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Konferenz zum Wiederaufbau Irak hofft auf Milliarden für Wiederaufbau

In dem mehr als dreijährigen Kampf gegen die Extremisten sind große Teile des Nord- und Westiraks zerstört worden. Auf einer Konferenz zum Wiederaufbau des Landes wird über mögliche Hilfsgelder beraten.
Update: 12.02.2018 - 16:17 Uhr 1 Kommentar
Noch immer sind rund 2,5 Millionen Iraker im eigenen Land vertrieben Quelle: dpa
Zerstörtes Mossul

Noch immer sind rund 2,5 Millionen Iraker im eigenen Land vertrieben

(Foto: dpa)

Bagdad/Kuwait-StadtNach dem militärischen Sieg über die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erhofft sich der Irak beim milliardenteuren Wiederaufbau massive internationale Hilfe. Dafür werden nach einer Studie der Weltbank in den nächsten Jahren rund 88 Milliarden US-Dollar (etwa 71 Milliarden Euro) benötigt. In dem mehr als dreijährigen Kampf gegen den IS seien allein rund 70.000 Häuser völlig zerstört worden, sagte der Präsident des irakischen Wiederaufbaufonds, Mustafa al-Hiti, am Montag in Kuwait. Dort begann eine dreitägige internationale Konferenz zum Wiederaufbau des Iraks.

Bei dem Treffen sind Vertreter internationaler Geberländer, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen vertreten. Auch UN-Generalsekretär António Guterres will teilnehmen, wie die staatliche kuwaitische Nachrichtenagentur Kuna meldete. Mitveranstalter der Konferenz sind die EU und die Weltbank.

Die Terrormiliz Islamischer Staat hatte große Teile des Iraks im Sommer 2014 überrannt. Nach einer langwierigen Militäroperation erklärte Ministerpräsident Haidar al-Abadi im Dezember den Sieg gegen den IS. IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi ist nach Angaben eines hohen irakischen Geheimdienstmitarbeiters noch am Leben, aber in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Al-Bagdadi sei in eine Klinik der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Nordosten Syriens gebracht worden, sagte der Direktor der Abteilung für Geheimdienste und Anti-Terror-Bekämpfung im irakischen Innenministerium, Abu Ali al-Basari, wie die irakische Zeitung „Al-Sabah“ am Montag meldete.

Demnach leidet Al-Bagdadi an psychologischen Problemen sowie an Verletzungen am Körper und am Bein, die ihn vom Gehen abhielten. Syrische Aktivsten hatten im vergangenen Juli gemeldet, der IS-Chef sei nahe der ehemaligen Extremistenhochburg Dair as-Saur gestorben. Dafür gibt es aber bislang keine Belege. Der IS hat in Syrien und im Irak den größten Teil seines Herrschaftsgebietes verloren.

Was aus einem Ort wird, in dem der IS gewütet hat
Das letzte Mahl
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Auf dem Boden in der dreckigen Küche steht die wohl letzte Mahlzeit der IS-Bombenbastler von Baschika. Eine Kanne und zwei Töpfe, einer leer, im anderen ein verschimmelter Eintopf. Kelle und Löffel liegen unbenutzt daneben. Die Köche, Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat, sind wohl tot. Hinterlassen haben sie versteckte Sprengsätze, die überall in der nordirakischen Geisterstadt darauf lauern, zu töten.

(Foto: dpa)
Ausgeklügeltes Tunnelsystem
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Die Erde türmt sich überall in dem einst von Christen bewohnten Haus. Denn die Dschihadisten mischten im dunklen Badezimmer zwischen Eimern und Apparaten nicht nur die Chemikalien für Bomben. Sie gruben während ihrer Herrschaft über Baschika seit 2014 auch einige Tunnel. Wo die hinführen? Das weiß niemand. Die Kämpfer der Terrormiliz sollten in einem Haus verschwinden und an ganz anderen Orten wieder auftauchen können.

(Foto: dpa)
Geruch von Curry in der Luft
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Ismael Abdel Rahman lebte in Baschika und ist nun als Besucher wiedergekommen. Er will seiner Familie zeigen, was von ihrem Haus und dem Gewürzladen übrig geblieben ist. Niedergeschlagen steht er vor den verbogenen Türen. Es riecht immer noch nach Kurkuma und Curry, aber der Verkaufsraum ist durchwühlt und chaotisch. „Es war zu viel Schmerz, als ich kam und den Laden so gesehen habe“, sagt der Mann.

