Kommentar Schweizerische Nationalbank wirft ihre Fesseln ab

Mit der Kopplung des Franken an den Euro macht die Schweizer Notenbank einen drastischen Schritt. Aber er ist gerechtfertig - und wird auch funktionieren.
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Schweizer Franken-Scheine. Quelle: Imago

Schweizer Franken-Scheine.

(Foto: Imago)

FrankfurtDer  Leidensdruck für die Schweizer Wirtschaft ist so groß geworden, dass die Notenbanker ihre Fesseln abwerfen, die sie sich mit Rücksicht auf eine fehlgeleitete öffentliche Meinung bisher auferlegt hatten. Die Schweizerische Nationalbank hat angekündigt, keinen Wechselkurs zum Euro von weniger als 1,20 Franken je Euro mehr zu tolerieren. Um das durchzusetzen, will sie in unbegrenzter Höhe Euro kaufen.

Bankvolkswirte werden wahrscheinlich wieder sagen, das könne nicht funktionieren. Sie hatten sich mit Begeisterung auf das Scheitern der zögerlichen Devisenmarktinterventionen von 2010 gestürzt und behauptet, das hätte der Notenbank hohe Verluste eingebracht.

Das ist Unsinn. Verluste hat die Notenbank eingefahren, weil der Franken so stark aufgewertet hat und die in Fremdwährung gehaltenen Devisenreserven abgewertet haben. Das hat erst einmal nichts mit den Interventionen zu tun. Es gibt jedoch nichts, was die Notenbank zwingen würde, so zögerlich zu bleiben wie beim letzten Mal. Sie kann die Franken selber drucken, in ungegrenzter Menge, mit denen sie Wertpapiere kauft, die in Euro denominiert sind. Sie bekommt damit umsonst Wertpapiere, die Zinsen abwerfen, wenn auch bescheidene. Wenn diese Wertpapiere dann später einmal an Wert verlieren sollten, wird nur ihr Gewinn aus dem Drucken zusätzlicher Franken kleiner.

Norbert Häring ist Redakteur beim Handelsblatt in Frankfurt. Quelle: Pablo Castagnola

Norbert Häring ist Redakteur beim Handelsblatt in Frankfurt.

(Foto: Pablo Castagnola)

Wenn man etwas umsonst bekommt, ist es schwer, damit einen Verlust zu machen. Wer das behauptet, versteht die Bilanz einer Notenbank nicht richtig. Wenn dann noch der Franken abwertet, weil die Notenbank all denen, die ihr Geld in der Schweiz anlegen wollen, so viel frisches Schweizer Geld gibt wie sie wollen, dann ist nicht nur der Schweizer Wirtschaft viel geholfen, sondern auch die Währungsreserven der Notenbank werden wertvoller. Dann verschwinden die Verluste der Notenbank ebenso schnell wieder wie sie gekommen sind.

Die Finanzmärkte verstehen das. Sie wissen, dass eine entschlossene Notenbank den Wechselkurs der eigenen Währung so weit nach unten drücken kann, wie sie will. Deshalb hat schon die Ankündigung der Notenbank gereicht, den Franken um fast neun Prozent zu schwächen und unter das erklärte Kursziel zu drücken.

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8 Kommentare zu "Kommentar: Schweizerische Nationalbank wirft ihre Fesseln ab"

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  • Der EURO ist die Fessel:

    EURo -Schaden ohne Ende!

    Art. 20 (4) GG

  • Denken Sie mal nach: Wie real ist diese Möglichkeit überhaupt? Der Sfr. übernimmt jetzt die Rolle, die früher die D-Mark hatte. Die Schweizer Zentralbank kann genau so gut von heute auf morgen den Kurs vom Euro wieder lösen, sie hat keine Verträge mit der EZB oder sonst einer dieser Gangster-Bad Banks der Euro-Zone. Wer klug ist, wechselt seine Fränkli in Gold und Silber und ein paar Aktien von Nestle und Ciba, dann hat sichs...

