Kommentar zu Putin im Vatikan Papst als Türöffner?

Putins Privataudienz bei Papst Franziskus sorgt für ein Politikum. Wird der Papst Putin im Konflikt zwischen West und Ost zu einer Annährung bewegen können? Das hat schon einmal funktioniert.
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Shakehands mit Folgen: Putins Besuch im Vatikan sorgt in vielen europäischen Hauptstädten für Stirnrunzeln. Quelle: dpa
Papst Franziskus und Wladimir Putin

Shakehands mit Folgen: Putins Besuch im Vatikan sorgt in vielen europäischen Hauptstädten für Stirnrunzeln.

(Foto: dpa)

MailandFrage: Wie politisch ist der Papst? Antwort: Sehr politisch. Wir wissen bereits: Papst Franziskus ist revolutionär und er schert sich nicht darum, was andere denken – insbesondere wenn sie im Vatikan sitzen. Aber das galt bisher vor allem für gesellschaftliche Dinge und um Gerechtigkeit.

Spätestens seit dem Empfang von Wladimir Putin am Mittwoch wissen wir: Der Papst ist auch sehr politisch. Er empfängt den Aussätzigen Putin zwei Tage nach dem süddeutschen G7-Gipfel und setzt damit ein klares Zeichen. Nachdem die G7-Staaten an dem Embargo gegen Russland festhalten, öffnet Franziskus ihm die Tür. Und er tut gut daran.

Katharina Kort

Katharina Kort ist Handelsblatt-Korrespondentin in New York.

Erstens sollte der Vatikan als religiöse Ausnahme-Entscheidung unter den Ländern keinem politischen Block angehören. Zweitens kann auch Europa von einem Mediatoren in seiner Mitte profitieren, um einen neuen Kalten Krieg zu verhindern.

Es ist auch längst nicht das erste Mal, dass sich ein Papst in die große Politik einmischt. Im Gegenteil: Vor dem argentinischen Franziskus war bereits der polnische Papst Johannes Paul II eine der treibenden Kräfte, die zum Niedergang der Sowjetunion beigetragen haben. Der deutsche Benedikt XVI. war gewissermaßen nur eine kurze theologische Pause.

Und immer steht Russland im Mittelpunkt der päpstlichen Demokratie. Franziskus hat bereits die Entspannung mit der Orthodoxen Kirche vorangetrieben, die Putin nahesteht. Jetzt empfängt er ihn persönlich.

Eine gewisse Ironie des Schicksals ist dabei: Es ist schließlich ein Versuch, die Nachfolgen des von Johannes Paul II mit herbeigeführten Niedergangs der UDSSR im Zaum zu halten.

Italien begrüßt „unseren liebsten Feind“
Putin und Franziskus
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Am Mittwochabend erhielt der russische Präsident eine Privataudienz beim Papst.

Mahnende Worte
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Papst Franziskus hat bei einer Privataudienz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu gemeinsamen Anstrengungen für eine Lösung des Ukraine-Konflikts aufgerufen. Franziskus habe in dem etwa 50 Minuten langen Treffen „bekräftigt, dass eine aufrichtige und große Anstrengung nötig ist, um den Frieden zu realisieren“, teilte der Vatikan am Mittwochabend mit.

Vladimir Putin in Rom
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Mit einer Stunde Verspätung war Putin am Mittwoch zunächst auf der Weltausstellung Expo in Mailand eingetroffen, wo ihn der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi (hinter Putin, links) begrüßte.

Matroschka
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Traditionspflege: Wladimir Putin hat Matteo Renzi halten russische Matroschka-Puppen in den Händen.

Ab an die Decke
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Mit den Worten „Unser liebster Feind“ begrüßte die italienische „Repubblica“ Russlands Präsident Putin. Besonders bei dessen Besuch war der russische Pavillion unter den Expo-Gästen heiß begehrt. Nach dem Treffen stand eine mit Spannung erwartete Audienz bei Papst Franziskus im Vatikan auf dem Programm.

Großes Gedränge
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Russlands Präsident am Eingang des russischen Pavillons, gefolgt von Renzi. Der allerdings machte keine Anstalten, es sich mit den europäischen Partnern zu verscherzen und sich auf die Seite Putins und gegen die Sanktionen zu stellen.

Putin am Rednerpult
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Die Beziehungen zwischen Italien und Russland gelten in der Ukraine-Krise als weniger angespannt als zwischen Putin und anderen EU-Ländern und den USA. „Wir versuchen, die Interessen beider Länder zu respektieren“, sagte Putin laut Nachrichtenagentur Ansa.

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3 Kommentare zu "Kommentar zu Putin im Vatikan: Papst als Türöffner?"

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  • Der Vatikan schert sich wenig um die Vorgaben der G7 zur Isolierung Russlands übrigens genau so wenig wie Italien als Mitglied dieses Vereins.

    Der Vatikan macht seit 2000Jahren "Politik" und seine Erfahrungen dürften etwas "reichhaltiger" sein als diejenigen anderer Vereine , Gruppierungen und
    politicher Einflussgremien.

  • »Der Papst ist auch sehr politisch«.

    Hatten wir mit Pius dem XII. nicht auch einen politischen Papst? War er es, der die Nazis zu Fall brachte?

  • "Der deutsche Benedikt XVI. war gewissermaßen nur eine kurze theologische Pause. "

    Soll das ein Hinweis auf die große Rolle der deutsch Merkel auf der internationalen Bühne sein?

    Zugegeben, es gibt viele Kritiker an Merkel. Zufrieden sind mit ihr lediglich die Gegner Deutschlands. Es ist richtig, wenn Strategen Jahren weniger Be4deutung beimessen als Inhalten. Letzteres ist in der Tat bei Frau Merkel sehr schwer festzumachen. Es gibt kaum ein Thema, bei dem sie nicht dagegen ist und es trotzdem gemacht wird.

    Viele Beispiele sind zitierbar!

    Ein Beispiel: Abhören unter Freunden geht garnicht!

    Was passiert tatsächlich. Die Bürger wurden offensichtlich von dem eigenen BND noch nie so ausspioniert wie heute und sie verweigert gar Veröffentlichung der Liste mit den konkreten Selektoren (im normalen Sprachgebrauch: der Bürger und Firmen), die ausgehorscht wurden und werden.

    Ich stehe staunend davor und versuche zu ergründen, weshalb die Regierung nicht schon lange wegen Grundrechtsverstößen aus dem Amt gejagt wurde bzw. wird. Für mich gibt es derzeit nur einen plausiblen Rückschluss: die sind alle mit von der Partie, ziehen alle ihren persönlichen Nutzen daraus.

    Stellen wir uns vor, wir haben eine Demokratie und kein Politiker hält sich daran? Dann haben wir an allen Ecken chaotische Verhältnisse wie derzeit.

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