Midterm-Elections Diese 10 Wahlgewinner sollten Sie kennen

Erzkonservative und liberale, Haudegen und Hoffnungsträger: Die neuen Volksvertreter der US-Amerikaner sind so gespalten wie ihre Wähler.
Update: 07.11.2018 - 17:13 Uhr Kommentieren
Die einstige Sprecherin des Repräsentantenhaus könnte diesen Job zurückbekommen. Quelle: Reuters
Nancy Pelosi

Die einstige Sprecherin des Repräsentantenhaus könnte diesen Job zurückbekommen.

(Foto: Reuters)

Die jüngste Abgeordnete kommt von den Demokraten, der jüngste Senator von den Republikanern. Sie könnten die künftige Strategie ihrer Parteien mitprägen. Ein Überblick über Gewinner der Zwischenwahlen.

Nancy Pelosi (Abgeordnete, Kalifornien)

Ihre Stimme war längst rau, als Nancy Pelosi Dienstagnacht vor die Kameras trat. Erleichtert sah sie aus und müde. Immer wieder verhaspelte sie sich, verschluckte Wörter, setzte neu an um zu erklären, worauf es in den kommenden Monaten ankommen wird. Der harte Kampf hat sich gelohnt.

Pelosis demokratische Partei hat bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewonnen und Pelosi, die bislang die Minderheitsführerin war, hat gute Chancen, wieder zur Sprecherin des Repräsentantenhauses aufzusteigen. Die erfahrende Demokratin aus dem US-Bundesstaat Kalifornien ist schon jetzt die mächtigste Frau im Kongress und wird künftig zur wichtigsten Gegenspielerin von US-Präsident Donald Trump werden.

Die Demokratin stimmte Dienstagnacht auch versöhnliche Töne an. „Wir werden die Regierung zur Rechenschaft ziehen und wir werden uns um Überparteilichkeit und Fairness auf allen Seiten bemühen“, stellte sie klar. „Wir haben eine Verantwortung, Gemeinsamkeiten zu finden, überall dort, wo es möglich ist und wenn nicht, dann müssen wir unsere Positionen verteidigen.“

Auch Trump gratulierte noch in der Wahlnacht und lobte ihr Ziel, mit den Republikanern zusammenarbeiten zu wollen, teilte Pelosis stellvertretender Stabschef Drew Hammill mit.

Der Kampf um die Gesundheitsreform von US-Präsident Barack Obama steht ganz oben auf Pelosis Liste. Trump wollte die umfassende Reform eigentlich längst abgeschafft und ersetzt haben, doch dazu ist es nicht gekommen, weil im Kongress entsprechende Mehrheiten fehlten. Die Republikaner haben seitdem versucht, wichtigen Förderprogrammen das Geld zu entziehen und die Reform aufzuweichen.

Dass Krankenversicherer Kunden wegen Vorerkrankungen nicht mehr abweisen dürfen, war eine wichtige Errungenschaft Obamas. Diese will Pelosi unbedingt verteidigen. Zudem werde sie für neue Infrastrukturprojekte kämpfen, die gleichzeitig gut bezahlte Jobs schaffen sollen, kündigte sie an.

Die Abgeordnete weiß, wie man Gesetzesentwürfe durchboxt und Mehrheiten schafft. Seit 30 Jahren schon vertritt sie San Francisco im Kongress. Von 2007 bis 2011 war sie bereits Sprecherin des Repräsentantenhauses, zunächst noch unter Präsident George W. Bush, ab 2009 unter Obama.

Sie war die erste Frau überhaupt in dieser Rolle und hat es auch als Minderheitsführerin der Kammer geschafft, ihre Partei zusammenzuhalten. Sie pflegt zudem enge Drähte in die Wirtschaft und schafft es immer wieder, hohe Wahlkampfspenden zu bekommen.

Allerdings schlägt der Demokratin nun auch Widerstand aus der eigenen Partei entgegen. Gut ein Dutzend Abgeordnete haben sich im Wahlkampf für ein neues Gesicht auf diesem Posten ausgesprochen. Pelosi ist immerhin schon 78 Jahre alt und hat es in den vergangenen Jahren abgelehnt, einen Nachfolger aufzubauen.

Im Wahlkampf war sie regelmäßig Zielscheibe der Republikaner. In fast jeden fünften Wahlkampf-Spot kam sie vor. Pelosi sieht das gelassen. Noch gibt es keinen Herausforderer in der eigenen Partei.

Zudem hat sie Bereitschaft signalisiert, den Übergang auf die neue Generation vorzubereiten. Die Attacken der Republikaner nahm sie in einem Interview mit der „New York Times“ schulterzuckend zur Kenntnis. „Wenn die Republikaner 100 Millionen Dollar ausgeben wollen, um mich zu kritisieren und zu verteufeln, dann muss ich ziemlich wichtig sein.“

Alexandria Ocasio-Cortez (Abgeordnete, New York)

Alexandria Ocasio-Cortez ist die jüngste Frau im US-Kongress aller Zeiten

Noch bis vor zwei Jahren arbeitete Alexandria Ocasio-Cortez als Kellnerin in einer New Yorker Bar. Anfangs vom Establishment der Demokraten ignoriert, gewann die New Yorkerin bald die Unterstützung von Senator Bernie Sanders. In der Vorwahl schlug sie Joe Crowley – der seit 1999 einen Wahlkreis in New York vertritt und eigentlich Nancy Pelosi als Fraktionsvorsitzender beerben wollte.

