Kommentar zu Krawallen England als Fanal einer zerfallenden Gesellschaft

Proteste, wie die in Großbritannien, die zu offener Gewalt ausarten, haben oft wenig mit echtem Geldmangel zu tun. Was stärker fehlt, sind soziale Bindungen. Und nicht nur das.
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Folgen der Randale in London. Quelle: dpa

Folgen der Randale in London.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIn englischen Städten werden Geschäfte geplündert, Häuser brennen, es gibt sogar Tote. In anderen Ländern findet weniger brutaler Protest auf der Straße statt, in Israel, in angeschlagenen Euro-Ländern wie Griechenland und Spanien. Kommt nach der Schuldenkrise die soziale Krise?

Logisch wäre das: Die Finanzkrise hat dafür gesorgt, dass die Staaten sich verschulden, nun müssen sie ihre Leistungen kappen - und die betroffenen Bürger gehen auf die Straße. In Großbritannien haben die Jugendlichen aber nicht die Lebensmittelläden geplündert, sondern sich mit Bildschirmen und Handys eingedeckt. In Israel war nicht der Brotpreis Auslöser der Proteste, sondern der teure Hüttenkäse. Und in Griechenland und Spanien gehen auch Jugendliche auf die Straße, die zu Hause noch ganz gut versorgt sind.

Geldprobleme allein erklären es nicht. Das macht die Sache noch schwieriger. Selbst ein üppig ausgestatteter Staat kann außer Geld häufig nicht viel bieten. Das ist das Elend jedes Sozialstaats: Er ist wichtig, er ist teuer - allein aber machtlos gegen den Zerfall der Gesellschaft.

Wie sieht es in Deutschland aus? Wir haben zum Glück keine Unruhen wie in England oder vor einigen Jahren in Paris. Trotzdem gibt es auch hier soziales Elend - und gleichzeitig den Eindruck, dass dabei nicht nur Geld eine Rolle spielt. Die Einkommensverteilung hat sich verschlechtert, aber der deutsche Staat verteilt sehr ausgiebig Einkommen um und schafft dadurch finanziellen Ausgleich. Trotzdem erweckt die öffentliche Diskussion oft den Eindruck, als lebten wir in einer Republik verarmter Hartz-IV-Empfänger und darbender Rentner. Geht es wirklich nur ums Geld?

Desolate Wirtschaftslage
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18 Kommentare zu "Kommentar zu Krawallen: England als Fanal einer zerfallenden Gesellschaft"

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  • Mit Nachdenken wird man auch weiterhin nichts verändern. Es wird so bleiben, wie bisher. So lange sich die Menschen nicht grundlegen ändern, wird sich auch die Welt nicht ändern.

    Politiker werden nun einmal gewählt, damit das Volk immer noch ein Beispiel von Menschen hat, die noch mieser sind, als sie selbst.

  • sehr geehrter Herr speculatorius,

    biste aber gut im Übertreiben!

    Es wird weiter gehen, wie bisher. Nur geht das heute etwas schneller. Es gibt keine Sprünge. Weder in der Biologie noch im Bewusstsein des Menschen.

    Bewusstseinsspünge sind den Initiationen vorbehalten, oder durch sogenannte Erleuchtungen. Beides aber dürfte wohl dem menschl. Kollktiv im Moment nicht zukommen.

    a

  • ÜBERLEBE

    Nur das zählt für die Menschen.
    Überlebe als Individium
    Überlebe als Menschheit

    Es gibt noch ein weitere Oberste Direktive: ERLEBE, aber das ist wohl nur den Menschen vorbehalten, die um ihre Seelische Unsterblichkeit wissen. Ich meine damit nicht die Christen.

  • ÜBERLEBE

    als Körper und als Menschheit.

    Das ist das oberste Motiv der (normalen) Menschen udn alle anderen Motive sind dem untergeordnet.

  • Arterhaltung? Mission über(er)füllt! Wir sehen doch wohl beide in Menschen mehr als die Arterhaltung, das ist lediglich ein Selbstzweck. Sie werden sicher für Ihre Überzeugungen genau so gute Gründe haben wie ich für meine. Aber unsere Lebensgrundlage, unserer Planet, sollte nicht vergessen werden. Und da darf man schon die Frage in den Raum werfen, ob weniger Menschen mit mehr Handlungsfreiheit und Wissen von Vorteil wären.
    Dass Sie meine Meinung teilen erwarte ich ja gar nicht ;)

  • @ squirrel

    Tja, das alte Dilemma. Was ist die naturgegebene "Aufgabe" der Menschheit? In erster Linie wie bei allen anderen Lebewesen - die Arterhaltung. Aber warum wurde der Mensch mit "Wissen" ausgestattet? Nun, darüber streiten sich die Geister. Meiner Meinung nach um das Leben zu verbreiten. Dazu gehört Expansion (auch der eigenen Art).

