Kommentar zu Ferguson Tod aus der Polizeiwaffe

Notwehr oder Gewalt-Exzess? Der Fall des Polizisten Darren Wilson aus Ferguson zeigt, wie groß die Angst auf Amerikas Straßen ist – bei Bürgern wie auch bei Ordnungshütern. Volk und Staat liefern sich ein Wettrüsten.
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Polizist mit Dienstwaffe: „berechtigte Angst angesichts der Feuerkraft, mit der sie jeden Tag konfrontiert werden“. Quelle: Getty Images

Polizist mit Dienstwaffe: „berechtigte Angst angesichts der Feuerkraft, mit der sie jeden Tag konfrontiert werden“.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfWer in den USA Auto fährt und von einem Polizisten angehalten wird, sollte dringend ein paar Dinge beachten. Erstens, die Hände gut sichtbar aufs Lenkrad legen. Zweitens: keine hektischen Bewegungen machen. Drittens: bloß nicht aussteigen, es sei denn, der Officer verlangt danach. Sonst wird es gefährlich – zumal dann, wenn man schwarze Hautfarbe hat und schon deshalb als verdächtiger gilt als andere.

Amerikanische Polizisten fackeln nicht lange, von ihrer Waffe Gebrauch zu machen. Das hat auch der farbige Jugendliche Michael Brown mit dem Leben bezahlt, der im August in Ferguson von dem weißen Polizisten Darren Wilson mit mehreren Schüssen getötet wurde. Brown war unbewaffnet gewesen. Die Entscheidung einer Grand Jury, Wilson nicht anzuklagen, hat nun erneut eine Welle gewaltsamer Proteste ausgelöst. Auch der 12-jährige Tamir Rice aus Cleveland starb am Wochenende durch eine Polizeiwaffe, nachdem er mit einer echt aussehenden Spielzeugpistole herumgefuchtelt hatte. Ob in beiden Fällen vermeintliche Notwehr oder Überreaktion – diese Frage müssten Gerichte klären.

Unabhängig davon zeigen die Fälle Brown und Rice aber, mit welchen – tatsächlichen oder angenommenen – Gefahren es Bürger wie Ordnungshüter täglich auf Amerikas Straßen zu tun haben. Dort ist eine Spirale der Aufrüstung im Gange, und allzu leicht gerät man in die Schusslinie.

Nils Rüdel

Nils Rüdel ist Ressortleiter Politik bei Handelsblatt Online. Zuvor war er USA-Korrespondent in Washington und New York.

Wer als Polizist, Wachmann oder Kaufhausdetektiv einen Verdächtigen zur Rede stellt, muss stets damit rechnen, als nächstes in die Mündung einer Schusswaffe zu blicken. Deshalb ist es auch nicht ungewöhnlich, wenn selbst der Türsteher in einer Strandbar eine Neun-Millimeter um die Badehose geschnallt hat. Sturmgewehre für Hobbykrieger, Revolver für die Damenhandtasche oder das rosa Minigewehr für Kinder: Geschätzte 300 Millionen Feuerwaffen sind in den USA in Privathand – fast so viele, wie es Bürger gibt. Natürlich ist die übergroße Mehrheit der Waffenbesitzer gesetzestreu. Aber rund 30.000 Tote durch Schusswaffen jedes Jahr sprechen ihre eigene Sprache.

Verstörende Bilder: Die Nacht in Ferguson

Auf der anderen Seite: 48 im Dienst getötete Beamte im Jahr 2012. Und so rüstet auch die Staatsmacht auf: Police Departments übernehmen Panzer, Helikopter, Truppentransporter und anderes Kriegsgerät von der Armee, SWAT-Spezialkommandos rücken zunehmend zu Routineeinsätzen aus, die Polizei darf verdachtslos Bürger stoppen und durchsuchen („Stop and frisk“). Selbst Anti-Gewalt-Aktivisten wie Ladd Everitt von der Coalition to Stop Gun Violence sagen: „Polizisten haben berechtigte Angst angesichts der Feuerkraft, mit der sie jeden Tag konfrontiert werden.“

