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Kommunikations-App Iran will Telegram sperren

Der Iran hat entschieden, die Messenger-App „Telegram“ zu sperren. Sie soll „durch einen lokalen Dienst ersetzt werden“, so der Sicherheitsausschuss.
Update: 31.03.2018 - 16:16 Uhr Kommentieren
Während der regime-kritischen Unruhen Ende vergangenen Jahres diente die Messenger-App als wichtigstes Kommunikationsmittel der Demonstranten. Quelle: Reuters
Telegram

Während der regime-kritischen Unruhen Ende vergangenen Jahres diente die Messenger-App als wichtigstes Kommunikationsmittel der Demonstranten.

(Foto: Reuters)

TeheranDer Iran will nach Angaben eines Abgeordneten die im Land beliebte und viel genutzte Kommunikations-App Telegram sperren. „Es wurde auf höchster politischer Ebene entschieden, dass Telegram demnächst abgeschafft und durch einen lokalen Dienst ersetzt wird“, sagte der Leiter des Sicherheitsausschusses im Parlament, Alaeddin Borudscherdi, am Samstag. Das Thema sei „aus Sicht der nationalen Sicherheit“ für das Land enorm wichtig, da Telegram bei den jüngsten politischen Krisen „eine destruktive Rolle“ gespielt habe, so der Abgeordnete nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr.

Bei den regimekritischen Unruhen zum Jahreswechsel 2017/18 diente Telegram als wichtigstes Kommunikationsmittel der Demonstranten. Videos und Bilder der Proteste wurden über Telegram im In- und Ausland verbreitet. Daraufhin forderten besonders der Klerus und die Hardliner nicht nur die Blockierung von Telegram, sondern auch die Einführung eines staatlich-kontrollierten Internets.

Das Parlament selbst jedoch weiß nichts über ein geplantes Verbot der App. „Das Thema wurde im Parlament zwar besprochen, aber es wurde keine Entscheidung getroffen“, sagte der Abgeordnete Dschalil Rahimi Dschahanabadi der Nachrichtenagentur Isna. Ein Verbot sei auch nicht vom Parlaments beabsichtigt gewesen. Nationale Sicherheit könne nicht über eine Verletzung der Kommunikationsfreiheit erreicht werden, fügte Dschahanabadi hinzu. Ohne den Bürgern ihre Freiheit zu gewähren, würden seiner Ansicht nach solche Sicherheitsmaßnahmen eher zu „sozialen Unsicherheiten“ führen.

Auch auf den sozialen Medien wurde das Telegram-Verbot von Iranern harsch kritisiert. Einen Twitter-User erinnerte das Verbot an das sarkastische persische Sprichwort, dass man zu komplizierte mathematische Formeln am besten einfach ausradieren sollte. „Schon wieder ein peinliches Eigentor“, twitterte ein anderer Iraner. Er erinnerte die politisch Führung an das Verbot von Satellitenfernsehen mit dem Ergebnis, dass auf fast allen Dächern der Republik nun Satellitenschüssel installiert seien.

Auch die Regierung von Präsident Hassan Ruhani war und ist strikt gegen ein Telegram-Verbot. Dies verletzte die elementaren Rechte der Bürger. Ruhani sagte, es könne ja auch nicht ein Buch verboten werden, nur weil einigen der Inhalt nicht gefalle. Kurzfristig konnte der Präsident sich damit auch gegen die Hardliner durchsetzen.

Nach Angaben von Borudscherdi soll Telegram aber nun bis Mitte April durch die hiesige App Sorusch ersetzt werden. Bis jetzt jedoch habe Sorusch Schätzungen zufolge nur drei Millionen Benutzer. Die Mehrheit der Iraner befürchtet, dass ihre Daten in einem staatlichen Kommunikationsdienst gespeichert und kontrolliert werden. Telegram dagegen ist die beliebteste Messaging-App im Iran und hat mehr als 40 Millionen Benutzer. Telegram dient im Iran nicht nur zur Kommunikation, sondern auch zur Abwicklung von Geschäften. Ärzte sollen ihren Patienten sogar Laborergebnisse via Telegram schicken.

Nach Ansicht von IT-Experten werden die Iraner aber auch bei einem Verbot nicht auf Telegram verzichten müssen. Sie könnten den Dienst über VPNs - zensurumgehende Apps - weiterhin benutzen. Dies tun sie nach Angaben von IT-Experten schon seit Jahren auch mit anderen verbotenen Apps wie Twitter oder Facebook.

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  • dpa
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