    Aber zurück zum Thema - ich sage ja nicht, das es gut ist das der Mensch sich so ungehemmt fortpflanzt, aber unser ganzes Wirtschaftssystem würde zusammenbrechen, wenn er dies nicht tun würde. Die Wirtschaft ist auf immer weiter steigendem Wachstum aufgebaut - stagniert dies oder geht es zurück, dann bricht das System zusammen. Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, muß die Menschheit sich neue Werte suchen - rein materialistische und reine individual Werte bedingen unweigerlich den Untergang - früher oder später.
    Im übrigen - der einzelne Mensch ist nur dann unbedeutend, wenn er alleine in seiner Höhle haust. soll heißen - niemand ist unbedeutend - fragen sie ihre Eltern oder Kinder ob sie für sie unbedeutend sind ;-)))

    Wir denken nur immer, das wir unbedeutend sind, nur weil wir nicht in der Zeitung stehen oder in den Nachrichten erscheinen. Aber das hat mit unserer Macht und Materialistischen Denkweise zu tun. was aber nicht heißt, das die Menschheit nicht in der Lage wäre, dies zu ändern. Nur wie gesagt - dies wird dauern.

  • Menschen sind nun mal materialistisch, zumindest die meisten. Das mag man richtig finden oder auch nicht.
    Aber was ist ein Mensch wert, der nicht die Freiheit hat diese Antwort für sich selbst zu finden - weil er gar keine Wahl hat?
    Wo wir vermutlich unterschiedlicher Meinung sind: Wenn wir die selbe Arbeit mit weniger Menschen schaffen, dann sollten wir eventuell unsere Reproduktionsrate überdenken. Jeder Mensch verbraucht Ressourcen. Ich sehe keine Lösung darin, die einem einzelnen Menschen zur Verfügung stehen Mittel unendlich einzuschränken. Den dies schränkt die Handlungsfreiheit ein und macht letztendlich das Individuum unbedeutend.

  • @ Wolf54321
    Ist ein Dach über dem Kopf und was zu Essen im Kühlschrank wirklich eine zu hohe Forderung, das Sie das gleich "Schutzgeld" nennen? Was können die normalen Arbeitslosen (ich mein nicht die Schmarotzer, die es auch gibt im geringen Prozentsatz) dafür, das es keinen Arbeitslatz mehr in der materialistischen Gesellschaft für sie gibt? Was können Jugendliche dafür, das es nicht genügend Ausbildungsplätze gibt? Was können unsere Kinder dafür, das es nicht gewollt istein wirklich funktionierendes und für jeden erschwingliches Bildungswesen aufzubauen? Wenn nur noch die Kinder kriegen dürften, die sich das auch leisten können bis zum Studium, dann wäre Deutschland schon lange leer. Denn diejenigen würden sich aus Karrieregründen schon keine Kinder anschaffen ;-)

    Das größte Problem unserer Gesellschaft sind die heutigen Aktiengesellschaften. Ein Aktionär kennt keine soziale Verantwortung für die Mitarbeiter, sondern nur seine Brieftasche. Ihm ist es egal, wie die AG ihr Geld verdient, Hauptsache er bekommt seinen Teil davon ab (und der muß auch noch stetig wachsen, sonst ist er unzufrieden).
    Bei den wenigen noch verbliebenen großen Unternehmen in Privathand sieht man den Unterschied deutlich schon beim Arbeitsklima. Auch die großen Entlassungen halten sich dort in sehr engen Grenzen, weil dort das Wort "Verantwortung für Mitarbeiter" noch einen Stellenwert hat.
    Ich muß heutzutage immer wieder an den Film "Das fünfte Element" denken wo der Dialog so sinngemäß fiel: Sollen wir 500.000 Mitarbeiter entlassen um den "Börsenwert" zu erhöhen? Anwort: entlassen sie 1.000.000"
    So in etwa arbeiten derzeit die "InterimsManagergarde" doch auch in den AG´s

    Und Medien und Politik spielen denen in die Hände (logisch - werden ja auch von ihnen bezahlt) und bringen die Menschen (Arbeitende gegen Arbeitslose ect.) gegeneinander auf. Frei nach dem Motto: Wer mit anderem beschäftigt ist, der kümmert sich nicht um "Uns". Wenn zwei sich streiten freut sich der dritte.

  • @Wolf54321

    ich glaube Schutzgeld ist gar nicht nötig. Was nötig wäre ist eine Perspektive für diese Menschen, sich die Konsumgüter Ihrer Wahl selbst zu erarbeiten. Diese Möglichkeit fehlt heute häufig. Das betrifft im übrigen auch meinen Freundeskreis, in dem sich einige mit Doktor-Grad in Naturwissenschaften befinden, die teils gar keinen oder nur auf ein Jahr befristete Jobs finden.

  • @ squirrel

    Das Wirtschaftssystem kann nicht funktionieren auf Dauer - auch nicht durch einen Gesellschaftsrückgang. Das System selbst ist marode (wie sie ja schon selbst bemerkt haben). Ständig wachsende Automatisierung ( damit verbunden die Abnahme der Beschäftigung) und ständiges (unendliches) Wachstum sind miteinander niemals vereinbar, wenn man von einem materialistischen System wie dem unsrern ausgeht. Eine Bevölkerungsreduzierung würde dem entgegenstehen ;-)

    Der einzige Ausweg für die Menschheit wäre ein System, das auf dem Streben nach Wissen basiert und in dem das Denken des Einzelnen auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist - nicht auf Macht und Reichtum. Aber das ist weit entfernte Zukunft (wenn die Menschheit dies jemals erlebt und sich nicht vorher selbst ausrottet). Dazu haben wir noch zuviele Gene unserer Urahnen im Blut ;-)

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