Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die EZB gewinnt den Krieg

Die EZB knickt ein, so könnte man die Nachrichten vom Brüsseler Sondergipfel deuten. Doch unter dem Strich bringt das Rettungspaket genau das, was die Notenbank immer gefordert hat. Ein Kommentar von Frank Wiebe.
21.07.2011 - 15:42 Uhr 14 Kommentare
Hat sich die EZB dem Druck der Politik gebeugt? Quelle: dpa

Hat sich die EZB dem Druck der Politik gebeugt?

(Foto: dpa)

Düsseldorf Noch ist völlig unklar, worauf sich die europäischen Politiker einigen. Aber gemessen an dem, was durchsickert, könnte es für die Europäische Zentralbank so ausgehen: eine Schlacht verloren, aber den Krieg gewonnen. Die EZB hat sich immer dagegen gewehrt, griechische Banken weiter mit Liquidität zu versorgen, wenn Griechenland in irgendeiner Form zahlungsunfähig werden sollte. Der Grund: Die griechischen Banken reichen als Sicherheit für die EZB-Kredite griechische Staatspapiere ein. Diese Papiere wären aber bei einem Zahlungsausfall nicht mehr als Sicherheit zu gebrauchen.

Angeblich rückt die EZB nun von dieser Linie ab. Ihre Kritiker werden ihr das, nicht ohne Häme, als ein erneutes Zurückweichen vor den Wünschen der Politik ankreiden. Die EZB selbst dürfte sich eine eigene Argumentationslinie zurechtlegen. Etwa so: Wenn die Ratingagenturen den Staat nur für wenige Wochen als zahlungsunfähig einstufen, kann man diese Zeit überbrücken. Oder die EZB sagt einfach, dass sie die Zahlungsunfähigkeit anders definiert als die Ratingagenturen. Das alles klingt dann nicht sehr überzeugend, aber die Notenbank hat den Boden für derartige Argumentationen in den letzten Wochen schon bereitet.

Das ist aber nur die eine Seite - die verlorene Schlacht. Wer aber gewinnt den Krieg? Es sieht im Moment so aus, dass die Regierungen die Mittel zur Rettung Griechenlands doch erheblich aufstocken - auch wenn Frau Merkel Mühe haben wird, das im Parlament ihrer eigenen Koalition zu erklären. Außerdem werden wahrscheinlich die Kompetenzen des Rettungsschirms deutlich erweitert. Mit einem Wort: Die Politik greift viel stärker ein und versucht, Griechenland aufzufangen.

Genau das war immer das Ziel der EZB, die bisher häufig alleine, zum Beispiel mit Stützungskäufen von Anleihen, gegen den Absturz gekämpft hat und dafür noch gescholten wurde. Wenn es tatsächlich so ausgeht, dass die Politik entschiedener auftritt, entlastet das letztlich die EZB: Sie kann sich wieder auf die Geldpolitik konzentrieren und die Finanzpolitiker kümmern sich um die Finanzpolitik.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dafür kann die EZB eine verlorene Schlacht riskieren - auch wenn sie sich hämische Kommentare einfangen wird. Und nebenbei gesagt: Gemessen an den massiven Aufkäufen der US-Notenbank am eigenen Anleihenmarkt ist die EZB ohnehin in jedem Fall noch ein Musterbeispiel für saubere Geldpolitik

    Startseite
    14 Kommentare zu "Kommentar: Die EZB gewinnt den Krieg"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • welcher Politiker war das?

    • Ein bißchen mehr Recherche täte solchen Artikeln in einem Wirtschaftsblatt gut.
      --------------------------

      Ja, das vermisse im Handelsblatt auch zunehmend.
      Die Nachrücker-Journalisten schreiben alles ohne zu überprüfen und ohne jede Sachkenntnis

    • Das ist doch ungefähr so wie gestern in den Nachrichten. Da stellen sich dann die Journaisten in Brüssel alle hin und verkaufen das als enormen Sieg. Merkel hat sich durchgesetzt, war zu hören, die Banken müssen zahlen.
      Ja, ein bißchen aus der Portokasse.
      Was aber nicht gesagt wird
      Und genau so ist der Artikel. Dem dummen deutschen Michl soll klar gemacht werden, dass gar kein Steuergeld fließt, sondern nun die Banken zahlen. Denn das ist in Wahrheit der unterschwellige Ton. Diese Bankenbeteiligung wird jetzt in den Vordergrund gestellt und lenkt davon ab, dass Mrd. Steuergelder fließen.
      Ich warte auf den Tag, wo hier Autobahnbrücken zusammen brechen oder Decken in den Schulen runter kommen, weil für Reparaturen kein Geld da ist

    • Ein gewonnener Krieg? Eher ist des doch wohl so, dass mit dem Übergang von der Transferunion zur Haftungsunion das hemmungslose Schuldenmachen europaweit in sein Endstadium gehen kann und schließlich auch Deutschland in den totalen Bankrott und die Enteignung seiner Bürger reißen wird. Mit den Zusagen von gestern und dem ESM überschreitet Deutschland den finanzpolitischen Ereignishorizont und wird wirtschaftlich verheert werden.

