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Konferenz in Madrid Die Erwartungen an den Klimagipfel waren enorm – das Ergebnis ist mager

Die Weltgemeinschaft ist beim Thema Klima zerstritten. Die USA, Brasilien und Australien blockieren mehrere Klima-Anstrengungen.
15.12.2019 - 17:25 Uhr 2 Kommentare
Brasilien hat auf der Veranstaltung Beschlüsse blockiert. Quelle: Reuters
Weltklimakonferenz in Madrid

Brasilien hat auf der Veranstaltung Beschlüsse blockiert.

(Foto: Reuters)

Madrid Von der Klimakonferenz in Madrid bleibt nicht viel mehr übrig als ihr Motto: „Tiempo de actuar“ – „Zeit zu handeln“. Doch ein Verhandlungsmarathon über zwei Wochen reichte nicht aus, um trotz zunehmender Erderwärmung und eindringlicher Warnungen von Wissenschaftlern ambitionierte Beschlüsse für mehr Klimaschutz zu fassen.

Die Abschlusserklärung des diesjährigen Weltklimagipfels blieb auch nach Verlängerung der Konferenz bis Sonntag ein müder Kompromiss. Die Delegierten der 197 Vertragsstaaten konnten sich auf kaum mehr einigen, als dass die Klimaschutzpläne im kommenden Jahr erhöht werden sollen. In den offenen Fragen über den globalen Handel mit Emissionsreduktionen gab es keine Einigung. Die Punkte wurden auf 2020 vertagt.

Von der politischen Aufbruchstimmung wie in Paris vor vier Jahren ist nicht viel übrig geblieben. Damals war in der französischen Hauptstadt das Pariser Klimaabkommen vereinbart worden, mit dem die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im vorindustriellen Vergleich gebremst werden soll. Um rund 1,1 Grad hat sich die Temperatur im globalen Durchschnitt bereits erhöht.

Das Ergebnis dieser Klimakonferenz sei „weit entfernt von dem, was aus wissenschaftlicher Sicht nötig wäre“, erklärte Laurence Tubiana, Architektin des Pariser Abkommens und frühere Verhandlungsführerin von Frankreich. „Die großen Akteure, die in Madrid liefern mussten, haben die Erwartungen nicht erfüllt.“

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    Nur dank eines progressiven Bündnisses aus kleinen Inselstaaten, europäischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern sei es gegen den Willen der großen CO2-Verursacher gelungen, das bestmögliche Ergebnis zu bekommen.

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    „Das Pariser Klimaschutzabkommen sandte 2015 ein starkes Signal und gab Orientierung in Richtung Dekarbonisierung und Transformation. Von Madrid geht nur ein Signal aus: Orientierungslosigkeit“, sagte Lukas Hermwille, Projektleiter im Forschungsbereich Internationale Klimapolitik des Wuppertal Institut, dem Handelsblatt.

    Sie sei „froh, dass wir alle Versuche abwehren konnten, das Pariser Klimaschutzabkommen aufzuweichen“, erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

    Die SPD-Politikerin hatte noch in der Nacht zum Sonntag in Madrid mitverhandelt, war dann aber abgereist. Es brauche viel Kraft, die Staaten der Welt zusammenzuhalten, sagte sie. „Wenn wir die Erderhitzung erfolgreich bekämpfen wollen, ist aber Zusammenhalt, ist der gemeinsame Wille zum Handeln unverzichtbar. Die Bremser dürfen nicht den Takt vorgeben.“

    USA, Brasilien, Australien blockieren

    Christoph Bals, politischer Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch und für seine ausgewogenen Kommentierungen bekannt, machte aus seiner Verärgerung vor allem über die Vereinigten Staaten, Brasilien und Australien kein Hehl.

    Alle Länder sähen, dass der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas nun in eine ernsthafte Phase komme. „Deshalb organisieren einige Staaten, die eng mit der Kohle- und Öllobby verbandelt sind – wie die USA, Brasilien und Australien“ –, eine letzte Abwehrschlacht.“

    Ein ganz miserables Zeugnis mochte der langjährige Beobachter der internationalen Klimapolitik der Madrider Konferenz jedoch nicht ausstellen: Die große Mehrheit der Staaten, so Bals, mache deutlich, dass sie entschlossen am Pariser Klimaabkommen festhalte und nächstes Jahr ihre Klimaziele und -pläne nachbessern wolle.

