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Midterms in den USA Waffen interessieren die US-Wähler nicht, Schimpfworte schon – die Erkenntnisse der Wahl

Wahl der Superlative: Nie zuvor sind so junge und so alte Politiker in den US-Senat gewählt worden. Und noch nie floss im Wahlkampf so viel Geld. Für den größten Aufreger sorgte das F-Wort.
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Midterm Elections in den USA – die Erkenntnisse aus den Midterms Quelle: AP
Beto O'Rourke

Für Wirbel sorgte in der Wahlnacht, dass O'Rourke in der Rede, in der er seine Niederlage einräumte, das „F-Wort“ benutzte: „Ich bin so verdammt stolz auf euch!“ (Im Original: „I'm so fucking proud of you guys!“).

(Foto: AP)

DüsseldorfDie US-Amerikaner haben am gestrigen Dienstag (Ortszeit) das gesamte Repräsentantenhaus sowie Teile des Senats neu gewählt. Dabei konnten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus erringen, während die Republikaner ihre Mehrheit im Senat ausgebaut haben. Dabei gab es einige Überraschungen:

Was war für die US-Bürger wahlentscheidend?

Vier von zehn Befragten gaben an, ihre Stimme auch aus Protest gegen Donald Trump abgegeben zu haben, berichtet der US-Sender CBS. Lediglich 44 Prozent stimmten seiner Politik zu, 55 Prozent lehnten sie ab. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass Gesundheitsfürsorge für sie das wichtigste Thema bei der Wahl sei. Migration, Wirtschaft und Waffenpolitik spielten eine untergeordnete Rolle.

Mehr als jeder zweite „weiße Wähler“ mit einem College-Abschluss hält Trumps Einwanderungspolitik für viel zu hart.

Welche Partei schnitt in den Wählergruppen wie ab?

Von den zwei großen Parteien haben deutlich mehr Frauen die Demokraten unterstützt. 59 Prozent der weiblichen Wählerinnen gaben ihre Stimme den „Blauen“, nur 39 Prozent entschieden sich für einen republikanischen Kandidaten.

Zudem haben die Demokraten vor allem bei jüngeren US-Bürgern gepunktet. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen verzeichnen sie einen Vorsprung von 35 Prozentpunkten gegenüber den Republikanern. Auch bei den 30-bis 40-Jährigen lagen die Demokraten 19 Prozentpunkte vor den Republikanern. Bei den Älteren ist das Verhältnis beider Parteien ausgeglichen.

Die älteste Senatorin der Geschichte

Die demokratische Senatorin von Kalifornien, Dianne Feinstein, hat sich die Wiederwahl in den US-Senat gesichert. Sie setzte sich gegen ihren parteiinternen Kontrahenten Kevin de León durch. Feinstein ist bereits 85 Jahre alt und sitzt seit 1992 im Senat in Washington. De León hatte Feinstein vorgeworfen, nicht vehement genug gegen Trump vorzugehen – mit diesem Angriff aber offenbar keinen Erfolg gehabt.

Dass in Kalifornien zwei Politiker derselben Partei gegeneinander angetreten sind, liegt am Wahlsystem in dem Bundesstaat: Dort treten stets die beiden Kandidaten mit den meisten Vorwahlstimmen bei der Abstimmung zum Senat gegeneinander an.

Besonders interessiert wurde das Rennen deshalb nicht verfolgt. Die kalifornischen Demokraten fokussierten sich darauf, Sitze im Repräsentantenhaus zu gewinnen.

Die jüngste Abgeordnete der Geschichte

Polit-Neuling Alexandria Ocasio-Cortez zieht als jüngste Abgeordnete in der US-Geschichte in den Kongress ein. Die 29-Jährige schlug am Dienstag ihren republikanischen Rivalen Anthony Pappas im Wahlkreis New York haushoch. Sie erhielt 78,5 Prozent der Stimmen.

Bislang hatte den Titel der jüngsten Abgeordneten die Republikanerin Elise Stefaniak inne, die zum Zeitpunkt ihrer Wahl 30 Jahre alt war. Im Kongress sitzen bereits viele Männer unter dreißig.

Das wohl engste Rennen um einen Senatssitz

Senator Ted Cruz, Republikaner aus Texas, gewann die Wahl in einem der engsten Halbzeitrennen des Landes und schlug den am besten finanzierten und populärsten Demokraten: Beto O’Rourke. Cruz konnte 50,9 Prozent der Wähler hinter sich vereinen, während O'Rourke auf 48,3 Prozent der Stimmen kam.

Mit der Niederlage O'Rourkes verschwand die Hoffnung der demokratischen Partei, dass sie zum ersten Mal seit 1988 einen Sitz für Texas im US-Senat erobern könnte.

Trotzdem sehen viele US-Stars den Demokraten als künftigen Herausforderer Trumps. So twitterte Schauspieler Javier Muñoz: „Beto soll Präsident werden!“ Seine Kollegin Ellen Pompeo leitete seinen Tweet gleich an die eigenen Fans weiter.

Schauspielerin Ellen Barkin rief ihre Fans auf, sich die Reden von O'Rourke und dem demokratischen Gouverneurskandidaten Andrew Gillum aus Florida anzuhören. „Trefft 2020 eure Wahl“, schrieb sie dazu. Ihre Kollegin Olivia Wilde twitterte: „Beto 2020. Lasst es uns tun.“

Was war der größten Aufreger?

Für Wirbel sorgte in der Wahlnacht, dass Demokrat O'Rourke in der Rede, in der er seine Niederlage einräumte, das „F-Wort“ benutzte: „I'm so fucking proud of you, guys!“.

Seine Rede wurde unter anderem vom Sender MSNBC live übertragen und nicht zensiert. Im US-Fernsehen dürfen keine Schimpfworte gesendet werden. Normalerweise wird ein Pfeifton darüber gelegt. Von seinen Anhängern wurde der 46-Jährige daraufhin im Internet für seine authentische Sprache gefeiert.

Einer der teuersten Wahlkämpfe in der Geschichte des Landes

Anders als Cruz in Texas erging es Missouris demokratischer Senatorin Claire McCaskill. Sie verlor ihren Sitz an den Republikaner Josh Hawley. Der Wettbewerb um den Senatssitz war laut „New York Times“ eines der teuersten Senatsrennen in der Geschichte des Landes: Dutzende Millionen Dollar haben die Kandidaten für Anzeigen ausgegeben. Denn es stand für beide Parteien viel auf dem Spiel: Mit Hawleys Sieg haben die Republikaner den Swing-State im Senat geholt.

Die Republikaner haben den Demokraten noch zwei weitere Senatssitze abgenommen: North Dakota und Indiana. In North Dakota besiegte Kevin Cramer seine demokratische Kontrahentin Heidi Heitkamp. In Indiana setzte sich Mike Braun gegen Joe Donnelly durch.

Die Demokraten konnten den Republikanern dagegen nur einen Sitz abringen: In Nevada setzte sich Jacky Rose gegen Dean Heller durch. Heller erklärte in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) seine Niederlage. „Wir waren nicht erfolgreich, und ich übernehme die Verantwortung dafür“, sagte Heller. Rosen erklärte sich vor jubelnden Anhängern zur Siegerin.

Mit Agenturmaterial.

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