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10 Kommentare zu "Kommentar zu Ferguson: Tod aus der Polizeiwaffe"

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  • @ Holger Klekar

    Die Frage, was eigentlich der Unterschied zwischen Mafia und Staat ist, ist berechtigt, und die Diskussion darüber füllt sogar Bücher. Betrachtet man die KERNAUFGABEN eines Staates, Sicherheit, Infrastruktur und Bildung für alle Bürger bereitzustellen (wofür diese ihm Steuern entrichten), so findet man - ausgeprägt momentan z.B. in Mexiko - Strukturen von organisierter Kriminalität, die für "Schutzgeld" anstelle von Steuern z.B. sogar Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser betreiben (und deshalb in der Bevölkerung großen Rückhalt haben).
    Die Landesverteidigung können diese Organisationen aber nicht übernehmen, bestenfalls die Sicherheit der "Beschützten" vor kriminellen Konkurrenten und Rivalen.
    Noch ein aktuelles Beispiel für die Aggression des Staates gegenüber unbescholtenen Bürgern, wenn es um die Eintreibung von "Gebühren" geht:
    Auch wenn Bürger überhaupt nicht die "Leistung" der Agitation und Propaganda des Staatsfunks in Anspruch nehmen möchten (dabei ist das Grundprinzip sonst überall: keine Leistung ohne Gegenleistung!!) und sich lieber unabhängig informieren möchten, haben sie keine Chance, der Zwangsabgabe zu entkommen: notfalls werden sie von unserem "Rechtsstaat" sogar mit Haft bedroht. Wenn sie sich womöglich dagegen zur Wehr setzen: siehe Edward Abbey... ;-)

  • "Notwehr oder Gewalt-Exzess?"
    Vielleicht weder noch, sondern ganz einfach Selbsterhaltungsbedürfnis?
    In einem gutmenschlich verseuchten Land, in dem das Täterwohl längst wichtiger geworden ist als der Opferschutz, wird das eben nicht mehr verstanden.

  • Egal:
    Auch der juristisch so genannte putative Notwehrexzeß ist straffrei.

    In Deutschland, meist auch anderswo und auch in USA.

  • Nichts "Neues" aus USA - Unrechts-Staat-Amerika.

    Rassismus, Heuchlerei, genauso Schein-Demokratie wie in BRD,... EU.

    Was ist der Unterschied zwischen Mafia und Staat?
    Staats-Siegel? Staats-Macht ?

    Wenn Mafiosis sich einen "Boss" wählen, der die besten "Tricks" hatte um Steuern zu "sparen", aber der Normal-Bürger ausgeblutet / -ausgebeutet wird.

    Was ist daran in Ordnung - ehrenhaft - ....?

    Wer beleidigt wen, wenn man so etwas als "EU-Staats-Mafia" und - Boss" sieht?

  • Dazu fällt mir doch gleich ein Zitat des amerikanischen Philosophen Edward Abbey ein (übrigens eines meiner Lieblingszitate):
    "Wenn du dich weigerst, ungerechte Steuern zu bezahlen, wird dein Eigentum konfisziert. Wenn du versuchst, dein Eigentum zu verteidigen, wirst du festgenommen. Wenn du dich der Festnahme widersetzt, wirst du niedergeknüppelt. Wenn du dich dagegen wehrst, wirst du erschossen. Diese Maßnahmen sind bekannt als Rechtsstaatlichkeit."
    Abbey zeigt hier in nur wenigen Zeilen, dass Rechtsstaatlichkeit bloß eine Illusion ist. Das Nichtaggressionsprinzip, das wir schon in der Schule verinnerlicht bekommen, wird durch den Staat selbst permanent gebrochen.
    Insbesondere hat der Staat keinerlei Skrupel, mit seinem gesamten Zwangs- und Gewaltapparat gegen jene Bürger vorzugehen, deren einziges Vergehen es ist, ihr rechtmäßig erworbenes Eigentum zu verteidigen.
    Es kommt sogar noch schlimmer, wenn man sich die Bildung von Staaten anschaut: Kein Staat ist je ohne den Bruch von Individualrechten, also ohne Betrug, Raub, (Massen-)Mord und Totschlag entstanden.
    Die Väter der amerikanischen Verfassung haben das Alles gewusst. Und deshalb war es auch eine der ganz wenigen Sternstunden in der Geschichte der Staatsgründungen, dass das Recht auf Waffenbesitz in der Verfassung verankert wurde - eben auch, um dadurch die eigenen Bürger vor Übergriffen des Staates zu schützen!!
    Diese Möglichkeit haben beispielsweise heute die griechischen und spanischen Bürger, die gegen staatliche Willkürmaßnahmen kämpfen, nicht.
    Ganz schlimm wird es immer, wenn ein Staat in seiner Existenz bedroht wird, z.B. durch einen drohenden Staatsbankrott. Dann kennt das "kälteste aller kalten Ungeheuer" (Nietzsche) erst recht keine Hemmungen mehr...

