Kohleausstieg Mehr als 20 Länder schmieden Allianz – ohne Deutschland

Kohle gehört zu den klimaschädlichsten Energieträgern. Auf der Bonner Weltklimakonferenz haben sich nun mehr als 20 Staaten zusammengeschlossen, die aus der Kohle aussteigen wollen. Deutschland gehört nicht dazu.
Update: 16.11.2017 - 15:09 Uhr 9 Kommentare
Kohleausstieg: Länder schmieden Allianz – ohne Deutschland Quelle: dpa
Aktion zur Weltklimakonferenz

„Kohle nur noch zum Grillen!“ steht am 12.11.2017 in Berlin auf dem Transparent von Umwelt-Aktivisten. Mehr als 20 Staaten wollen dem Aufruf folgen.

(Foto: dpa)

BonnGroßbritannien, Kanada und mehrere andere Staaten haben sich auf der Weltklimakonferenz in Bonn zu einer internationalen Allianz für den Kohleausstieg zusammengeschlossen. Die Abkehr von der Kohle-Energie sei der richtige Schritt, sagte Kanadas Umweltministerin Catherine McKenna am Donnerstag. „Wir schulden es unseren Kindern“, betonte sie. „Der globale Trend ist: Raus aus der Kohle“, kommentierte auch Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Nur Deutschland ist bei der Großallianz nicht dabei.

Neben Großbritannien und Kanada gehören der „Powering Past Coal Alliance“ mehr als zwanzig weitere Mitglieder an, darunter Frankreich, Italien, Österreich, Finnland, Mexiko, Portugal, Costa Rica und die Marshallinseln, aber auch einzelne Provinzen wie das kanadische British Columbia. Die Regierungen legen sich in ihrer Erklärung auf eine Abkehr von der traditionellen Kohle-Energie fest. Einzeln hatten sie das zum Teil in der Vergangenheit schon angekündigt. Die britische Regierung erklärte etwa, bis 2025 alle Kohlekraftwerke abschalten zu wollen. Das maximal mögliche Ausstiegsdatum liegt aber bei allen im Jahr 2030.

Das Bündnis stellte sich damit nur einen Tag nach der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Klimakonferenz auf. Merkel war dabei unkonkret geblieben, wie und wann Deutschland aus der sehr klimaschädlichen Kohlenutzung aussteigen werde. Umweltschutzverbände zeigten sich schwer enttäuscht. Der weltweite Abschied von der Kohle habe begonnen, sagte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer der Entwicklungsorganisation Germanwatch. Wenn Deutschland im internationalen Klimaschutz eine Rolle spielen wolle, dann müsse die kommende Bundesregierung einen klaren Plan für einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle vorlegen.

Mit seinem fehlenden Datum für den Abschied von der Kohle steht Deutschland zunehmend alleine da. Aber taugt die Allianz tatsächlich als Vorbild für die Bundesrepublik? Für Länder wie Frankreich ist es leicht, den Abschied von der Kohle zu verkünden - sie beziehen ihren Strom vor allem aus Atomkraftwerken. Auch Italien lässt sich nicht mit Deutschland vergleichen. Dort kommen 15 Prozent des Stroms aus Kohlekraftwerken - in Deutschland steht die Kohle für 40 Prozent der Stromerzeugung, Tausende von Jobs wären betroffen.

Als Symbol ist die Aktion trotzdem nicht zu unterschätzen - wird mit ihr doch auch ein klares Signal US-Präsident Donald Trump gesetzt. Und von Deutschland wird erwartet, endlich den Schritt zu wagen, den Kohle-Abschied zumindest vorzubereiten. „Kanada und Großbritannien tun das Richtige, wenn sie andere Länder zu einer Energieversorgung ohne Kohle anspornen“, sagte Catherine Abreu vom internationalen Klimaschutznetzwerk Climate Action Network. Natürlich ließen sich die Länder nur schwerlich miteinander vergleichen, sagte Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), dem Handelsblatt. Dennoch: um die Klimaziele zu erreichen, sei es dringend notwendig, dass der Ausstieg eingeleitet werde.

Es sei peinlich, dass Deutschland bei der Allianz nicht dabei sei, urteilt Michael Schäfer vom WWF. Und ökonomisch gefährlich: Denn die Kohle bremse Innovationen und Investitionen aus. Deshalb forderten auch immer mehr Unternehmen den Kohleausstieg. Auch der Finanzchef der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Michael Dittrich, forderte einen baldigen sozialverträglichen Ausstieg und betonte, eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz bedeute auch eine große Chance für die Innovationskraft und und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Der Wirtschaftsrat der Union warnte unterdessen erneut vor einem schnellen Abschied von der Kohle in Deutschland. Die Annahme, die Versorgungssicherheit wäre durch einen überstürzten Kohleausstieg nicht gefährdet, sei brandgefährlich, sagte Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates.

