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Konflikt mit der Türkei Frankreichs Hilfe für Kurden in Syrien ist ein klares Signal an Erdogan

Frankreich sagt den Kurden in Syrien Unterstützung zu. Der türkische Präsident Erdogan wird das ganz genau beobachten.
10 Kommentare
Frankreich sichert den Kurden in Syrien Unterstützung zu und stellt sich damit offen gegen die Türkei. Quelle: Reuters
Recep Tayyip Erdogan (l.) und Emmanuel Macron

Frankreich sichert den Kurden in Syrien Unterstützung zu und stellt sich damit offen gegen die Türkei.

(Foto: Reuters)

Paris Postwendend hat die türkische Regierung jede Vermittlung Frankreichs im Konflikt mit den Kurden in Syrien abgelehnt. Die hart formulierte Stellungnahme Ankaras sagt aber nichts zum wichtigeren Teil der neuen französischen Syrien-Politik: In einer spektakulären Wende hat Präsident Emmanuel Macron am Donnerstagabend die Unterstützung seines Landes zugesagt.

In einem offiziellen Kommuniqué des Elysée heißt es wörtlich: „Der Präsident hat den FDS (Syrische demokratische Kräfte, vor allem von der kurdischen YPG getragen) die Unterstützung Frankreichs zugesichert, insbesondere bei der Stabilisierung der Zone im Nordosten Syriens, im Rahmen einer inklusiven und ausgewogenen Governance, um jedes Wiederauftauchen von Daech (die französische Bezeichnung für die Terrormiliz Islamischer Staat) zu verhindern, und in Erwartung einer politischen Lösung des syrischen Konfliktes.“

Das Vermittlungsangebot ist also nicht der Kern der Botschaft – sondern die Hilfe für die Kurden, die der türkische Staatschef Erdogan mit Gewalt von der Nordgrenze Syriens vertreiben will.

Die USA und Frankreich hatten bislang tatenlos zugesehen, während die türkische Armee in einer Bodenoffensive auch mit Leopard-Panzern die kurdischen Kräfte aus der Stadt Afrin und Umgebung vertrieb. In Deutschland wurde bekannt, dass die Türken die Modernisierung ihrer Leos verlangt hatten, was der frühere Außenminister Sigmar Gabriel ihnen zusagte.

Das nächste Ziel der türkisch-djihadistischen Allianz ist nun offenbar die Stadt Manbij. In Frankreich sprach man bereits vom „Verrat des Westens an den Kurden“, der die Verbündeten nun ihrem Schicksal überlasse. Die Kurden hatten die größte Last im Kampf gegen den Islamischen Staat getragen. Macron erkennt diese Leistung nun ausdrücklich an: „Der Präsident hat die Opfer und die entscheidende Rolle der FDS im Kampf gegen Daech gewürdigt“, schreibt der Elysée.

Die spannende Frage ist nun, welche Form die französische Unterstützung annehmen wird. Der Tageszeitung Le Figaro zufolge soll der Elysée gesagt haben, dass keine neuen Truppen geschickt und keine neue Militäraktion gestartet werde.

Das ist auch nicht nötig. Es genügt, die vor Ort vorhandenen Truppen zu verlegen. Frankreich hat schwere Artilleriekräfte, Spezialkräfte und Ausbildungseinheiten in Syrien stationiert. Werden die nach Manbij geschickt, könnte Erdogan kaum seine Offensive auf die Kurden ausweiten, da er dann auch die Franzosen angreifen müsste.

Vor zwei Jahren wurde erstmals bekannt, dass die französischen Soldaten Kurden nicht nur ausbilden, wie es auch die Bundeswehr macht, sondern auch in die Kämpfe eingreifen, damals noch auf irakischem Boden. Die französischen „forces spéciales“ halfen den Kurden dabei, die Terrormiliz Islamischer Staat aus Manbij zu vertreiben. Entsprechend groß ist die – bislang noch stille – Wut der Franzosen darüber, dass Erdogan nun seine von Djihadisten flankierte Armee einsetzt, um die Kurden wieder zu vertreiben.

Macron hat in den vergangenen Wochen mehrfach mit Erdogan telefoniert, um ihn zur Zurückhaltung aufzufordern und von Angriffen auf Afrin abzusehen – vergeblich. Anschließend sah Paris dem türkischen Vorstoß tatenlos zu – bis zum Donnerstag.