  • Dazu fällt mir doch gleich ein Zitat des amerikanischen Philosophen Edward Abbey ein (übrigens eines meiner Lieblingszitate):
    "Wenn du dich weigerst, ungerechte Steuern zu bezahlen, wird dein Eigentum konfisziert. Wenn du versuchst, dein Eigentum zu verteidigen, wirst du festgenommen. Wenn du dich der Festnahme widersetzt, wirst du niedergeknüppelt. Wenn du dich dagegen wehrst, wirst du erschossen. Diese Maßnahmen sind bekannt als Rechtsstaatlichkeit."
    Abbey zeigt hier in nur wenigen Zeilen, dass Rechtsstaatlichkeit bloß eine Illusion ist. Das Nichtaggressionsprinzip, das wir schon in der Schule verinnerlicht bekommen, wird durch den Staat selbst permanent gebrochen.
    Insbesondere hat der Staat keinerlei Skrupel, mit seinem gesamten Zwangs- und Gewaltapparat gegen jene Bürger vorzugehen, deren einziges Vergehen es ist, ihr rechtmäßig erworbenes Eigentum zu verteidigen.
    Es kommt sogar noch schlimmer, wenn man sich die Bildung von Staaten anschaut: Kein Staat ist je ohne den Bruch von Individualrechten, also ohne Betrug, Raub, (Massen-)Mord und Totschlag entstanden.
    Die Väter der amerikanischen Verfassung haben das Alles gewusst. Und deshalb war es auch eine der ganz wenigen Sternstunden in der Geschichte der Staatsgründungen, dass das Recht auf Waffenbesitz in der Verfassung verankert wurde - eben auch, um dadurch die eigenen Bürger vor Übergriffen des Staates zu schützen!!
    Diese Möglichkeit haben beispielsweise heute die griechischen und spanischen Bürger, die gegen staatliche Willkürmaßnahmen kämpfen, nicht.
    Ganz schlimm wird es immer, wenn ein Staat in seiner Existenz bedroht wird, z.B. durch einen drohenden Staatsbankrott. Dann kennt das "kälteste aller kalten Ungeheuer" (Nietzsche) erst recht keine Hemmungen mehr...

  • @garry Auspa
    So, so, verehrter Klugschei....
    Sie scheinen sich in den VSvA auszukennen- ja, vielleicht sind Sie sogar ein Amerikaner, wohl einer von der super-liberalen Sorte. Europas Geschichte scheinen Sie aber deutlich weniger zu kennen oder Sie ignorieren diese einfach - übrigens wie auch viele anderen ihresgleichen Europa idealisierenden - dabei völlig.
    Wo waren denn die massenmordende Totalitarismen, der sozialistisch-kommunistischer und national-sozialistischer nämlich, die von und aus Staatswegen/Staatsterror WEHRLOSE Menschen gleich zu Millionen in die GULAGS bzw. KZ`s trieben oder auch gleich ermordeten- etwa in Amerika?
    Kann mir schon gut vorstellen, dass so mancher von Amerikas Sozialisten - den ach so lieben, doch überaus blutrünstigen uncle Joe (Stalin) der US-Demokraten schon vergessen? - mit Obama an der Spitze in diese Richtung liebäugeln...
    Ich selbst, kein Waffennarr, kann nur hoffen das Amerikas Bürger sich nicht Waffen aus ihrer Hand durch den Staat nehmen lassen und im jeden Falle wehrhaft bleiben - auch wenn dadurch einiges in den individuellen Bereichen schief läuft.

