Konflikt mit Nordkorea Pentagon-Chef Mattis droht „massive Militärreaktion“ an

US-Verteidigungsminister Mattis reagiert auf den Wasserstoffbombentest von Nordkorea mit deutlichen Worten. Südkorea rechnet mit dem Start einer Interkontinentalrakete – und simuliert schon einen Angriff auf den Norden.
Update: 04.09.2017 - 09:39 Uhr 4 Kommentare

„Greifen Sie Nordkorea an?“ – „Wir werden sehen“

Seoul/Washington/Moskau/XiamenDie USA haben Nordkorea nach dem bislang stärksten Atomtest eine „massive militärische Antwort“ auf eine Bedrohung Amerikas oder Verbündete angekündigt. Jeder derartige Schritt gegen die USA „oder ihrer Territorien, einschließlich Guam, oder ihrer Verbündeten wird eine massive militärische Antwort nach sich ziehen, eine sowohl effektive als auch überwältigende Antwort“, sagte Verteidigungsminister Jim Mattis am Sonntag.

US-Präsident Donald Trump habe sich über alle zur Verfügung stehenden militärischen Optionen informieren lassen. Die Regierung in Washington strebe nicht die Vernichtung eines Landes an, namentlich Nordkorea. „Aber wir haben viele Optionen, dies zu tun“, sagte Mattis.

Trump hatte zuvor auf die Frage, ob die USA Nordkorea militärisch angreifen würden, gesagt: „Wir werden sehen.“ Zudem brachte er ein weltweites Handelsembargo ins Spiel. Die USA erwogen, die Handelsbeziehungen zu allen Staaten einzustellen, die Geschäfte mit Nordkorea machten, teilte Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Wichtigster Handelspartner Nordkoreas ist China.

Südkorea hat indes mit einer Militärübung auf den Test reagiert. Dabei seien Angriffe auf die Region im Norden simuliert worden, wo das Testgelände liege, erklärte das Büro des Stabschefs am Montag. Gegenstand der Übung sei auch der Einsatz von Langstrecken- und ballistischen Raketen gewesen. Außerdem berichtet die die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Montag, dass Nordkorea nach Einschätzung des südkoreanischen Militärs möglicherweise den Start einer Interkontinentalrakete vorbereite.

Der russische Präsident Wladimir Putin bemühte sich hingegen um Entspannung. Die internationale Gemeinschaft rief er zu Besonnenheit im Umgang mit Pjöngjang auf. Der Kremlchef fordere dazu auf, „sich nicht von Emotionen leiten zu lassen, ruhig und ausgeglichen zu reagieren“, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Tass zufolge am Sonntag.

Eine umfassende Lösung könne nur mit politischen und diplomatischen Mitteln gefunden werden. „Bislang kann man feststellen, dass die bereits bestehenden Sanktionen keine positiven Ergebnisse gebracht haben“, sagte Peskow. „Im Gegenteil: Die Situation lässt sehr zu wünschen übrig.“

Der Uno-Sicherheitsrat tritt am Montag zu Beratungen über den jüngsten nordkoreanischen Atomtest zusammen. Die Sitzung sei von den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und Südkorea beantragt worden, teilte die US-Vertretung bei den Vereinten Nationen mit.

Uno-Generalsekretär Antonio Guterres verurteilte den Atomtest und sprach von einer schwerwiegenden Destabilisierung der Sicherheit in der Region. Er rief den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un dazu auf, derartige Handlungen einzustellen. Der Uno-Sicherheitsrat hatte erst im Juli die Strafmaßnahmen gegen die Regierung in Pjöngjang als Reaktion auf Raketentests verschärft.

Nordkorea hatte am Sonntag seinen bislang stärksten Atomtest vorgenommen und dabei nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe gezündet, die als Sprengkopf für seine Interkontinentalraketen dienen soll. Es gebe keine Zweifel daran, dass Nordkorea ein „fortgeschrittenes nukleares Objekt“ getestet habe, hieß es aus Geheimdienstkreisen. Die Erschütterungen waren auch im benachbarten China zu spüren. In der Grenzstadt Yanji heulten die Alarmsirenen. Die Atomsicherheitsbehörde des Landes kündigte Strahlenmessungen entlang der Grenze an. Weltweit wurde der Atomtest verurteilt.

Der von Kim angeordnete Test einer Wasserstoffbombe sei ein „voller Erfolg“ gewesen, verkündete das staatliche Fernsehen Nordkoreas. Es habe sich um einen bedeutsamen Schritt zur Vollendung des Atomwaffenprogramms gehandelt. Die Bombe sei für die neuen interkontinentalen Langstreckenraketen (ICBM) entwickelt worden. Eine Wasserstoffbombe beruht auf dem Prinzip der Kernfusion, wie er in der Sonne stattfindet. Sie ist um ein Mehrfaches stärker als eine Atombombe.

