Konflikt in der Ukraine Russische Soldaten desertieren vor Ukraine-Einsatz

Niederlage im Propagandakrieg: Aus Angst vor einem Einsatz in der Ukraine sind Dutzende russische Rekruten aus einer Kaserne geflohen. Zuvor seien sie gedrängt worden, als „Freiwillige“ in dem Nachbarland zu kämpfen.
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In einer russischen Kaserne sind 23 Rekruten gestorben. das Gebäude war eingestürzt. Quelle: AFP
Soldaten in Aktion

In einer russischen Kaserne sind 23 Rekruten gestorben. das Gebäude war eingestürzt.

(Foto: AFP)

Aus Furcht vor einem Einsatz in der Ostukraine sind einem Medienbericht und einer Anwältin zufolge dutzende russische Soldaten von einem Militärgelände im Süden des Landes geflohen. Wie das Portal Gazeta.ru am Samstag berichtete, verließen die Soldaten, die sich freiwillig zur Armee gemeldet hätten und nicht wehrpflichtig seien, ohne Erlaubnis das Gelände in der Region Rostow. Dort seien sie zuvor unter Druck gesetzt worden, als „Freiwillige“ in der Ukraine zu kämpfen. Vielen der Flüchtigen drohten nun juristische Konsequenzen.

Der Westen und die ukrainische Regierung werfen Russland vor, die prorussischen Rebellen im Osten der Ukraine mit Waffen und Soldaten zu unterstützen. Moskau bestreitet dies jedoch und beharrt darauf, dass sich lediglich „Freiwillige“ aus Russland den Aufständischen anschlössen.

Gazeta.ru berichtete nun unter Berufung auf die Mütter zweier flüchtiger Soldaten aus dem Nordkaukasus, deren Söhne hätten sich aus Angst vor einer Entsendung in die Ostukraine abgesetzt. Eine der Mütter sagte demnach, ihrem Sohn drohten wegen Fahnenflucht bis zu zehn Jahre Haft.

Premiere für die Speerspitze
Die schnelle Eingreiftruppe der Nato
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Im Herbst 2014 wurde die Bildung der „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF, umgangssprachlich auch als „Speerspitze“ bezeichnet) von den Nato-Staaten beschlossen – als Antwort auf eine mögliche Bedrohung durch Russland. Auslöser war die Krim-Krise, bei der über Nacht unmarkierte russische Soldaten auf der ukrainischen Halbinsel auftauchten und sie besetzten.

Premiere für die VJTF
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Die Übung „Noble Jump“ war das erste Manöver, das die VJTF durchführte. An der Übung in Zagan im Osten Polens nahmen rund 2100 Soldaten aus Deutschland, Belgien, Litauen, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Tschechien, Ungarn und den USA teil. Die Bundeswehr stellte etwa 350 Soldaten zur Verfügung. Insgesamt besteht die Nato Response Force (NRF), der auch die VJTF untergeordnet ist, aus 5000 Soldaten.

Hohe Polit-Prominenz
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Neben Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg waren auch die Verteidigungsministerinnen Deutschlands, Ursula von der Leyen (CDU, l.), Norwegens, Ine Marie Eriksen (2. v. r.), und der Niederlande, Jeanine Hennis-Plasschaert, nach Polen gereist. Von der Leyen betonte in der Süddeutschen Zeitung, dass es wichtig sei, „dass wir den baltischen Ländern, aber auch Polen, Rumänien und Bulgarien deutlich machen, dass ihre Sorgen auch unsere Sorgen sind.“

Ein bothnischer Angriff
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Geübt wurde laut Neuer Zürcher Zeitung ein fiktives Szenario: ein Angriff des Landes Bothnien auf die zu Estland gehörende Insel Hiiumaa. Die Situation ähnelt der Lage auf der Krim März 2014. Da hatte Russland Soldaten ohne Kennzeichnung auf der ukrainischen Halbinsel abgestellt und den Landesteil de facto annektiert.

Bothnien ist Russland
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Nicht nur das Szenario, auch die Bewaffnung der fiktiven „bothnischen Armee“ ließ keinen Zweifel zu: Die Nato probt den Ernstfall gegen Russland. Geübt wurde gegen einen Feind, der unter anderem ballistische Boden-Boden-Raketen vom Typ Scud-D verwendet, berichtet die NZZ – genau wie Russland.

Bekanntes Terrain
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Der polnische Ort Zagan wurde nicht umsonst gewählt, auch wenn die Übung eine Situation in Estland simulierte: Nur rund 300 Kilometer entfernt steht im polnischen Bromberg das Joint Force Training Center der Nato, in dem die gemeinsamen Streitkräfte ausgebildet werden. Hier spricht der Oberkommandierende der Europa-Nato, der US-General Philip Breedlove, mit Verteidigungsministerin von der Leyen.

Gelungener erster Auftritt
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Polens Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak lobte die Soldaten laut „SZ“ für die erfolgreiche Übung: „Wir hatten Gelegenheit, mit eigenen Augen zu sehen, wie die Nato funktioniert und wie die Beschlüsse des Wales-Gipfels umgesetzt werden.“

Das Portal veröffentlichte auch eine handschriftliche Stellungnahme eines flüchtigen Soldaten an ein Militärtribunal. Darin hieß es: „Ich wollte den Eid, den ich geschworen habe, nicht verletzen und mich nicht an militärischen Operationen in der Ukraine beteiligen.“

Der Radiosender Moskauer Echo berichtete unter Berufung auf das russische Verteidigungsministerium, gegen lediglich vier der in dem Gazeta.ru-Bericht genannten Soldaten seien Verfahren wegen „disziplinarischer Vergehen“ eröffnet worden. Weitere Soldaten seien nicht betroffen.

Eine Anwältin, die fünf flüchtige Soldaten vertritt, widersprach dem jedoch. „Dutzenden“ Soldaten drohten juristische Verfahren, sagte Tatjana Tschernezkaja der Nachrichtenagentur AFP. Es sei starker Druck auf sie ausgeübt worden, in die Ukraine zu gehen. Zudem seien ihnen umgerechnet gut 140 Euro pro Tag angeboten worden.

  • afp
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