Jetzt erhielt Ocasio-Cortez 78 Prozent der Stimmen, zieht mit 29 Jahren als jüngste Frau in der US-Geschichte ins Repräsentantenhaus. „Das ist möglich, wenn die Menschen zusammenkommen“, sagte die New Yorkerin in ihrer Siegesrede. Es sei nicht ein Wahlerfolg, „sondern eine neue Bewegung für soziale, ökonomische und ethnische Gerechtigkeit“.

AOC, wie sie oft in US-Medien genannt wird, setzte sich mit für die USA linken Ideen durch. Sich selbst beschreibt sie als demokratische Sozialistin, will eine Pflichtkrankenversicherung, Gratis-Studienhilfen und eine staatliche Arbeitsplatzgarantie einführen.

Als Antwort auf die oft extremen Ansichten von Präsident Donald Trump und der Republikanischen Partei könnten die Positionen von der frischgebackenen Abgeordneten einiges an Gehör finden.

Ein ausführliches Porträt von Alexandria Ocasio-Cortez finden Sie hier

Josh Hawley (Senator, Missouri)

Setzt ganz auf die Politik von Donald Trump. Quelle: AFP
Josh Hawley

Setzt ganz auf die Politik von Donald Trump.

(Foto: AFP)

Die Senatorin Claire McCaskill war eine Ausnahmeerscheinung im ansonsten konservativen Bundesstaat Missouri im Zentrum der USA. Umso härter trifft ihre Niederlage gegen Josh Hawley die Demokraten.

Der Anwalt Hawley ist erst 38 Jahre alt und wird der jüngste Senator in der Kammer sein. Seine Biografie ist eindrucksvoll: Er studierte in Yale und schrieb schon mit 28 Jahren eine Biografie über den US-Präsidenten Theodore Roosevelt.

Vor zwei Jahren gewann er die Wahl zum Staatsanwalt von Missouri. Für internationale Aufmerksamkeit sorgte er in dem Amt, als er Google und Facebook aufgrund von Datenschutzverstößen untersuchte. Die Kontroverse um die Digitalkonzerne dürfte Hawley auch als Senator nicht ruhen lassen.

Hawley setzt ganz auf die Politik von Donald Trump. Er fordert eine Reform der Bundessteuern und unterstützte den Kandidaten für das oberste US-Gericht, Brett Kavanaugh.

Trump gab Hawley seine Unterstützung, trat noch am vergangenen Montag in Missouri auf einer Wahlkampfkundgebung auf. Hawley erhielt mit 51,5 Prozent deutlich mehr Stimmen als McCaskill, die nur auf 45,5 Prozent kam.

Marsha Blackburn (Senatorin, Tennessee)

„Ich bin hardcore-konservativ.“ Quelle: AFP
Marsha Blackburn

„Ich bin hardcore-konservativ.“

(Foto: AFP)

Sie ist die erste Senatorin ihres Bundesstaates. Marsha Blackburn folgt auf den langjährigen republikanischen Senator Bob Corker. Die 66-Jährige gilt als eiserne Unterstützerin von US-Präsident Trump. Sie bezeichnet sich selbst als „hardcore-konservativ“ und sei gerne politisch unkorrekt. Blackburn ist gegen strengere Waffengesetze, gegen Einwanderung, gegen Abtreibung und künstliche Befruchtung. Die Republikaner stellen seit den 1990ern alle Senatoren des Staates. Die Demokraten hatten auf eine Wende gehofft. Der Sitz wäre auch wichtig gewesen, um die Mehrheit im Senat zurückzuerobern. Auch Pop-Star Taylor Swift hatte Wahlkampf gegen Blackburn gemacht. Zwar würde sie Frauen grundsätzlich unterstützen, doch Blackburns Positionen „kann ich nicht vertreten“, so Swift, die sich bislang aus der Politik fernhielt. Ihr Einsatz konnte den Sieg der Republikanerin nicht verhindern.

Blackburn war seit 2002 Abgeordnete im Repräsentantenhaus und unterstützte 2012 den Wahlkampf des Republikaners Mitt Romney als Beraterin. Zu ihren großen Zielen gehörten nun, Trump dabei zu unterstützen, die hoch umstrittene Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, die Steuern weiter zu senken und Obamas Gesundheitsreform abzuschaffen, sagte sie dem Nachrichtensender Fox News.

Rashida Tlaib (Abgeordnete, Michigan)

Eine von den zwei ersten muslimischen Frauen im Parlament. Quelle: Reuters
Rashida Tlaib

Eine von den zwei ersten muslimischen Frauen im Parlament.