(Foto: dpa)
Geisterstadt
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Die Straße ist leer. Genau wie jeder Platz, jedes Haus und auch die Kirche des Ortes, deren Scheiben eingeschmissen sind, das Innere verwahrlost. Es herrscht absolute Stille, die nur zeitweise durch das Grollen des Himmels unterbrochen wird: Kampfjets, die Bomben auf das nahe Mossul werfen, in dem der IS noch immer einen Großteil des Stadtgebietes kontrolliert.

(Foto: dpa)
Bürokratie à la IS
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Sie beschmierten die Wände mit Filzstift: „Entweder der Sieg oder sterben mit Gottes Willen“ steht dort geschrieben. In einer Schublade findet sich ein Papier. „Erlaubniskarte“ steht drauf, und daneben „Islamischer Staat“. Ein Kämpfer reichte damit einen dreitägigen Urlaub ein. Ein Stempel zeigt an: Der Bitte wurde stattgegeben. Bürokratie à la IS.

(Foto: dpa)
Herrscher über eine leere Stadt
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Seit November ist die IS-Herrschaft vorbei. Mit der Offensive der irakischen Armee und seiner Verbündeten auf Mossul wurde auch das nahe Baschika von kurdischen Kämpfern eingekreist und schließlich erobert. Wohl mehr als 100 IS-Kämpfer wurden getötet. Sie hatten über eine leere Stadt geherrscht. Die Bewohner, vor allem Jesiden und Kurden, waren geflohen, kurz bevor die Extremisten die Stadt überrannten. Nun ist sie zerstört.

(Foto: dpa)
Explosives Vermächtnis
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0 bis 40 Prozent der Häuser seien zerstört, erzählt General Bahram Jasin von den kurdischen Peschmerga, die ihr Lager am Stadtrand aufgebaut haben. Und Gefahr bestehe weiterhin: „Wir haben eine Karte gefunden, die die Sprengfallen des IS zeigt. Auf dieser einzigen Karte sind 2010 Sprengsätze eingezeichnet.“ Die Räumung wird Monate dauern. Aber ob die ehemaligen Bewohner dann zurückzukehren wollen, ist fraglich.

(Foto: dpa)

Iraks Regierung erhofft sich nun in Kuwait Zusagen der Geberländer in Höhe von 100 Milliarden Dollar. Eigentlich ist der Irak mit seinen riesigen Ölvorräten ein reiches Land. Doch der niedrige Ölpreis und die weit verbreitete Korruption stehen einem schnellen Wiederaufbau im Weg. Im Anti-Korruptionsindex von Transparency International steht der Irak auf Rang 166 von 176.

Im Kampf gegen die Extremisten sind große Teile der Infrastruktur des Landes zerstört worden. Besonders hart getroffen hat es den Norden und Westen des Iraks. So wurden in der früheren IS-Hochburg Mossul bei Kämpfen und Luftangriffen ganze Stadtviertel dem Erdboden gleichgemacht.

Insgesamt seien fast 140.000 Wohngebäude beschädigt worden, weshalb viele Flüchtlinge im Land auf ihre Rückkehr warteten, erklärte Al-Hiti, Noch immer sind nach UN-Angaben rund 2,5 Millionen Iraker im eigenen Land vertrieben. Fast neun Millionen Iraker brauchen humanitäre Hilfe. Der irakische Planungsminister Salman al-Dschumaili sagte in Kuwait, das irakische Volk erwarte von der internationalen Gemeinschaft nach seiner mutigen Haltung gegen den IS Unterstützung.

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  • dpa
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1 Kommentar zu "Konferenz zum Wiederaufbau: Irak hofft auf Milliarden für Wiederaufbau"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das sollte von den Verursachern (Saudis und USA) bezahlt werden, denn die haben dem IS
    Vorschub geleistet. Der physische Wiederaufbau sollte von der Bevoelkerung verstaerkt
    durch die Fluechtlinge durchgefuehrt werden, wie das bei uns in Deutschland auch passiert
    ist.

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