Nun hat Macron sich zum Eingreifen entschlossen. Paris fürchtet, die Vertreibung der Kurden von der Nordgrenze Syriens könnte die Vorstufe zum Wiedererstarken des Islamischen Staats sein. Erdogan wurde bekanntlich schon vor Jahren dabei erwischt, dass er Waffenlieferungen aus der Türkei an die Terrormiliz zuließ.

Um Erdogan das Argument zu nehmen, die kurdischen Kräfte seien nur der verlängerte Arm der als terroristisch angesehenen PKK, erklärte der Elysée ausdrücklich, Frankreich wende sich gegen die PKK und stütze die Sicherheit der Türkei. Die FDS hätten keinerlei operative Verbindungen zur PKK.

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10 Kommentare zu "Konflikt mit der Türkei: Frankreichs Hilfe für Kurden in Syrien ist ein klares Signal an Erdogan"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Macron ist aus meiner Sicht derzeit der einzige Hoffnungsträger weit und breit. Ob er diesem schier übermenschlichen Anspruch gerecht werden kann, muss (und wird) sich noch zeigen.

    Er wird dabei auf jeden Fall auf breite und tatkräftige Unterstützung von möglichst vielen Seiten angewiesen sein.

    „Die Kurden hatten die größte Last im Kampf gegen den Islamischen Staat getragen."; „Der Präsident hat die Opfer und die entscheidende Rolle der FDS im Kampf gegen Daech gewürdigt“, schreibt der Elysée“"

    "Macron erkennt diese Leistung nun ausdrücklich an"

    Gut, dass das endlich mal jemand in aller Klarheit und Deutlichkeit tut.

    „Nun hat Macron sich zum Eingreifen entschlossen.“

    Man kann ihm (bzw. uns allen!) dabei nur viel Glück, Geschick und Erfolg wünschen.

  • Gewiss wird Erdogan das genau beobachten. Wahrscheinlich wird er fordern, dass die EU
    Frankreich rauswirft und durch die Tuerkei ersetzt.

  • Flinten Ursel sollte ihre defekten Eurofighter und Tornados reparieren und an der Seite der Kurden mit den Franzosen zusammen gegen die IS kämpfen anstatt der Taliban den Frieden anzubieten- gleichzeitig könne man neue Ziele setzen um in Syrien und Afghanistan endlich nach 8 Jahren Krieg Frieden herzustellen. Es wird zeit das Flinten Uschi endlich handelt und ihren völlig heruntergewirtschafteten Verein namens Bundeswehr einsatzbereit macht!

  • Noch eine Ergänzung:

    Das Handeln von Macron sollte man nicht unbedingt einer idealistischen Tugend zuordnen.

    Neben einer möglichen außenpolitischen Absprache steht Herr Macron innenpolitisch ziemlich unter Druck. Da kann der Zufall eines Zusammentreffen von außen- und innenpolitischen Interessen durchaus schon mal Entscheidungen begünstigen, mit denen sich die Beliebtheit im Inland wieder steigern läßt.

    Ich lasse mich ganz einfach überraschen, ob Worten auch Taten folgen. Alles andere nützt den Kurden nämlich herzlich wenig. Von Deutschland haben die Kurden ohnehin nichts Gutes zu erwarten, wei der bisherige Rüstungsexport in die Türkei nahelegt.

  • Die versteckten Sympathien des "moderaten" Islamisten Erdogan mit Daech waren nicht unbekannt geblieben, schließlich hat man umfangreiche Geschäfte als Partner gemacht. Wenn Erdogan jetzt im Verbund mit djihadistischen Horden den Kurden, die die Hauptlast gegen die Kopfabschneider vom IS getragen haben, auf´s Haupt schlagen will und die Franzosen diesem Treiben nicht mit tatenlos zusehen wollen, kann man Marcron nur zustimmen.
    Die Deutsche Politik wie immer aus Gründen der Rücksichtnahme auf Erdogan wegen des "lFlüchtlingsdeal" der A.Merkel, gespalten ,handlungsunfähig und blockiert, kein Subjekt sondern Objekt anderer Interessen.