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9 Kommentare zu "Kohleausstieg: Mehr als 20 Länder schmieden Allianz – ohne Deutschland"

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  • Diese grünen Milchmädchenrechnungen gehen handinhand mit all den vielen anderen Märchen und "Vorteilen", mit denen uns die Lobbyisten der linken Ökoideologen über den Tisch ziehen wollen, um ihre Traumwelt zu erzwingen. Die zehn Prozent eigene Strom-Überproduktion, die uns manchmal die Polen abnehmen, werden wohl mehr als überboten von den 90 Prozent Kohlestrom, den wir von den Polen teuer kaufen müssen, wenn die Sonne der Grünen im Winter nicht so scheint.

  • Diese bösen Kohlekraftwerke gehören geschlossen, weil z.B., der Strom aus Tschernobyl Klima neutral ist und somit religiös der Richtige für Deutschland ist.
    Wichtig ist auch, das die CO2- Monstranz immer, durch heftiges Putzen, in Erinnerung bleibt. Es ist eben ein Glauben obwohl man über das Klima nichts weiß,
    daß erkennt man an der Wettervorhersage.

  • Haetten wir nicht den vorzeitigen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, saehe
    es fuer unsere Oeko-Bilanz viel besser aus, und wir koennten den Kohlegegnern den
    Gefallen tun. Da waren die Franzosen schlauer. Aber ansonsten koennen wir mit
    diesem "Alleingang" gut leben.

  • ...

    PS: Übrigens bezeichnete selbst das Handelsblatt das Agieren von Merkel als "ein Stück weit heuchlerisch"! Und die Zeit fragt, ob die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin auf dem Spiel steht? Schlimmer: die Kanzlerin ist schon lange unglaubwürdig!

  • So geht schwarze Null! Von der Klima-Kanzlerin zur Kohle-Kanzlerin!
    Wir erinnern uns:
    Bei der letzten Klimakonferenz in Paris wurden die Ergebnisse als "historischer Fortschritt" verkauft. Schön wär's.
    Für mich klang es wie Augenwischerei. Die Ziele hochsetzen (Erderwärmung auf 1,5 Grad anstelle 2 Grad begrenzen) und sich dafür feiern lassen, aber die Maßnahmen und deren Verbindlichkeit runtersetzen und möglichst nicht hinterfragen. Das kommt jetzt, wo alles konkretisiert werden soll, ans Licht. Die Union, insbesondere die CSU-Bundesminister, wollen mehr Wirtschaftswachstum, mehr ökologiefeindliche Landwirtschaft, mehr schmutzige Autoabgase und weniger Klimaschutz! Dobrindt geht in vertrauter Kumpanei mit der Autoindustrie nicht gegen deren massiven Abgasbetrug vor! Und Gabriel fürchtet die Kohlelobby. Doch Merkel schwadroniert von Dekarbonisierung, läßt sich - wie wir heute wissen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen - als Klima-Kanzlerin feiern und bringt nur ein Umsetzungsplänchen auf die Beine, von dem heute schon klar ist, dass die selbstgesteckten Ziele für 2020 nicht gehalten werden können, auch wenn das die Kanzlerin vor den Wahlen vehement geleugnet hatte. Und just zum Bonner Klimagipfel äußert sie Zweifel an der Erreichung des 2 Grad-Ziels! Durchsichtig! Frech!
    Im übrigen war schon in den Rechen-Modellen für das 2 Grad-Ziel z.B. das zwangsläufige Auftauen der Permafrostböden (enthalten fast doppelt soviel Kohlenstoff wie die gesamte Erdvegetation), das zu einer enormen Freisetzung von Kohlenstoff führt, nicht berücksichtigt.
    Was tun? Warten bis Öl- und Gas-Vorräte erschöpft sind? Auf die nächste Eiszeit warten? Sich anpassen?
    Diese Fragen hat sich auch Singer-Songwriter Sigismund Ruestig gestellt:
    http://youtu.be/s7Ivdm2-ZCQ

    http://youtu.be/LpxSXYw9tC0

    http://youtu.be/-q0gF597WEA

    Viel Spaß beim Anhören.
    ...

  • Das ist nicht ganz richtig, Frau Ebsel, u.a. Italien, Österreich und Portugal sind AKW-frei. Portugal deckt seinen Strombedarf zu über 25% aus Windkraft.

  • Die NGOs sollten gleich für die nächsten Konferenzen ihre Plakate bestellen: Ausstieg aus der Wasserkraft, Ausstieg aus der Chemieindustrie, Ausstieg aus dem Automobilbau, Ausstieg aus. allem was ihnen nicht passt. Die grünen Ideologen scheinen Deutschland fest in ihrem Bann zu haben, da kann die AfD einen historisch einmaligen Wahlsieg hinlegen und Merkel und Co machen weiter ihre sozialistische und grüne Politik, als wäre nichts gewesen.

  • Sehr richtig Frau Ebsel.

  • Dass Deutschland sich beim Kohleausstieg zurückhalten muss, haben wir unserer glorreichen Kanzlerin zu verdanken. sie war die Einzige, die hirnlos über Nacht aus dem Atomstrom ausgestiegen ist. Die zwanzig guten Staaten, die so großherzig auf Kohle verzichten wollen, setzen weiterhin auf Atomstrom und können somit auf kohle leicht verzichten.

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