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    Bals hält den European Green Deal, den EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vergangene Woche präsentiert hatte, für eine gute Grundlage dafür, „dass die EU hier vorangeht und internationale Partnerschaften zum Beispiel mit China, Indien und Südafrika organisiert“.

    Michael Schäfer, Leiter Klimapolitik und Energie bei der Naturschutzorganisation Word Wide Fund For Nature (WWF), sprach von einem gescheiterten Treffen. Auch er benannte die USA, Brasilien und Australien als die größten Störenfriede in Madrid. Sie hätten „die nötigen Beschlüsse hier blockiert und jeden Fortschritt für mehr ambitionierte Klimaschutzziele abgeschmettert“, sagte Schäfer.

    Andere nannten auch Saudi-Arabien und die Lobbyarbeit der großen Öl-, Gas- und Kohleunternehmen als verantwortlich für die Untergrabung einer ambitionierten Klimapolitik.

    Die Klimakonferenz sei höchst surreal gewesen, „wie von einem anderen Stern“, sagte Schäfer: Viele Regierungen ignorierten die weltweiten Klimaschutzproteste ebenso wie die Realität der Erderhitzung, die schon heute durch die Zunahme von Dürren, Überflutungen und den Anstieg des Meeresspiegels die Existenzgrundlagen vieler Millionen Menschen zerstöre.

    Auch die chilenische Verhandlungsführung bekam ihr Fett ab. Spanien war nach der Absage der Konferenz in Chile lediglich als Organisator eingesprungen. Jennifer Morgan, Chefin von Greenpeace International, sprach von einer „unverantwortlich schwachen chilenischen Führung“, Bals von „chaotischer Führung“. Am Ende war der Druck auf die ausscherenden Verhandlungspartner nicht hoch genug.

    Deutschland muss den EU-Ratsvorsitz 2020 nutzen

    Jetzt richtet sich der Fokus auf das kommende Jahr. Deutschland und die EU tragen 2020 eine große Verantwortung auf internationaler Ebene. Weder vom G7-Vorsitz der USA noch vom G20-Vorsitz Saudi-Arabiens sind besondere klimapolitische Impulse zu erwarten. Berlin obliegt der EU-Ratsvorsitz im zweiten Halbjahr 2020 – eine gute Gelegenheit, die Welt zu mehr Ambitionen anzuspornen.

    Umweltministerin Schulze hatte bereits angekündigt, die Präsidentschaft nutzen zu wollen, um eine neue Dynamik im europäischen Klima- und Umweltschutz auszulösen. Dazu gehört beispielsweise, dass die EU-Länder sich nicht auf ihre Einigung, bis 2050 treibhausgasneutral zu sein, beschränken.

    Im nächsten Schritt müssen sich die EU-Mitgliedsländer auf eine Minderung ihrer Treibhausgase bis 2030 um mindestens 50 bis 55 Prozent einigen. Bislang liegt das Ziel bei 40 Prozent im Vergleich zu 1990. Sollte das gelingen, dann erhöht sich die Chance, den weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen, China, für mehr Klimaschutz zu gewinnen.

    „Beim EU-China-Gipfel im September in Leipzig kommen der größte und der drittgrößte Klimaverschmutzer der Welt zusammen“, sagte WWF-Klimaexperte Schäfer. Gemeinsam müssten sie endlich Ernst machen mit dem Kampf gegen die Erderwärmung. Die nächste Weltklimakonferenz findet dann Anfang November 2020 im schottischen Glasgow statt.

    Dort wird es auch einen neuen Versuch geben, die offen gebliebenen Fragen rund um den Handel mit Emissionen beziehungsweise Emissionseinsparungen zu klären. Festgelegt werden sollte unter anderem, nach welchen Regeln CO2-Einsparungen aus internationalen Klimaschutzprojekten angerechnet werden dürfen. Streit gibt es nach wie vor über sogenannte Doppelzählungen.