  • @ Heinz Keizer

    Die westlichen "Geostrategen" denken leider anders:
    1. Der Bosporos als entscheidende Meerenge zwischen Europa und Asien muss unter NATO-Kontrolle bleiben; andernfalls hätte nämlich im Zweifelsfall die russische Schwarzmeerflotte ein entscheidendes Problem weniger (Was denken Sie, weshalb "der Westen" so scharf auf die Ukraine war? Doch nicht wegen der ukrainischen Bevölkerung.)
    2. Für die westlichen Machthaber wichtige Pipelines laufen über türkischen Boden. Dafür unterstützt man dann auch gerne Kriminelle - wie vor einigen Jahren etwa auch in Georgien:
    "Das Gleiche in Georgien mit der von den USA orchestrierten Rosa Revolution unter Saakaschwili, der ein Verbrecher ist, aber er ist Washingtons Verbrecher. Sie sagten: „Wir decken Dich, wenn Du Georgien in die NATO bringst.“ Das war wichtig, weil die Pipeline mit den Ölreserven vom Kaspischen Meer, die BP und einige amerikanische Ölfirmen bauten, aus geographischen Gründen durch Tiflis, der Hauptstadt von Georgien, in die Türkei und schließlich in den Mittelmeerhafen Ceyhan laufen musste. Also hing die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline von einer Pro-NATO-Präsidentschaft in Georgien ab."
    http://www.larsschall.com/2011/03/30/wir-sind-inmitten-einer-epochalen-tektonischen-verschiebung-%E2%80%93-teil-2/
    Die Kurden sind schlicht und ergreifend nur Manövriermasse für die Machthaber. Glauben Sie bloß nicht, dass Macron das aus "humanitären Gründen" tut - genauso wenig, wie damals (u.a.) Sarkozy Libyen aus "humanitärern Gründen" bombardieren ließ.

  • Na endlich hat mal ein Politiker den Mut das Richtige zu tun.
    Da sieht Merkel nun ziemlich alt aus neben dem jungen, engagierten Franzosen. Es war halt nicht besonders geschickt von ihr, sich in den politischen Würgegriff von Erdogan zu begeben. Wenn Deutschland sich nicht entschieden mit Frankreich gegen Erdogan für die Kurden einsetzt, wird N Syrien und N Irak weiter destabilisiert, mehr Frlüchtlinge strömen nach Europa, und Erdogans Druckmittel gegenüber Europa und Deutschland nimmt zu. Merkels Zaudern wird weitreichend Folgen haben.

  • Nennen wir die Kurden doch einfach 'nützliche Idioten' - die im Einsatz für die Interessen des Westens instrumentalisiert und missbraucht werden.

    Es ist tragisch, wie diese Herzblut-Krieger verheizt werden.

  • Hallo Herr Keizer,

    das passt in das Bild, wonach Trump angeblich den Syrien-Einsatz entgegen dem Willen des US-Militärs beenden will. Möglicherweise hat es hier eine Absprache zwischen Trump und Macron gegeben. Es droht nach jetzigem Stand eine militärische Konfrontation zwischen den USA und der Türkei, wenn Manbij von den Türken angegriffen wird.

    Ein Abzug der USA gegen Stationierung französischer Truppen wäre bei der Informationslage eigentlich logisch. Das erst Recht, weil Frankreich nicht der NATO angehört und die USA so vermeiden können, durch eine militärische Konfrontation die Türkei endgültig in die Arme Russlands zu treiben.

    Was den gewünschten Einsatz der Bundeswehr angeht – da ist Merkel IV vor. Die machen sich jetzt eher Sorgen, wie das mit der erteilten Vorabgenehmigung zur Nachrüstung türkischer Panzer zu regeln ist (Schadenersatzforderungen der Industrie stünden an) und wie man weitere Rüstungsgüter für die Türkei rechtfertigen kann, die sich durchaus gegen die französischen Freunde richten können.

  • Endlich einer aus Europa, der die Kurden unterstützt. Die Kurden in Syrien haben gegen den IS gekämpft, was Erdogan gerne unterlassen hätte. Erdogan ist ein Kriegstreiber, der für den Tod und die Vertreibung Unschuldiger verantwortlich ist. Die Bundeswehr sollte sich mit der französichen Armee zusammenschließen und diese Gebiete sichern. Falls wir es zulassen, dass Erdogan sie erobert und dort syrische Flüchtlinge ansiedelt, machen wir uns der Beihilfe zur ethnischen Säuberung schuldig.

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