  • Der einzig richtig Wg wäre gewens, die Schweiz hätte die Einfuhr udn Umtausch von Währungsmüll ganz stark limitiert oder ganz unterbunden bzw. nur im Rahmen von Handelstransaktioenen zwischen schweizer Unternhehmen und Handelspartnern im Ausland an Hand eines gnaz genau defineriten Kataloges zugelassen. Man muß sich nicht jeden Dreck über den Zaun werfen lassen.

  • Köstlich diese Finanzquacksalber, die zu borniert sind die Mechanismen eines Schneeballsystems zu begreifen. Das was Härig hier erklärt, funktioniert nur solange es einen Dummen gibt der nicht mitspielt. Wenn auch die EZB der amerikanischen FED und jetzt der SNB folgt (wenn auch aus jeweils oberflächlich betrachtet anderen Gründen) gibt es den schönsten Abwertungswettlauf. Wenn er das für sinnvoll hält, fragt man sich, wer ihm die Diplomarbeit geschrieben hat.

    Im übrigen glaube ich nicht, dass es sich bei der Frankenstärke um Spekulation im Sinne von Zockerei handelt. Es ist halt einfach ein riesiger Euroflüchtlingsstrom aus Deutschland, der sich der rituellen Verbrennung im mediterranen Fegefeuer entziehen möchte und für den es sogar attraktiver ist, wenn es mehr Franken für den Euro gibt. Man kann der SNB also schon mal viel Spaß beim Drucken wünschen und hoffentlich machen die Gewerkschaften bei den vielen Überstunden mit.

    Schön aber, dass die SNB nun in der Praxis widerlegen wird, was man Deutschland in Bezug auf GR immer vorgeschlagen hat: Von Anfang an konsequent unbegrenzte Garantien geben. Nun wird man in der Praxis sehen, dass das nicht funktioniert, solange es sich nicht um reine Zockerei und eingebildete sondern realwirtschaftliche Ungleichgewichte handelt, die nach Abbau drängen.

    Wenn man wirklich etwas Sinnvolles tuen wollte, dann sollte sich schnellstens eine Koalition der Willigen zusammen tun und den Betrugs-Dollar als Weiltlei(d)twährung durch einen Währungskorb mit Rohstoff/Goldanteil ablösen, der sich Verschiebungen der Weltwirtschaftsgewichte flexibel anpassen lässt und die Amis daran hindert deren Probleme auf Kosten der Restwelt zu lösen.

    Auch vorübergehende Kapitalverkehrskontrollen werden sich nicht vermeiden lassen, um die völlig in die Hose gegangene wilde Globalisierung/Deregulierung des Finanzsystems und die dabei aufgetürmten Ungleichgewichte an der lawinenartigen , die Realwirtschaft niederwalzenden Entladung zu hindern.

  • ???? Wäre dies so einfach würde man alle Probleme mit Gelddrucken lösen....man sieht was Amerika damit erreicht hat...es fehtl mindestens eine Seite, wo man beschreibt was die Folgen vom Gedldrucken sind....

  • Gratuliere Herr Häring - damit beschreiben Sie ja quasi das finanzpolitsche perpetuum mobile.
    Einfach unbegrenzt Geld drucken, damit europäische Staatsanleihen kaufen, den Wechselkurs schön stabil halten und sich auch noch an den regelmäßigen Zinszahlungen erfreuen!
    Das Ende vom Lied wird aber ein anderes, gänzlich in Moll komponiertes sein:
    Die Schweiz begeht damit nämlich den gleichen tödlichen Fehler wie die Geldvermehrer in Frankfurt (EZB) und Washington - sie inflationiert ihren einstmals so stolzen Franken auf unverantwortliche Weise.
    Dann kommen die Tage, an denen Dollar und Euro über den Jordan gehen und schwupps... übrig bleiben Billionen an wertlosen Staatsanleihen, ein zur Weichwährung verkommener Schweizer Franken und ein MASSIV reduziertes Volksvermögen unserer eidgenössischen Nachbarn!

  • Wann wirft die EUROZONE (EZB) ihre Fesseln (Griechenland) ab?
    oder zieht sie sich die Schlinge nur weiter enger um den eigenen Hals (EUROBONDS)?

  • Klasse, toll... und was passiert dann mit den Billionen Franken, wenn die Ausländer diese wieder an die Schweiz zurückgeben?

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