Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Das grüne Wirtschaftswunder ist möglich

Alle wollen nachhaltig handeln. Damit daraus echter Klimaschutz wird, braucht es aber die richtigen Bedingungen, sagt Henkels Vorstandsvorsitzender.
21.01.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Carsten Knobel ist Vorsitzender des Vorstands bei Henkel.
Der Autor

Carsten Knobel ist Vorsitzender des Vorstands bei Henkel.

Wie lässt sich der Wandel zu nachhaltigem Wirtschaften gestalten? Welche Auswirkungen hat das auf Beschäftigung und Wohlstand? Welche Belastungen gehen damit einher, und wie werden diese möglichst gerecht in der Gesellschaft verteilt? Wie lassen sich die unterschiedlichen Positionen von Industrieländern und Schwellenländern vereinbaren?

Diese und viele weitere Fragen werden in den nächsten Tagen beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos erörtert. Dabei wird sicherlich auch der jüngst von der EU-Kommissionspräsidentin angekündigte „Green Deal“ eine Rolle spielen. Wie wir in Deutschland – als eine der führenden Wirtschaftsnationen mit einer starken industriellen Basis – mit diesen Fragen umgehen, wird von vielen anderen Ländern aufmerksam verfolgt.

Wenn ein „grünes Wirtschaftswunder“ gelingen soll, dann müssen Klima- und Industriepolitik ineinandergreifen. Dazu brauchen wir Technologien und Innovationen, marktgerechte Anreize und Steuerungsinstrumente sowie Kooperationen innerhalb der Industrie und entlang der gesamten Wertschöpfungsketten. Der Ruf nach Verboten, noch mehr Regulierung, wird dagegen nicht zum Erfolg führen.

Wir sollten vor allem auf technologischen Fortschritt und Innovationen setzen, um die industrielle Produktion, Verkehr, Transport und Handel effizienter und nachhaltiger zu machen. Beispiele gibt es viele: Neue, leichtere Werkstoffe und alternative Antriebskonzepte machen es möglich, Mobilität effizienter zu gestalten.

Die Digitalisierung ermöglicht durch vernetzte Systeme mehr Effizienz, weniger Ressourcenverbrauch und geringere Umweltbelastungen in der Produktion. So wird Henkel beispielsweise beim Weltwirtschaftsforum in Davos für die digital vernetzte Wasch- und Reinigungsmittelproduktion in Düsseldorf ausgezeichnet. Das ist nur eines von vielen Projekten in der Industrie, um durch neue Verfahren und intelligentere Systeme mehr Nachhaltigkeit in die Produktion zu integrieren.

Marktgerechte Anreize setzen

Die Entwicklung neuer Technologien und die Einführung innovativer Verfahren kostet Geld. Um für Industrie und Haushalte gezielte Anreize für Investitionen in neue, nachhaltigere Verfahren zu setzen, brauchen wir marktgerechte Anreize. Es bringt nichts, nur mit Verboten zu reagieren. Der Rückgang des CO2-Ausstoßes der chemischen Industrie in Deutschland zeigt, dass marktgerechte Systeme wie der Handel mit Zertifikaten erfolgreich funktionieren können.

Doch wenn CO2-Emissionen einen Preis haben – sei es durch Zertifikate oder eine Steuer –, so muss dies international gelten. Dann haben die Unternehmen vergleichbare Wettbewerbsbedingungen und verlässliche Rahmenbedingungen, um in neue und nachhaltigere Technologien zu investieren. Ein gemeinsamer Emissionshandel der G20-Staaten könnte ein wichtiger Schritt zu mehr Klimaschutz sein.

Der Kapitalmarkt zeigt ein großes Interesse an nachhaltigen Investments. Es gibt mittlerweile eine große Anzahl von „grünen“ Anleihen. 2019 stieg ihr Volumen auf mehr als 400 Milliarden Euro. Damit werden Umwelt- und Klimaschutzprojekte finanziert, zum Beispiel Windparks, Photovoltaik- und Biomasseanlagen, umweltfreundliche Transportkonzepte oder ein nachhaltiges Abfallmanagement.

Das gleiche Prinzip gibt es auch bei Krediten für einzelne Unternehmen: Je besser die Nachhaltigkeitsergebnisse sind, desto günstiger wird der Zins. Henkel hat 2018 als erster Dax-Konzern eine „grüne Kreditlinie“ mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro abgeschlossen.

Partnerschaften für globale Herausforderungen

Das Engagement einzelner Unternehmen ist gut, aber angesichts der globalen Herausforderungen ist es erforderlich, durch Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette Veränderungen voranzutreiben. Dazu gehört zum Beispiel die 2019 gegründete „Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt“. Hier haben sich zahlreiche internationale Konzerne von der BASF über Henkel bis zu Nestlé zusammengeschlossen. Gemeinsam sollen Lösungen entwickelt werden, die Umweltverschmutzung durch Kunststoffabfälle verringern und vermeiden.

Doch alle Investitionen und Anstrengungen der Unternehmen werden nicht zum Erfolg führen, wenn nicht auch die Verbraucher ihr Verhalten anpassen. Häufig wird erst beim Verbraucher der ökologische „Footprint“ eines Produkts entschieden. Deshalb werden zum Beispiel im Konsumgüterbereich Kooperationen zwischen Herstellern und Handelsketten immer wichtiger, um die Verbraucher besser über ihren Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit zu informieren.

Die Agenda in Davos zeigt, dass die Politik und die Wirtschaft die Notwendigkeit des Handelns erkannt haben. Nun kommt es darauf an, die technologischen Potenziale klug zu nutzen, die richtigen Anreize zu setzen und in strategischen Partnerschaften zusammenzuarbeiten. Dann kann der Wandel gelingen.

Mehr: Carsten Knobel hat bei dem Konsumgüterkonzern rasant Karriere gemacht. Jetzt wird er Vorstandschef und muss Henkel wieder in die Erfolgsspur bringen.

Startseite
Mehr zu: Kommentar - Das grüne Wirtschaftswunder ist möglich
1 Kommentar zu "Kommentar: Das grüne Wirtschaftswunder ist möglich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ja, möglich ist alles, aber ist es auch wahrscheinlich? Wohl eher nicht,

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%