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US-Kongresswahlen Trump setzt stärker auf den Kampf um den Senat als um das Repräsentantenhaus

In zahlreichen Auftritten wirbt der Präsident kurz vor der Wahl um Stimmen. Er macht nur da Wahlkampf, wo Republikaner gute Chancen auf einen Sieg haben.
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Impressionen vom Trump-Wahlkampfauftritt in Cleveland

Cleveland Ein schwarzer Prediger, das Singen der Nationalhymne, Überraschungsauftritt von Tochter Ivanka – am gestrigen Montag fuhr US-Präsident Donald Trump auf einem der letzten Wahlauftritte im US-Bundesstaat Ohio groß auf. „Es liegt etwas in der Luft“, rief er den rund 10.000 Menschen in der Messehalle von Cleveland zu. „Geht morgen wählen.“

Aber Trump versprühte in der Rede nicht den gleichen bombastischen Optimismus wie sonst. „Das ist eure Bewegung, nicht meine“, sagte er. „Erhaltet sie am Leben. Wir müssen morgen verhältnismäßig gut abschneiden.“

Das hört sich sehr nach einer Distanzierung an. Seit vergangenem Mittwoch trat Trump insgesamt 15 Mal auf, reiste von Florida über Montana bis West-Virginia, um Stimmen für seine Partei zu sammeln und politische Gefälligkeiten auszuteilen. Fast letzte Station vor der Wahl am Dienstag: Ohio.

Eine Analyse der Auftritte zeigt ein Muster: Fast immer unterstützt Trump einen Senator oder wie im Fall von Ohio auch einen Gouverneur – aber selten einen Kandidaten für das Repräsentantenhaus. Dabei kämpft seine Partei vor allem um die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Doch Trump und seine Mannschaft wissen genau: Die Chancen, dort zu punkten, sind gering.

Fast immer verliert die regierende Partei in den sogenannten „Midterms“, den Zwischenwahlen. Amerikaner bevorzugen eine Beschränkung der Macht in Washington. Seit den siebziger Jahren verlor jeder amtierende Präsident Sitze und Mehrheiten im Kongress, einzige Ausnahme war 2002. Damals konnte Georg W. Bush die Mehrheit der Republikaner sogar ausbauen, was allerdings auf den Terroranschlag von 2001 und die darauffolgende patriotische Welle zurückzuführen war.

Auch diesmal gibt es Sonderfaktoren, die sich aber negativ auf die Republikaner auswirken. Die Rechnung dazu stellte Beraterin Kellyanne Conway vor wenigen Tagen im Fernsehen auf: Ganze 43 der insgesamt 435 Sitze im Repräsentantenhaus müssen die Republikaner neu besetzen, weil die Abgeordneten sich zurückziehen – weit mehr als bei den Demokraten. Der Umstand mindert aber die Wahlchancen: Neue Kandidaten haben es schwerer, den Sitz zu verteidigen, wenige kennen ihren Namen.

„Die Demokraten gewinnen das Repräsentantenhaus“, sagt auch Justin Abdilla. Der Anwalt ist zum ersten Mal auf einer Trump-Rally, steht mit roter „Make America Great Again“-Kappe in der Messehalle von Cleveland. Der 29-Jährige wählte mit Trump erstmals einen Republikaner. Obama enttäuschte ihn mit seiner „aggressiven Außenpolitik“. Seiner Meinung habe es zu viele militärische Eingriffe gegeben. „Zugegebenermaßen ist die Rhetorik von Trump fürchterlich“, sagt Abdilla. „Aber bislang hält er sich mit dem Militär mehr zurück als andere Präsidenten“.

Die Stimme von Abdilla hat Trump sicher. Allerdings befindet er sich laut aktuellen Umfragen damit in der Minderheit. Danach gewinnen die Demokraten das Repräsentantenhaus. Trump Strategie ist es daher, sich auf den Senat zu konzentrieren.

Dort gibt es so gut wie keine Rücktritte oder Ruheständler, auch wird wie von der Verfassung vorgesehen nur ein Drittel der insgesamt 100 Sitze neu gewählt. „Dort stehen unsere Chancen viel besser“. sagte Barry Bennet, der Trump 2016 im Wahlkampf beriet. „Wenn sie dort Sitze gewinnen, werden sie nur darüber reden“.

Übernehmen die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus, dann hätte Trump zwar weniger Macht – aber eine neue Zielscheibe. Wahrscheinlich würde Nancy Pelosi die neue Sprecherin der Kammer werden. Die Demokratin ist mit ihren linksliberalen Ansichten und ihrem progressiven Wahlbezirk in Kalifornien für nicht wenige Republikaner eine Reizfigur.

Beim Wahlkampfauftritt in Ohio war die Politikerin dann auch die am meisten zitierte Person. Viele Vorredner und Trump stellten die rhetorische Frage: „Wollt Ihr Pelosi?“. Ein lautes Buhen erklang jedes Mal in der Halle.

Eine verlockende Aussicht für Trump: Rückschläge und Probleme könnte er in den kommenden zwei Jahren auf die Demokraten und Pelosi schieben. Denn 2020 steht eine für Trump viel wichtigere Sache als die „Midterms“ an: seine Wiederwahl.

Wie sehr der New Yorker auf seine eigene Person fixiert ist, verriet er fast nebenbei auf einer Wahlkampfrede in Tennessee am vergangenen Sonntag. Die anstehenden Wahlen seien die „wichtigsten in der Geschichte“, sagte Trump. „Nun, fast so wichtig wie die 2016.“

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