    So wollte Brasilien schon im vergangenen Jahr unbedingt erreichen, dass sich sowohl die finanzierenden als auch die reduzierenden Länder den Klimaschutz anrechnen dürfen. Das wurde auch in Madrid abgelehnt – was auf Zustimmung der Umweltschützer stieß.

    Den Beschluss zu diesen sogenannten Marktmechanismen am Ende zu vertagen „war die einzig akzeptable Lösung“, sagte Germanwatch-Beobachter Bals. So konnten alle Schlupflöcher vermieden werden, die der von den Chilenen zuletzt vorgelegte Verhandlungstext noch enthalten hatte.

    Mehr: Die Weltgemeinschaft ist beim Thema Klima zerstritten wie nie. Sie schiebt die zentralen Entscheidungen auf 2020. Dabei steigt der Handlungsdruck immens, meint Silke Kersting.

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    2 Kommentare zu "Konferenz in Madrid: Die Erwartungen an den Klimagipfel waren enorm – das Ergebnis ist mager"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist so widersprüchlich, dass die USA, Australien und Brasilien sich so wenig engagieren wollen für den Klimaschutz. Zugleich werden aber auch diese Regionen von den extremen Wetterverhältnissen die dem Klimawandel folgen auch starke Folgen zu spüren bekommen. Andererseits sind Forschungsergebnisse und Unternehmergeist dort so stark entwickelt. Es muss doch Wege geben, dort Investitionen zu bewegen.
      Die Wohngemeinschaft muss stark Appellieren. Und neueste Technologien stehen vor der Tür, um Kohleverbrennung zu stoppen. Ich hörte von revolutionärsten Alternativen - der Nutzung von Neutrino-Energy. Die BERLINER NEUTRINO ENERGY Group testet ein Gerät zur Gewinnung von sauberem Strom aus kosmischer Strahlung. Holger Thorsten Schubart, CEO des deutsch-amerikanische Forschungsunternehmen hat die Entwicklung eines innovativen High-Tech-Materials auf Basis einer Vielzahl von dotiertem Kohlenstoff und Silizium zum Abschluss gebracht, mit dem ein Teil der kinetischen Energie von Partikeln des unsichtbaren Strahlungsspektrums in Elektrizität umgewandelt wird. Derzeit werden die ersten industriellen Muster des sogenannten NEUTRINO POWER CUBE, eines Geräts, das saubere Energie liefert, in Deutschland unter Laborbedingungen getestet. Neutrinos, hochenergetische Teilchen, die als Teil der kosmischen Strahlung des unsichtbaren Spektrums kontinuierlich auf die Erde treffen, sind nach jüngsten Untersuchungen eine unerschöpfliche Energiequelle. "Der Energieerhaltungssatz funktioniert. ", sagt der Physiker Professor Strauss, ein ehemaliger Forscher am Massachusetts Institute of Technology, USA, und Mitglied des wissenschaftlichen Rates der NEUTRINO ENERGY Group. Emissionsfreie Energie damit zu nutzen wird zu einem gesamten Systemwandel führen.

    • Ein deutscher oder europäischer Alleingang bringt dem Weltklima überhaupt nichts.
      Die Klimahysterie wird in den überwiegenden Ländern nicht so gesehen, denn es gibt durchaus eben unterschiedliche Sichtweisen.
      Wenn wir unser Land vorher ruinieren, weil wir davon träumen die Welt retten zu wollen dann folgt uns keiner.
      Es ist nichts alternativlos und schon gar nicht das Umgehen mit dem Klimawandel, der schon seit Jahrmillionen das Aussehen der Erde verändert. Wir sollten lernen damit umzugehen - technologisch dürfte das kein Problem sein. Wir reden hier lediglich über Prognosen und Hochrechnungen, deren Annahmen und Parameter die gewünschten Ergebnisse bringen - Weltuntergangsphantasien.
      Panik - auch wenn Greta dies erreichen will - war noch nie ein guter Ratgeber.

      Ich bin guten Mutes, dass Wirtschaft und insbesondere Verbraucher mit ihrer Marktmacht dafür sorgen, dass die Welt moderner und nachhaltiger wird.

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