    • Der Vergleich FED vs. EZB beim Ankauf von Staatsanleihen gilt nicht! Was die FED macht, ist in reines geldpolitisches Maneuver; sie übernimmt kein Kreditrisiko. Was die EZB macht, ist weniger geldpolitisches Maneuver, sondern die Übernahme von Kreditrisken (bzw. die Abnahme dieser Risken von privaten Banken). Absolut unsauber!!!

    • Mam bemüht sich, die "große Wertberichtigung" hianuszuzögern, allerdings mit anderen und ganz konkreten finanziellen Folgen für die Steuerzahler und vermutlich auch Leistungsempfänger (Rentner, HartzIV-Empfänger, viellicht auch Staastbedienstete), als in den USA: dort bemüht man sich das primär über die Erhöhung der Schuldengrenze zu bewerkstelligen, daß es zu möglichst keinen Zuwendungsausfällen kommt (leider partiell schon passiert), hier in der BRD werden Steuern und Abgaben demnächst erhöht und Leistungen gekürzt werden, spätestens nachden nächste BT-Wahlen, eine "eu-harmonisierte" Umsatzsteuer von 21 bis 23% kann mal schon jeder einplanen, vielleicht auch mehr! Die AAA-Bonität der BRD Finanzagentur GmbH bildet einen Grundpfeiler, das Rückgrad der "weiter so"-Politik, deshalb wird das Personal der BRD "daran glauben müssen" - für den "Endsieg" des Euro über alle Sculdenprobleme in einer goldenen Zukunft, dami die 12 Sterne weiterhin leuchten!

      Maul halten und weitermachen!

    • Zwei Dinge sind richtig:

      1. Die EZB wird vorerst nicht mehr genötigt, abschreibungsgefährdete Greichenbonds ankaufen zu müssen: Die "Drecksaufgabe" über nimmt der ESFS.

      2. So lange kein Schuldenschnitt erfolgt, besthet auch bei der EZB kein Abschreibungsbedarf.

      Nun ist noch die Frage offen, ob es der EZB gelingt, ihre faulen Griechenbonds zum Buchwert an den ESFS weiterzureichen. Dann hätte sie wirklich gewonnen, erst dann! Ob und wann das gelingt, ist wohl eher vorläufig nur im Blick von Herrn Trichet und seinem Nachfolger, allerdings könnten Ereignisse am Markt ihnen eine Strich durch die Rechnung machen!

    • Was für ein trauriger Tag... wenn der ESFS tatsächlich zu 80% vom Nominalpreis kauft, dann hat das wenig mit Gläubigerbeteiligung zu tun. Das ist ein lupenreines Übernahmeangebot vom Steuerzahler mit sattem Aufschlag!

      Ich hatte eigentlich schon vorher mit nichts Gutem gerechnet, aber dieser Plan schießt den Vogel ab!

    • es geht weniger darum, wer " schlachten gewinnt" ,sondern wer substantielle demokratische regeln einhaelt oder bricht. die fed hat moeglicherweise die falsche geldpolitik betrieben, aber sie hat nicht demokratische grundregeln missachtet. sie kann jederzeit rechenschaft ueber ihr tun ablegen und fehler korrigieren. im fall der ezb und der politisch verantwortlichen in europa, die offen zugeben, alle regeln gebrochen zu haben dient jede neue entscheidung dazu fehlet zu kaschieren und demokratische grundrechte ihrem ziel zu opfern. die demokratie in europa hat schweren schaden genommen und ihre missachtung wird sich bitter raechen

    • Inflation betrifft nie eine Zentralbank, in der Tat sind sie die einzige Gruppe, die von ihr profitieren können, da sie, wenn sie nicht über genügend Geld verfügen, einfach mehr drucken können.

      Wann werden die Leute begreifen, dass weder Griechenland noch Irland, Portugal usw. "gerettet" werden sollen - sondern NUR das SYSTEM = Geld aus Luft.

      Gestern in TV sagte in Verbindung mit den Ratingagenturen ein sehr schlauer Politiker: "Ich habe das Gefühl, es geht gar nicht mehr um die PIIGS - Länder, sondern nur darum die Europäische Politik zu steuern". Er hat recht. Geld regiert die Welt, und jetzt müssen erst Mal alle Währungen in der Welt kaputt gemacht werden, damit eine neue STABILE Weltwährung mit (natürlich nur DIGITALER) Golddeckung eingeführt werden kann, wie hier schon lange vorbereitet:

      http://www.in.gov/legislative/bills/2009/IN/IN0453.1.html

    Alle Kommentare lesen
    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%