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Kommentar Erdogan verliert den Kontakt zur Wirtschaft und den Sorgen der Bürger

Wieder ein Wechsel in der Geldpolitik, wieder neue Eskapaden: Mit seinen politischen Feldzügen verunsichert der türkische Staatschef die Bürger – und vergrault Investoren.
25.05.2021 - 18:05 Uhr 2 Kommentare
In immer kürzeren Abständen wechselt der türkische Staatschef die Spitze der heimischen Notenbank aus. Quelle: AFP
Recep Tayyip Erdogan

In immer kürzeren Abständen wechselt der türkische Staatschef die Spitze der heimischen Notenbank aus.

(Foto: AFP)

Istanbul Der geldpolitische Rat der türkischen Notenbank besteht aus sieben Mitgliedern. Vier davon hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan innerhalb der vergangenen zwölf Monate austauschen lassen.

Per Dekret ließ der türkische Präsident in der Nacht zum Dienstag nun einen der Vizegouverneure austauschen. Neuer Mann im geldpolitischen Rat ist nun Semih Tümen, der zuvor unter anderem als Berater im Präsidialamt in Ankara tätig gewesen war.

Er gilt als Vertrauter des Präsidenten – wie einige, die Erdogan zurzeit um sich scharrt. Doch hier klaffen Hoffnung und Wirklichkeit auseinander. Erdogan wiegt sich zwar machtpolitisch in Sicherheit. Doch von außen betrachtet wirken seine Aktionen erratisch. 

Auch wenn er selbst es vermutlich nicht einsehen will: Erdogan hat die Bodenhaftung zur Wirtschaft verloren. Das ist gefährlich – auch für deutsche Investoren im Land.

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    Der Wechselkurs der Lira schwankte nur leicht, als die Nachricht am frühen Morgen verkündet wurde. Doch ein viel wichtigerer Wert schmilzt langsam dahin: das Vertrauen von Investoren, Firmenchefs und schlussendlich den Bürgerinnen und Bürgern selbst.

    Ende März hatte Erdogan den Chef der Notenbank, den international bekannten Ex-Erdogan-Berater Naci Agbal, geschasst und durch einen devoten Bankprofessor ersetzt. Die Lira hat seitdem 14 Prozent an Wert verloren. Seit Beginn des Jahres haben ausländische Investoren netto 1,18 Milliarden US-Dollar an Investitionen aus dem Land abgezogen. Zusätzlich haben Ausländer im selben Zeitraum türkische Aktien im Wert von über 1,8 Milliarden Dollar abgestoßen.

    Summe auf türkischen Fremdwährungskonten steigt

    Gleichzeitig vertrauen Türkinnen und Türken der Lira auch nicht mehr: Die Summe auf türkischen Fremdwährungskonten steigt immer weiter an, allein Anfang Mai binnen einer Woche um 1,8 Milliarden US-Dollar.

    Auch für Unternehmer aus der Realwirtschaft wird es immer schwerer, den Überblick zu behalten. Zwar profitieren Exporteure von der schwachen Lira. Doch die Importpreise für Rohstoffe wie Stahl, Dünger oder Bitumen sind seit Jahresbeginn durch die Decke gegangen.

    Hinzu kommt, dass die Weltwirtschaft nur schleppend ins neue Jahr gestartet ist. Und wenn Industrieländer wie Deutschland schwächer wachsen als erwartet, dann sinkt die Nachfrage nach Exportgütern wie etwa Maschinen aus der Türkei.

    All das spüren türkische Firmen längst, die meisten rechnen mit einem schwachen Quartal und einer Hängepartie im wichtigen Tourismussektor. 

    Erdogan, der immer ein gutes Gespür für die Stimmung an der Basis gehabt hatte, scheint sich dafür nicht mehr zu interessieren. Nach den Verlusten vieler Großstädte bei den Kommunalwahlen vor zwei Jahren hat seine Partei den Kontakt zur Basis verloren, zum Mittelstand, zur Wirtschaft und zu den Sorgen der Bürger. Würde dieser Kontakt noch bestehen, dann wüsste Erdogan: Die wirtschaftliche Misere macht den Menschen zu schaffen. Und das liegt nicht nur an der Corona-Pandemie, sondern auch an seiner eigenen Wirtschaftspolitik.

    Mehr: Harter Lockdown: Die Türkei zieht die Notbremse.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Erdogan verliert den Kontakt zur Wirtschaft und den Sorgen der Bürger"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Erdogan wird, wie jeder Despot, jede Menge Sündenböcke präsentieren und dragsalieren. Auf die Idee, dass er selbst das Problem ist, wird er nicht kommen. Der Palast des Paschas erinnert an den Palast von Herrn Ceaușescu. Wenn er so weitermacht, droht ihm hoffentlich in nicht allzu ferner Zeit das gleiche Schicksal wie dem rumänischen Despoten, dessen Frau auch gern im Ausland einkaufte. Einfach eklig diese Staatsmafiosis.

    • Hier geht es seit langem doch nur um Machterhalt! Da zählt der einzelne türkische Bürger*innen schon Jahre nicht mehr! Das es einfach nur Machtbesessenheit ist, kann ich mir nicht vorstellen.

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