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Kommentar Jetzt wird das Chaos in Großbritannien nur noch größer

Nach dem Rücktritt von Theresa May ist Boris Johnson der aussichtsreichste Kandidat für ihre Nachfolge. Ob er das Land einen kann, ist fraglich.
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Dass es ausgerechnet der glühende Brexit-Verfechter Johnson schafft, das Land zu einen, ist illusorisch. Quelle: AP
Brexit-Gegner mit Anti-Boris-Johnson-Plakat

Dass es ausgerechnet der glühende Brexit-Verfechter Johnson schafft, das Land zu einen, ist illusorisch.

(Foto: AP)

Nun hat sie es also doch getan: Am Freitagmorgen verkündete die britische Premierministerin Theresa May ihren Rücktritt. Sie legt ihr Amt am 7. Juni nieder.

Lange hatte sie sich Forderungen nach ihrer Abdankung widersetzt. Man konnte das als Sturheit deuten, als Idealismus oder als Uneinsichtigkeit. Sie selbst sagte, sie sehe es als ihre Pflicht an, den Brexit umzusetzen, und das, obwohl sie selbst ursprünglich gegen den Austritt aus der EU gestimmt hatte.

May hat damit eingestanden, dass sie den Brexit so wie von ihr geplant und verhandelt nicht durchsetzen konnte. Zu groß war der Widerstand gegen ihre Vorschläge, zu lange zeigte sich May nicht bereit zu Kompromissen.

Was auch immer sie in den letzten Monaten vorschlug, wurde kurz darauf abgeschmettert. Je mehr Zugeständnisse sie machte, desto vehementer die Kritik.

Doch ihr Rücktritt wird die Situation zunächst nicht besser machen – im Gegenteil: Das Chaos, in das Großbritannien seit dem „Leave“-Votum von 17,4 Millionen Briten vor drei Jahren gestürzt ist, dürfte noch größer werden. Mays Nachfolger wird vor den gleichen Problemen stehen, wie die Premierministerin: Das Land ist gespalten in „Remainer“ und „Leaver“, die partout keinen Kompromiss finden.

Im Parlament muss sich aber eine Mehrheit für eine Option finden. Sonst kann der Brexit weder durchgesetzt noch zurückgenommen werden.

Die Nordirland-Frage wird genauso schwierig zu lösen sein wie zuvor. Die EU kann im Interesse ihres Mitgliedes Irland hier kaum Zugeständnisse machen. Die Forderungen der EU-Anhänger nach einer Zollunion widersprechen den Träumen nach einer unabhängigen Handelspolitik der EU-Skeptiker. 

Jetzt ist Johnson Favorit

Wer wird sich als nächstes an der schwierigen Aufgabe versuchen? In Umfragen für ihre Nachfolge liegt der ehemaliger Außenminister Boris Johnson weit vorn. Er gilt als beliebt in der Parteibasis und im Volk. Und für die regierende Tory-Partei ist es wichtig, die Wähler zurückzuerobern, die gerade in Scharen zu Nigel Farages Brexit Party wechseln.

Dafür ist Boris Johnson der Richtige. Deswegen stehen die Chancen gut, dass er die anderen Kandidaten wie Ex-Brexit-Minister Dominic Raab oder Außenminister Jeremy Hunt ausstechen wird.

Dass es ausgerechnet der glühende Brexit-Verfechter Johnson schafft, das Land zu einen, ist illusorisch. Gestützt von einer kleinen Gruppe Brexit-Hardliner dürfte er zunächst einen möglichst radikalen Brexit anstreben und jede Warnung vor negativen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft als „Panikmache“ abtun. Er wird nach Brüssel reisen und Zugeständnisse fordern – die er nicht bekommen kann.

Eine Hoffnung bleibt jedoch: Vielleicht verändert das Amt des Premierministers Boris Johnson und er bricht nicht alle Brücken nach Brüssel ab. Als Brexit-Anhänger hat er die Chance, Kompromisse im eigenen Land durchzusetzen, an denen May gescheitert ist.

Johnson ist bisher so unberechenbar in seinen politischen Strategien gewesen, dass selbst ein zweites Referendum über den Brexit unter ihm nicht ausgeschlossen ist. Doch vor einer solchen unsicheren Lösung, stehen den Briten und der EU zunächst einmal chaotische Zeiten bevor.

Mehr: Die Wut über Theresa May und die Konservative Partei entlädt sich auch in ihrem EU-Wahlkreis. Über die Stimmung vor Ort haben unsere Großbritannien-Korrespondenten Kerstin Leitel und Carsten Volkery berichtet. Die neuesten Entwicklungen zum Brexit können Sie in unserem Newsblog verfolgen.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Jetzt wird das Chaos in Großbritannien nur noch größer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sowohl Boris Johnson als auch Nigel Farage "können gut" mit Trump.
    Sind doch also beste Aussichten für das UK, einmal was die "transatlantischen Beziehungen" und zweitens die Aussichten auf ein Freihandelsabkommen mit den USA für die Zeit nach dem Brexit betrifft... ;-)

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