  • Ich würde weder in den USA noch heutzutage hier Polizist sein.
    Da stehen am Ende immer die Falschen im Regen.
    Gleichwohl habe ich für überreagierendes Abschießen Jugendlicher oder Kinder ebensowenig Verständnis wie für Gerichte oder Jurys bzw. Grandjurys, die obendrein wenig nachvollziehbar frei sprechen oder die Anklage erst gar nicht zulassen.
    Auch in den USA lernen Polizisten neben tödlichen auch schlicht verwundende Schüsse, etwa in Arm oder Bein.
    Das dürfte - jedenfalls bei Einzelkonfrontation - als letztes Mittel, denn davor dürfte zwingend der Warnschuss liegen müssen - regelmäßig ausreichen.

  • "Volk und Staat liefern sich ein Wettrüsten."
    Das Recht auf Waffenbesitz ist in den USA ein Fetisch. Die Privathaushalt sind durchschnittlich in einem Maße mit Schusswaffen ausgestattet, wie es hier glücklicherweise nicht vorstellbar ist. Es gibt dafür verschiedene Ursachen, aber bestimmt nicht die, dass man glaubt, gegen die staatliche Ordnungsgewalt gerüstet sein zu müssen. Die Behauptung eines Wettrüstens zwischen Volk und Staat ist reine Idiotie!

    "Ob in beiden Fällen vermeintliche Notwehr oder Überreaktion..."
    Nach nur wenigen Zeilen der zweite Faux-pas des Verfassers. Da will man schon nicht mehr weiterlesen. Im Sinne der Pauschalisierung werden hier zwei Fälle in einen Topf geworfen, die nicht miteinander vergleichbar sind. In einem Fall war der Täter bewaffnet (Wer soll wissen, ob es sich um eine Spielzeugpistole handelt?) und soll auch nach dieser Waffe gegtriffen haben. Im anderen Fall war der Täter unbewaffnet und hat angeblich auch keine Anstalten gemacht, Widerstand zu leisten. Allein daraus, dass beide Opfer schwarzer Hautfarbe sind, kann man kein System konstruieren.

    Wirklich schlimm ist aber, dass das Verhalten des Fergusson-Polizisten nicht einmal eine juristische Untersuchung erfahren soll. Eine Jury, die so mit dem Feuer berechtigter, öffentlicher Empörung spielt, wirft den Verdacht auf, vom Gedankengut des Klu-Klux-Clans infiziert zu sein.

  • Das sehe ich auch so wie der Autor.
    Wer da alles bei uns mit Waffen rumfuchtelt ist schon erschreckend.
    Da gehen 12jaehrige mit ihrem Vater auf die Hirsch Jagd, da kommen in Suedchicago dutzende von jungen Leuten durch Schießereien um.
    Da werden unschuldige Kinder von einem Verrueckten erschossen.
    Eine Reaktion auf lange Zeit erfolgt nicht.
    In den USA geht es mit Waffen Umgang wie in Deutschland mit der Geschwindigkeit Begrenzung.
    Es wird geredet und nichts getan.
    Wie das Problem zu lösen ist,weiß keiner oder will keiner wissen.
    Man beruft sich auf das zweite Amendment der Verfassung.
    Die Politiker die dagegen sind werden defamiert
    oder als schlechte Amerikaner dargestellt,die die Verfassung und die sogenannte Freiheit des Individuums missachten.
    Eine traurige Geschichte,in einem Land mit vielen Ignoranten.

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