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Kommentar Der Weg zur deutsch-japanischen Wirtschaftsallianz bleibt mühsam

Kanzlerin Merkel und Japans Premier Abe werben für mehr Zusammenarbeit zwischen deutschen und japanischen Firmen. Dabei ist Überzeugungskraft gefragt.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht neben Shinzo Abe, Ministerpräsident von Japan, bei einer Pressekonferenz in Tokio zu den Medienvertretern. Die Kanzlerin besucht für zwei Tage die japanische Hauptstadt für politische und wirtschaftliche Gespräche. Quelle: dpa
Bundeskanzlerin Merkel in Japan

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht neben Shinzo Abe, Ministerpräsident von Japan, bei einer Pressekonferenz in Tokio zu den Medienvertretern. Die Kanzlerin besucht für zwei Tage die japanische Hauptstadt für politische und wirtschaftliche Gespräche.

(Foto: dpa)

TokioFreihandel, regelbasierte multilaterale Weltordnung, friedliche Konfliktlösung – eine tiefe Wertegemeinschaft beschwören Deutschland und Japan schon seit Jahrzehnten. Außenminister Heiko Maas stellte sogar seine „Allianz der Multilateralisten“ voriges Jahr auf seiner ersten Asienreise in Tokio vor. Doch nun versuchen beide Regierungen, die Floskeln der Vergangenheit schrittweise mit Leben zu füllen. Dies zeigt der fünfte Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Japan.

Beide Länder wollen ihre Zusammenarbeit auf eine „neue, höhere Ebene“ heben, versprach ihr Gastgeber, Japans Regierungschef Shinzo Abe. Und die Liste der Tagesordnungspunkte wird in dem Maße länger, wie die wahrgenommenen Bedrohung durch China und vor allem die Attacken von US-Präsident Donald Trump auf eine regelbasierte globale Handelsordnung wachsen.

Inzwischen geht es längst nicht mehr nur um eine gemeinsame Initiative für die Reform – oder besser Rettung der Welthandelsorganisation. Eine enge Koordination beider Seiten für den kommenden G20-Gipfel in Japan der führenden Industrie- und Schwellenländern gehört dazu. Es geht um entwicklungs- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit von Südostasien über Afrika bis zum westlichen Balkan, um mit vereinten Kräften Chinas wachsendem Einfluss zu begegnen.

Selbst ein Geheimschutzabkommen wollen Deutschland und Japan schließen, damit beide Geheimdienste besser Informationen austauschen können. Doch große Hoffnungen setzen beide Regierungen auf eine deutsch-japanische Wirtschaftsallianz. Sie wollen Firmen beider Länder ermutigen, gemeinsam Front gegen die Herausforderer zu machen – ganz vorn im Bereich Industrie 4.0 gegen China und das Silicon Valley.

Das Potenzial solcher Kooperationen wird von Verbandsvertretern schon lange gepredigt. Denn theoretisch ergänzen sich die Firmen und Industriestrukturen beider Länder sehr gut. Deutschland ist mit seinem breiten Mittelstand in Spezialanwendungen ein großer Exporteur von Technik – vor allem in Europa. Japans Firmen sind traditionell besonders im Massenmarkt und Asien stark.

Doch so vorsichtig Japans Regierung letztlich auf deutsche Avancen einzugehen schien, auf so beschränkte Gegenliebe stieß Japans Buhlen um die deutsche Wirtschaft – Firmen im Auto- und Maschinenbau sowie die Branchen Chemie Pharma und Medizintechnik und Elektronik einmal ausgenommen.

Die Japan AG versuchte daher ermutigt von ihrem Oberverkäufer Shinzo Abe schon auf der Hannover Messe im Jahr 2017, als Gastland mit einem massiven Auftritt auf sich aufmerksam zu machen. Die Japaner reizt an Deutschland der systematische Angriff auf das Thema Industrie 4.0. Denn die ostasiatische Wirtschaftsmacht verfügt zwar über viele Unternehmen, die technisch und sogar in künstlicher Intelligenz für Maschinen stark sind.

Aber jede Firma ist dies für sich. Die Technikkonzerne sind allerdings schwach darin, das aufzubauen, was neben der Hardware die Industrie der Zukunft prägen dürfte: große Datenplattformen für Industriebetriebe, gerade die des versprengten Mittelstands.

In den vergangenen Jahren waren es daher japanische Firmen, die sich für mehrere Milliarden Euro Expertise und Marktzugang in Deutschland kauften. In der Regel treffen sie dabei auf willige Verkäufer, die sich unter der Schirmherrschaft der Japaner Wachstum für ihre eigenen Unternehmen erhoffen. Aber deutsche Firmen sind in Japan bisher – bis auf wenige Aufnahme - nicht auf großer Einkaufstour.

Ein klassisches Hindernis ist, dass Japans Markt als schwierig, bürokratisch und geschlossen gilt. Außerdem müssten viele Firmen ihren härtesten Rivalen auf deren Heimatmarkt gegenübertreten. Zudem ist der typische japanische Mittelstand oft Zulieferer großer Konzerne und daher weit weniger global orientiert. Der Pool an interessanten Firmen, die man auch übernehmen kann, ist daher tendenziell kleiner als in Deutschland.

Aber mit der langsamen Öffnung des Landes und der Unternehmen ergeben sich plötzlich neue Möglichkeiten für Geschäfte und Allianzen. Gleichzeitig profitiert Japan schon jetzt davon, dass China immer weniger als leichter Markt und immer mehr als Gefahr gesehen wird.

Japan ist vielleicht nicht so sexy und regt mit seiner schrumpfenden Bevölkerung die Wachstumsfantasien nicht so an wie das Reich der Mitte. Aber immer mehr Unternehmen scheinen sich für die Stabilität des großen Marktes zu interessieren, der auch mit weniger Arbeitnehmern immer weiter wächst. Und dank der Freihandelszone, die die beiden Enden Eurasiens verbindet, wird auch der Marktzugang für mehr Branchen erleichtert.

Die an Japan interessierte deutsche Wirtschaft versucht daher auf ihre Weise Zeichen zu setzen. Die deutsche Außenhandelskammer in Japan hat ein Diskussionsforum für deutsche und japanische Firmen organisiert. Und Kanzlerin Merkel wird dort am Dienstag sprechen.

Noch klarer ist allerdings ein anderes Signal: Die Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft soll 2020 im Umfeld der olympischen Spiele in Japan stattfinden. Richtig begleitet könnte diese Tagung mehr Schwung in die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen bringen. Dennoch wäre es angesichts der bisherigen Zurückhaltung eine Überraschung, wenn es zu einem regelrechten Allianzboom deutscher Firmen in Japan kommen würde. Dabei lohnt sich der Blick nach Japan – theoretisch wenigstens.

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