Nordkorea hatte im Juli zwei Interkontinentalraketen getestet, die mehr als 10.000 Kilometer fliegen und damit ganz Asien und weite Teile des US-Festlands erreichen könnten. Unter Kim unternimmt das arme Land große Anstrengungen, Atomwaffen zu entwickeln, die mit solchen Raketen verschossen werden können.

  • rtr
  • dpa
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4 Kommentare zu "Konflikt mit Nordkorea: Pentagon-Chef Mattis droht „massive Militärreaktion“ an"

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  • Hoffentlich merken die politisch Verantwortlichen in China rechtzeitig, dass der Preis dafür, Kim Jong Un zu halten auch für sie zu hoch wird.

    Denn wenn es darauf ankommt, kennt der nicht einmal seine Familie. Nur und einzig und allein sich selbst.

    Er dürfte also im Falle eines Falles ohne zu zögern bereit sein, alle anderen „mitzunehmen“.

    Und das mit einem weit größeren Vernichtungspotenzial, als es irgendein Selbstmordattentäter jemals haben könnte.

    Angesichts der aktuellen Situation in Südostasien – wenn man gestern morgen den Fernseher anmachte, bekam man gleich wieder die „volle Dröhnung“: schon wieder Nordkorea, von den Überschwemmungen in Indien, Nepal, Bangladesch und Pakistan, die, obwohl ihre Auswirkungen (über 2100 Tote) denen von Hurrikan Harvey in den USA in nichts nachstehen, in den Nachrichten eher unter „ferner liefen“ rangieren, und dem voll entbrannten Konflikt in Myanmar jetzt mal gar nicht zu reden – gehen mir die üblichen, ganz gewöhnlichen politischen Querelen und Machtkämpfe - und erst recht irgendwelche lokalen Wahlkämpfe sowas von am A…. vorbei.

    Es ist einfach nur noch absurd. Und in höchstem Maße deprimierend.

  • Mann, Mann, Mann!

    Geheimdienstkreise und eindeutig fortgeschrittener Nuklearsprengkopf?

    Mal so ein paar Fakten:

    Im Bereich Atombombe ist ein fortgeschrittener Sprengkopf ein miniaturisierter. Es gibt also so eine Mindestgröße, die ein solcher Sprengkopf mit "einfacher" Technologie hat! NKs Tests waren dafür bisher alle zu KLEIN! Inklusive des angeblich ersten H-Bombentest (zu klein für eine A-Bombe!!!).

    Das einzige was man jetzt hat, ist der Explosionsort und das die Bombe stärker war, als die vorangegangenen... Aber noch keiner ist bisher aufgetreten und hat die Detonationsstärken mit den Bebenmesseungen korrelliert und kam zum Ergebnis, dass wäre die Größe einer H-Bombe!

    Nochmal: ausser der Detonationsgröße hat man nichts, geschweige denn, dass man aus der Messung auf die Technik der Bombe schliessen kann! Humbug! Die Signalformen lassen es nicht einmal zu TNT von einer A-Bombe zu unterscheiden.

    Bitte liebes Handelsblatt! Das Thema ist zu gefährlich, als jeden Blödsinn in die Welt zu posaunen!

  • Brot und Spiele.
    Das System ist am Ende.
    Das Umverteilungssystem über die Löhne funktioniert nicht mehr - ob nun mit Krieg oder ohne.

    ps: auch die Exportüberschüsse müssen "irgendwie" bezahlt werden.
    Gehen die Spatzenhirne eigentlich wirklich davon aus, dass dies noch ewig gut geht?
    ... jetzt kommt noch die digitalisierung des Arbeitsplatzes hinzu - "Arbeiten von überall für alle Standorte auf der Welt"...
    ... da helfen keine Wasserwerfer, da hilft auch keine Mauer: die globalisierten Arbeitssklaven klinken sich übers Internet ein.
    Wie werden da wohl die vergleichsweise bisher überbezahlten, bald hoffnungslos arbeitslosen im sogenannten "Westen" darauf reagieren? - deren Wohnraumkosten sind schon höher wie die vergleichbaren Gesamtarbeitskosten andernorts...

    Aber hey: vielleicht hilft ja eine Militärdiktatur!

    Demokratie abschaffen oder System verändern - im Klartext: Kapitalerträge umverteilen oder Krieg.

  • LOS! SCHICKT DIE EICHHÖRNCHEN ZUM ENTERN!!!

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