Kommentar Wer sitzt am längeren Hebel?

Die Entscheidung von S&P hat den zarten Optimismus der Euro-Retter im Keim erstickt. Doch es hilft nichts: Sie müssen ihren eingeschlagenen Weg weitergehen.
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Oliver Stock

Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

DüsseldorfDas Muster ist immer das gleiche: Nach langem Zögern, das oft angeführt wird von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, entschließen sich die Europolitiker einen nächsten Schritt zu machen, um der Schuldenkrise auf ihrem Kontinent Herr zu werden. Die Freude über den Entschluss währt dann ein paar Stunden. Länger dauert es in der Regel nicht, bis der mühsam errungene Schritt von all denen, die ihr Geld in Sicherheit bringen wollen und Marktteilnehmer genannt werden, wieder überholt wird.

Genau nach diesem Muster ist es auch jetzt gelaufen. Merkel und Sarkozy retten und verkünden am Abend, den Rettungsschirm ESM schneller in Kraft treten zu lassen. Drei Stunden später kommt die Ratingagentur S&P und verpasst den Euroländern, die bei ihr bislang noch uneingeschränkt gut dastanden, einen negativen Ausblick. Schon ist es blitzschnell vorbei mit der Herrlichkeit. Schon steckt die Politik wieder in der Defensive.

Was tun? Es bleiben theoretisch zwei Möglichkeiten: Möglichkeit Nummer eins ist, dass die Politik ihre Entscheidungen beschleunigt. Dass es ihr gelingt, sich an die Spitze der Bewegung und nicht hintenan zu stellen. Dass sie die Märkte überrascht und ihnen nicht hinterher hetzt. Das Dumme an dieser Idee ist, dass sie angesichts des Abstimmungsbedarfs unter 17 Eurostaaten, die unterschiedliche Interessen haben, kaum umzusetzen sein wird.

Bleibt die zweite Möglichkeit. Sie besteht darin, grundsätzlich klarzumachen, dass Europa am Euro festhalten wird, koste es was es wolle, und ansonsten das Votum der Marktteilnehmer, so gut es geht, zu ignorieren. Dahinter steckt die Überzeugung, dass letztlich die Politik und nicht die Finanzwelt am längeren Hebel sitzt. Merkel und die Euroretter setzen auf diese Lösung, weil sie keine andere Wahl haben. Drücken wir Ihnen die Daumen!


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  • ---@ ihr

    Demokratie, dass ich nicht lache.

    - Der Bundeskanzler wird von den Bilderbergern bestimmt

    - Die Banken sind letztendlich in der Hand der FED und entscheiden über Krise oder wohlstand
    - undd ei Medien sidn informativ in ein Netzwerk eingebunden, was weltweit von 2-3 Familien bestimmt wird.

    Das volk denkt doch nur,d ass es ein Mitspracherecht hat. Aebr ehrlich, wenn man sich mal die Volksmeinung so ansieht, muss man sich nicht wudnern, wenn man das Volk noch nie um seine Wahlmeinung gefragt hat.

  • Es wird keine Katastrophe geben.

    Das alles wurde schließlich initiiert, damit die Profanen endlich bereit sind, die nächste Stufe im GROSSEN PLAN (der neuen Weltordnung) zuzustimmen.

    GR udn I sind bereits befriedet
    Nun geht es an F, Sp, Pt, und die anderen Wackelkandidaten.

  • All das Geschimpfe auf die Ratingagenturen hilft doch überhaupt nichts. Das ist so ähnlich, als wenn man über die Wettervorhersage schimpft, bloss weil die sagt, dass es morgen regnen wird.

    Es dürfte doch überhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass für Deutschland über die Anteile an der EZB (die in großem Umfang Schrott aufkauft) oder in Zukunft über die Eurobonds die Eventualverbindlichkeiten und Mithaftungen steigen, und damit die Bonität sinkt. Wer das ignoriert, hat von wirtschaftlichen Zusammenhängen überhaupt keine Ahnung, ist dabei allerdings bei unseren Politikern in bester Gesellschaft.

  • Die jetzige Generation zahlt eh die Zeche, unsere Kinder werden es uns vielleicht einmal danken, daß dieser ganze Schuldenirrsinn mal ein ENDE hat.

  • Da wünschen sich hier einige allen Ernstes, dass Deutschland als Zahlerland ausfällt? Na, dann geht's also gleich zum IWF als lender of the last resort. Umso schneller kommt das Ende. Wem's gefällt ... . Mich betrifft es nicht finanziell.

    Klar, dass sich auch viele gegen den Gedanken sträuben "Let the Germans pay!". Aber das sind die, die nicht verstehen, dass davor ein "Let the Germans lend" stand. Die Deutschen wollten Überschüsse. Sie wollten sie anlegen. Sie legten sie dort an, wo Absatzmärkte per Defizitspending boomten. Und wundern sich dann, dass das Geldverleihen zum Zwecke der Finanzierung des eigenen Produktabsatzes nach ein paar Jahren stecken bleibt. Was also soll jetzt sonst passieren, als aus dem verliehenen Geld verschenktes zu machen? Und welchen Unterschied macht das jetzt noch für uns? So oder so haben wir keinen Gegenwert bekommen für unsere Waren. Die einzige Alternative dazu wäre, auf der Rückzahlung dieser Gelder in Form von Waren zu bestehen. Dafür müssten sich die Deutschen aber zurücklehnen und fauler werden, um mit den alten Forderungen Waren zu verkonsumieren. Wir müssten also ein Defizitland werden. Komischerweise will das aber auch niemand. Also was soll die Lösung sein?

  • Mit Verlaub, das ist Schwachsinn - oder finden Sie die "Lösung", die die meisten unserer europäischen Freunde aus naheliegenden Gründen vorziehen würden, etwa wünschenswert: "Let the Germans pay!" Wer so etwas will, zerstört auf Dauer Deutschland und Europa! Merkels Politik versucht zu retten, was zu retten ist. Wir werden sehen, ob es klappt ...

  • Na super, ganz toll. Weg mit denen, wir gründen dann unsere eigene, UNABHÄNGIGE Agentur, die uns Europäern wieder das XXXXXL- AAA bescheinigt oder was. Die Agenturen sind auf dem USA-Auge blind, mit dem Rest haben sie aber recht.

  • Die Ratingagenturen sind ein Produkt der Finanzindustrie.
    Warum werden diese Macher nicht zur Räson gebracht und für einen abgesteckten Zeitraum an die Kette gelegt?
    Warum läßt sich die Politik von der Hochfinanz ständig vor sich her treiben?
    Da steckt doch glasklar ein abgekartertes Spiel dahinter!

  • EUROPA muss sich vom Diktat der USA und FED-Gründer-Clans befreien !

    Friedensvertrag bestimmen " Ami go home "

    Eigene Rating-Agenturen aufstellen.

    Zockerei/Spielcasino an den Börsen Europas verbieten.

    Abgrenzen dass wir nicht mit Billig-Dollars überschwemmt werden

    Nicht jeden Billigschrott aus China importieren/konsumieren

    Schulden und Zinsen einfrieren - ob das den Investoren passt oder nicht .

    Wirtschaftlich-soziale machbare Konzepte erarbeiten und umsetzen - ohne korrupte Vermittler

  • Merkel und Euroretter . Nee , Die Merkel Partei hätte mit der Anti-Europapolitik vor 100 Jahren Deutschland in den Krieg gestürzt .
    Die Frau macht uns immer beliebter in der Welt . Oder ?
    Alle großen Länder und Politiker haben ihre Meinung über die Politik einer Fr. Merkel in der Welt schon gesagt . Sogar der Papst .

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