(Foto: Reuters)

Sie hat schon immer leidenschaftlich für das gekämpft, was ihr wichtig ist. Rashida Tlaib ist neben Ilhan Omar eine von zwei muslimischen Frauen, die als Abgeordnete in das Repräsentantenhaus einziehen. Eine Premiere. Tlaib, eine Demokratin aus Michigan, war vor zehn Jahren bereits die erste muslimische Politikerin, die in das Parlament des Bundesstaates einzog. Die Tochter palästinensischer Einwanderer hat sich als scharfe Kritikerin von US-Präsident Donald Trump positioniert. Vor zwei Jahren wurde sie festgenommen, weil sie eine Rede des Präsidenten in Detroit gestört hatte.

Die 42-Jährige übernimmt den Sitz von John Conyers, der im vergangenen Jahr nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten war.

Die Anwältin ist Teil der sogenannten Demokratischen Sozialisten Amerikas, einer linken Gruppe der Partei, zu der auch die Hoffnungsträgerin Alexandra Ocasio-Cortez angehört. Sie gewann die Wahl ohne Gegenkandidaten. Insgesamt gibt es nun vier muslimische Abgeordnete im Repräsentantenhaus, von insgesamt 435 Mitgliedern.

Ted Cruz (Senator, Texas)

Sein Sieg täuscht über gravierende Probleme in seiner Kampagne hinweg. Quelle: AP
Ted Cruz

Sein Sieg täuscht über gravierende Probleme in seiner Kampagne hinweg.

(Foto: AP)

Es wäre beinah die historische Stunde der Demokraten gewesen. Ihr Kandidat Beto O’Rourke war mit seiner jugendlichen Energie ein Shooting Star im Bundesstaat Texas. Der wählt seit Jahrzehnten eigentlich republikanisch.

Diesmal war er denkbar knapp: Ted Cruz setzte sich mit 51 Prozent der Stimmen als Senator durch. Cruz' Sieg täuscht über gravierende Probleme in seiner Kampagne hinweg.

Seit seiner Niederlage vor zwei Jahren in der Kandidatur um das Weiße Haus gegen Trump haftet Cruz das Image eines Verlierers an. O’Rourke sammelte mit 60 Millionen Dollar dreimal so viel Geld ein wie der Republikaner. Der US-Präsident ließ Cruz den ganzen Sommer zappeln, erst im Oktober kam er mit einer Kundgebung zu Hilfe.

Rick Scott (Senator, Florida)

Dem jungen Gegenkandidaten widerstanden. Quelle: Reuters
Rick Scott

Dem jungen Gegenkandidaten widerstanden.

(Foto: Reuters)

Vorerst steht der Republikaner als Gewinner da. In einem erbitterten Rennen gegen den Demokraten Bill Nelson hat sich Rick Scott ganz knapp durchgesetzt und Dienstagnacht schon selbst zum Gewinner erklärt. Doch über Nacht ist sein Vorsprung auf 0,42 Prozent der Stimmen geschmolzen. Das ist knapp genug, um eine neue Auszählung zu fordern.

Laura Kelly (Gouverneurin, Kansas)

Steht für einen Umschwung in Kansas. Quelle: Reuters
Laura Kelly

Steht für einen Umschwung in Kansas.

(Foto: Reuters)

Die Demokratin steht für einen Umschwung in Kansas, wo bislang ein republikanischer Gouverneur regierte und ein Kandidat mit Kontakten ins Neonazi-Milieu antrat. Auch einen Kongress-Sitz verloren die Republikaner hier.

Kelly sagte, es sei keine blaue Welle gewesen, die sie ins Amt getragen habe, sondern eine Welle des gesunden Menschenverstandes und der Überparteilichkeit.

Ron DeSantis (Gouverneur, Florida)

Er ist Teil des Tea-Party-Flügels. Quelle: AFP
Ron De Santis

Er ist Teil des Tea-Party-Flügels.

(Foto: AFP)

Es ist der größte Swing-State und die Demokraten hatten gehofft, nach Trumps Wahlerfolg 2016 hier wieder Fuß fassen zu können. Doch Ron DeSantis’ Wahlsieg als republikanischer Gouverneur zeigt, dass viele Wähler immer noch hinter Trump stehen. DeSantis (40) war zuvor Abgeordneter im Repräsentantenhaus und Teil des Teaparty-Flügels.

Elizabeth Warren (Senatorin, Massachusetts)

Sie könnte 2020 bei der Präsidentschaftswahl mitmischen. Quelle: dpa
Elisabeth Warren

Sie könnte 2020 bei der Präsidentschaftswahl mitmischen.

(Foto: dpa)

Es war reine Formsache, dass die demokratische Senatorin aus Massachusetts wiedergewählt werden würde. Beobachter gehen davon aus, dass sie 2020 bei der Präsidentschaftswahl mitmischen will. Nun kann sie ihre Kandidatur in Ruhe vorbereiten.

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