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Konjunktur China ächzt unter dem Handelskrieg – und wird für die Weltwirtschaft zum Risiko

Der Handelskonflikt mit den USA schwächt die chinesische Volkswirtschaft. Das Wachstum schwächelt. Die Ansteckungsgefahren für Deutschland sind enorm.
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Konjunktur: Sorge um Chinas Wirtschaft Quelle: imago images/VCG
Warten auf neue Ware

Der Binnenkonsum in China steigt, die Privatverschuldung aber auch.

(Foto: imago images/VCG)

Berlin, Washington, Peking China leidet unter den Folgen des anhaltenden Handelskriegs mit den USA. Das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt schwächt sich ab, die Industrieproduktion sinkt, die Gewinne der chinesischen Industrieunternehmen schrumpften im September bereits den zweiten Monat in Folge. „Die Unternehmen sind wegen des Handelskriegs und der globalen Entwicklungen verunsichert“, sagte Max Zenglein, Leiter des Wirtschaftsprogramms beim Berliner China-Thinktank Merics.

Die deutsche Wirtschaft blickt mit Sorge auf die Volksrepublik: „Die derzeitige Wachstumsschwäche Chinas wird mehr und mehr auch zu einer Belastung der deutschen Konjunktur“, sagt Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags.

Zum Stützpfeiler der chinesischen Wirtschaft entwickeln sich immer stärker die Konsumausgaben. „Der wachsende Wohlstand bringt mehr einheimischen Konsum“, sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr dem Handelsblatt.

Während das Bruttoinlandsprodukt in den ersten neun Monaten nur um 6,2 Prozent zulegte, wuchsen die Umsätze im Einzelhandel in den ersten drei Quartalen um 8,2 Prozent, im Onlinehandel betrug das Plus in den ersten acht Monaten sogar 16,8 Prozent. Experten erwarten für das Onlineshopping-Event „Singles’ Day“, das am Montag in China stattfindet, eine Umsatzsteigerung von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die chinesische Regierung hat die volkswirtschaftliche Bedeutung des Konsums erkannt. Um das schwächelnde Wirtschaftswachstum weiter zu stützen, will Peking die Kauflaune der Verbraucher weiter verbessern. Erst im Frühjahr verkündete Peking milliardenschwere Steuererleichterungen. Weitere Maßnahmen könnten folgen.

Der Handelsstreit ist die größte Bedrohung

Kaum sah es danach aus, als gäbe es eine Annäherung im Handelsstreit zwischen China und den USA, stellte US-Präsident Donald Trump sie gleich wieder infrage. Die Gespräche würden sich zwar „sehr schön“ entwickeln, sagte er Ende vergangener Woche. Aber es gebe eine falsche Berichterstattung über den Willen der USA, bereits bestehende Sonderzölle auf chinesische Produkte zurückzunehmen.

Der Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften stellt das größte Risiko für die Weltwirtschaft dar. Schon jetzt sinkt das Handelsvolumen zwischen China und den USA: allein in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als zehn Prozent – eine Folge der von Trump erhobenen Strafzölle, auf die Peking mit Gegenzöllen reagiert hatte.

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Eskaliert der Handelsstreit weiter, wäre eindeutig Europas größte Volkswirtschaft ein Verlierer. „Vor allem Deutschland leidet unter dieser neuen Situation“, warnt Gabriel Felbermayr, Chef des Instituts der Weltwirtschaft Kiel. „Tatsächliche und angedrohte Konflikte schwächen das globale Wachstum und damit die Nachfrage nach deutschen Produkten“, sagt Felbermayr.

Schon jetzt hinterlässt der Konflikt in China, dem wichtigsten Handelspartner Deutschlands, tiefe Spuren. Laut Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die chinesische Wirtschaft 2019 „nur“ um 6,1 Prozent wachsen. Im Vergleich zu den USA (2,4 Prozent) und gegenüber dem Schlusslicht Europäische Union (1,5 Prozent) ist das noch ein beachtlicher Wert. Die dynamischen Zuwachsraten früherer Jahre allerdings, als das BIP-Wachstum regelmäßig zweistellig ausfiel, sind vorbei.

Mit Chinas Wirtschaft kippt auch die Weltwirtschaft

Inzwischen steht China für 16,3 Prozent des Welt-BIP. Und noch ist die Volksrepublik der Leistungsträger der Weltwirtschaft. Allein in den vergangenen zehn Jahren trug das Reich der Mitte nach Berechnungen des Handelsblatt Research Institute gut ein Drittel zum globalen Wachstum bei.

