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Kommunalwahl Verkehrschaos in Istanbul: Alle kommen, um zu wählen

Viele Türken sind in Istanbul gemeldet, obwohl sie in Anatolien leben. Jetzt kommen sie, um zu wählen. Es wird eine Rekordbeteiligung erwartet.
22.06.2019 - 12:29 Uhr Kommentieren
Bei der anstehenden Kommunalwahl wird eine Rekord-Wahlbeteiligung erwartet. Quelle: dpa
Istanbul

Bei der anstehenden Kommunalwahl wird eine Rekord-Wahlbeteiligung erwartet.

(Foto: dpa)

Istanbul Der neue Flughafen in Istanbul ist gerade einmal zweieinhalb Monate in Betrieb und muss gleich seinen ersten Stresstest bestehen. Es geht jedoch nicht um die anstehende Sommerferien-Saison – sondern um die Kommunalwahl in Istanbul.

Am neuen Airport bilden sich gerade im Inlandsterminal lange Schlangen. Aus allen Landesteilen kommen Menschen, um bei der zweiten Kommunalwahl in der Stadt ihre Stimme abzugeben. Die Straßen zum Flughafen sind voll, auch am Freitag mitten in der Nacht bildeten sich auf den großen Straßen ins Stadtzentrum lange Staus.

Aus dem ostanatolischen Sivas ist etwa Ibrahim Tansel mit seiner Ehefrau mit dem Flugzeug angereist, mehr als anderthalb Flugstunden. Obwohl sie sonst nur an den Bayram-Feiertagen nach Istanbul kommen, hätten sie dieses Mal wegen der Wahl eine weitere Reise eingeplant.

„Ich bin seit 1959 in Istanbul gemeldet und werde wählen“, sagt er, während er mit seiner Frau auf die Koffer wartet. „Der Bessere soll natürlich gewinnen, wobei ich mir wünschen würde, dass der erfahrenere Politiker gewinnt“ – eine Anspielung auf den Kandidaten der Regierungspartei AKP, Binali Yildirim, der zuvor bereits in der Stadtverwaltung gearbeitet hatte, später Transport- und dann sogar Premierminister wurde. „Wir haben auch schon bei der ersten Kommunalwahl im März gewählt“, ergänzt seine Frau Kezban Tansel.

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    Im März hatte der Oppositionspolitiker Ekrem Imamoglu mit hauchdünnem Vorsprung gewonnen. Später annullierte die Wahlbehörde das Ergebnis, nach massivem Druck aus der AKP und dem Vorwurf, die Wahl sei nicht mit rechten Dingen abgelaufen. Wahlhelfer sollen nicht nach den rechtsstaatlich gültigen Bedingungen ausgewählt worden sein.

    Auf der anderen Seite gab es immer wieder Vorwürfe, es seien Wähler registriert worden, die nicht mehr in Istanbul lebten oder gar nicht mehr lebten. Ein Teil von ihnen dürfte aus den „Exil-Istanbulern“ bestehen, die jetzt wieder in die Stadt kommen, um zum zweiten Mal ihre Stimme abzugeben.

    Türken aus dem ganzen Land sind wahlberechtigt

    Das Drama um das erste Wahlergebnis hat offenbar auch außerhalb der Stadtgrenzen viele motiviert. Bei der Kommunalwahl dürfen – wie in Deutschland – nur diejenigen wählen, die auch in der jeweiligen Kommune oder Stadt registriert sind. Doch da fast jeder Türke in seinem Leben mal eine Zeit in Istanbul verbracht hat, sind viele offenbar noch dort registriert.

    Hanife Kum ist mit dem Flugzeug aus Trabzon gekommen, der Heimatstadt von Oppositionskandidat Imamoglu. „Ich hoffe, dass der Kandidat meiner Partei gewinnt“, sagt sie, während auch sie auf ihre Koffer wartet. „Gott, ich wünsche es ihm.“

    Auch die Schnellboote, die aus Westanatolien über das Marmarameer nach Istanbul fahren, waren in den vergangenen Tagen ausgebucht. Große Aufregung erweckte die Meldung, die städtische Istanbuler Fährgesellschaft Ido hätte in den Tagen vor der Wahl alle Fährverbindungen eingestellt, um die Anreise auswärts wohnender Wahlberechtigter zu verhindern.

    Tatsächlich haben Social-Media-Nutzer Fotos von der Ido-Internetseite gezeigt, auf denen die meisten Verbindungen annulliert waren. Doch kurze Zeit später konnte man wieder regulär alle Verbindungen buchen. Eine Stellungnahme der Gesellschaft zu dem Vorgang liegt nicht vor.

    Oppositionskandidat Ekrem Imamoglu von der CHP setzt bei der Wahl auch auf die Unterstützung kleinerer Parteien wie der HDP, die vor allem unter Kurden sowie landesweit im kurdisch-geprägten Südosten des Landes Unterstützung genießt. Eingefleischte CHP-Wähler sehen das Wahlbündnis kritisch.

    Ein türkischer Reisebus-Unternehmer erklärte dem Handelsblatt, dass mehrere Gemeinden im Südosten für dieses Wochenende Reisebusse mieten wollten, um Wählerinnen und Wähler nach Istanbul zu bringen. „Für mein Unternehmen war die Anfrage schlicht zu groß, wir haben nicht so viele Fahrzeuge“, erklärte der Unternehmer. „Wir mussten absagen, aber ein anderes Unternehmen hat den Auftrag erfüllt“, habe er erfahren.

    Sich in einer türkischen Kommune anzumelden, ist eigentlich nicht so leicht. In der Türkei gibt es wie hierzulande Einwohnermeldeämter, in denen sich jeder Bürger mit seiner Adresse registrieren lassen muss. Häufig verlangen die Beamten Nachweise über die Strom-, Gas und Wasserrechnungen, die in Istanbul monatlich und für jeden Haushalt einzeln erstellt und versandt werden. Wohl auch deshalb bleiben viele auch lange nach ihrem Wegzug noch in Istanbul gemeldet.

    So wie Dursun Caglayan. Der zwar in Trabzon, kommt aber wegen seiner Arbeit als Bauunternehmer immer wieder nach Istanbul und sei auch hier gemeldet, wie er sagt. Er hat nur eine Erwartung an den Sonntag: „Ich wünsche mir, dass die Wahl fair abläuft. Der Bessere soll gewinnen.“

    Mehr: Die Türkei erlebt vor der Kommunalwahl einen Hauch von Demokratie. Eigentlich hätten Erdogans Gegner es leicht, aber sie verspielen ihre Chance.

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