Konjunktur: China kündigt weitere Schritte zur Stützung der Wirtschaft an – Details bleiben offen
Peking will makroökonomische Anpassungen vornehmen, um die Wirtschaft in schwierigen Zeiten zu stützen.
Foto: ReutersPeking. Chinas Staatsführung hat am Freitag weitere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur angekündigt – blieb jedoch Details schuldig. Die Herausforderungen durch die Corona- und die Ukrainekrise nähmen zu, hieß es in einer Stellungnahme des Politbüros, dem obersten Lenkungsgremium der herrschenden Kommunistischen Partei. Darum würden makroökonomische Anpassungen vorgenommen.
Das Treffen war mit Spannung erwartet worden, da es Aufschluss darüber geben sollte, wie die Staatsführung die Wirtschaft unterstützen will. Das Gremium unter der Leitung von Staats- und Parteichef Xi Jinping versprach, den Ausbau der Infrastruktur zu verstärken, den Wohnungsmarkt zu stützen und ein stabiles Funktionieren der Kapitalmärkte zu gewährleisten. Große Risiken würden eingedämmt und systemischen Risiken vorgebeugt.
Bereits in den vergangenen Tagen und Wochen hatten Chinas führende Politiker einen solchen Schritt immer wieder angekündigt. Zuletzt hatte Staatschef Xi am Dienstag dazu aufgerufen, den Bau von Infrastrukturprojekten „mit aller Kraft“ voranzutreiben. Die vorgeschlagenen Projekte reichen von Wasserwegen und Eisenbahnen bis hin zu Einrichtungen für Cloud-Computing.
China kämpft aktuell mit dem schlimmsten Coronaausbruch seit 2020. Da die Staatsführung eine strikte Null-Covid-Politik verfolgt, werden bei einzelnen Coronafällen oft ganze Wohnblocks oder Stadtviertel abgeriegelt. Die Wirtschafts- und Finanzmetropole Schanghai ist seit mehr als vier Wochen im Lockdown. Die strikten Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung schaden der chinesischen Wirtschaft zunehmend. Trotz der wirtschaftlichen Schäden, die diese verursacht, erneuerte die Staatsführung am Freitag ihr Bekenntnis zur Null-Covid-Politik.
Das Wachstum hat sich zuletzt stark verlangsamt. Analysten der Großbank Société Generale halten die schwache Entwicklung im März nur für die Spitze des Eisbergs, „da die wirtschaftlich schädlichen Lockdowns erst Mitte März begonnen haben“. Der China-Chefvolkswirt der japanischen Bank Nomura, Ting Lu, sieht in China seit Mitte März gar ein „steigendes Rezessionsrisiko“. Alicia Garcia Herrero, Chefökonomin für Asien-Pazifik bei der französischen Investmentbank Natixis warnt in einer Analyse, ein Festhalten an der Null-Covid-Politik könnte „die chinesische Wirtschaft tatsächlich verwüsten“.
Am Samstag veröffentlicht das nationale Statistikamt in Peking die ersten Konjunkturindikatoren für April. Experten erwarten einen deutlichen Rückgang aufgrund der strikten Seuchenschutzmaßnahmen der chinesischen Behörden.
Investoren hoffen auf ein Ende der Regulierungswelle
Chinesische Aktien legten nach der Veröffentlichung der Politbüro-Stellungnahme zu. Der Leitindex Shanghai Composite schloss mehr als zwei Prozent im Plus. Der Hang Seng China Enterprises in Hongkong legte um mehr als fünf Prozent zu. Besonders groß waren die Zugewinne bei Tech-Aktien. Der Hang-Seng-Tech-Index stieg um fast zehn Prozent.
Investoren schöpften nach dem Treffen der Führungsriege Hoffnung, dass die Regulierungswelle im Tech-Sektor abebben könnte, um die Wirtschaft zu stabilisieren. In den vergangenen Wochen hatten sich die Zugewinne jedoch meist schnell wieder in Luft aufgelöst, nachdem den Ankündigungen keine konkreten Aktionen gefolgt waren. Die Festlandsbörsen bleiben in der kommenden Woche von Montag bis Mittwoch aufgrund von Feiertagen geschlossen.