Deshalb gilt nach wie vor: Gerät China in eine Wirtschaftskrise, hat die Weltwirtschaft ein Problem. „Die wirtschaftliche Entwicklung in China kann uns alles andere als egal sein“, sagte Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA), dem Handelsblatt. Dafür sei der Markt viel zu wichtig.

„China hat eine komplett andere Sicht auf einen möglichen Währungskrieg”

Und die Alarmzeichen nehmen zu: Die Privatverschuldung wächst. Laut einer Analyse des Washingtoner Institute of Finance liegt sie mittlerweile bei 92 Prozent des Einkommens der Chinesen. In Deutschland liegt die Quote laut den Berechnungen bei 86 Prozent. Auch die Industrieproduktion hat sich deutlich abgeschwächt.

Der Grund, warum Chinas Wirtschaftswachstum sich nicht noch stärker verlangsam hat, ist laut Experten der private Binnenkonsum. China hat bei der Umstrukturierung seiner Wirtschaft – weg von der reinen Export- hin zur Binnenorientierung – in den vergangenen Jahren riesige Fortschritte gemacht.

„Rebalancing“ nennt Stephen Roach, Ökonom an der Yale-Universität und Chinaexperte, den Prozess. „Der chinesische Verbraucher- und der Dienstleistungssektor sind zu Wachstumsmotoren der Volksrepublik geworden“, sagt der ehemalige Chairman für das Asiengeschäft von Morgan Stanley. Chinas einst überdimensionierter Leistungsbilanzüberschuss sei fast verschwunden.

Tatsächlich betrug der Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt nach chinesischen Statistiken in den ersten drei Quartalen nur noch knapp 20 Prozent, während der Konsum 60 Prozent ausmachte. Deutschland erwirtschaftet dagegen immer noch knapp die Hälfte seines BIP über die Ausfuhren.

„Der Einzelhandelskonsum stützt das Wachstum der chinesischen Wirtschaft“, sagt Max Zenglein, Leiter des Wirtschaftsprogramms beim Berliner China-Thinktank Merics. Grund für die anhaltende Kauffreude in China ist seine stetig wachsende Mittelschicht.

Die Hoffnung ruht auf den chinesischen Verbrauchern

Die Frage ist allerdings, wie lange die chinesischen Verbraucher das Wirtschaftswachstum noch stabilisieren können. Denn auch das Wachstum des privaten Konsums hat sich abgeschwächt. Hinzu kommt eine steigende Inflation. Peking versucht, mit stimulierenden Maßnahmen die Kauflaune anzukurbeln.

Im Frühjahr beschleunigte die chinesische Regierung ein Steuersenkungsprogramm, dessen Höhe Ministerpräsident Li Keqiang auf rund 260 Milliarden Euro bezifferte. Im August gab der Staatsrat eine Liste von 20 Maßnahmen heraus, die den privaten Konsum ankurbeln sollten. Unter anderem sollten Öffnungszeitungen von Nachtmärkten, Kiosken und Restaurants verlängert werden.

All diese Maßnahmen können aber nicht verhindern, dass sich das Wachstum Chinas weiter verlangsamen wird – und damit auch die Nachfrage aus der Volksrepublik. IWF-Ökonomen rechnen mittelfristig mit einem stufenweisen Rückgang des Wirtschaftswachstums auf 5,5 Prozent.

„Deutschland muss mit einer schwächeren Nachfrage aus China rechnen und tut vor diesem Hintergrund gut daran, seine Absatzmärkte diversifiziert zu halten“, sagt Ökonom Felbermayr.

Im laufenden Jahr habe der noch immer gute Handel mit chinesischen Geschäftspartnern dem deutschen Export dazu verholfen, über der Nulllinie zu bleiben, so DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „Für 2020 läuft der positive Chinaeffekt aus“, warnt er. Der DIHK rechne damit, dass der deutsche Export nach China allenfalls stagniert.

Die Entwicklungen zeigen, dass Trumps Eindämmungsstrategie gegenüber China große Risiken mit sich bringt. Viel mehr als Chinas Stärke muss die Weltwirtschaft seine Schwäche fürchten.

Mehr: Geopolitische Analyse im Global-Challenges-Podcast – Europa braucht strategische Geduld gegenüber China

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1 Kommentar zu "Konjunktur: China ächzt unter dem Handelskrieg – und wird für die Weltwirtschaft zum Risiko"

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  • Diese Gefahren sind ernstzunehmen. Kein Zweifel !
    Aber das darf nicht der anlass sein, uns an china zu verkaufen !!
    Bleiben wir demokratischen und sozialen prinzipien treu ! Auch im Handel und in der Wirtschaft !!