder ist Trump ein Desaster, obwohl er eines der Ziele der Kochs – die Absenkung der Unternehmensteuern – umsetzte.

Mehr: Mit großer Beharrlichkeit bauten Charles und David Koch ihr US-Konglomerat auf. Mit dem Familienunternehmer im Weißen Haus haben sie aber Probleme.

mit Bloomberg

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