Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konjunktur Industrie, Währung, Hauspreise: So wirkt sich der Brexit auf die britische Wirtschaft aus

Marktbeobachter sorgen die Auswirkungen des Brexits auf die britische Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds warnt sogar vor einer Rezession.
02.09.2019 - 16:33 Uhr Kommentieren
Großbritannien: Brexit hinterlässt tiefe Spuren auf der Wirtschaft Quelle: Reuters
Häuser in London

Die Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG rechnet für den Fall eines No-Deal-Brexits mit einem Einbruch am britischen Immobilienmarkt.

(Foto: Reuters)

London Welche Folgen das Brexit-Chaos auf die britische Wirtschaft hat, lässt sich auf einen Blick an der Entwicklung des Pfund Sterlings ablesen: Die Währung ist seit Wochen auf Talfahrt. Am Dienstag rutschte der Kurs zwischenzeitlich unter die Marke von 1,21 Dollar pro Pfund. Anfang Mai hatte die Währung noch zehn Dollar-Cent höher notiert.

Für erneuten Druck auf das Pfund Sterling sorgten nicht nur die Entwicklung im britischen Parlament, sondern auch aktuelle Zahlen aus der Wirtschaft, die, wie Marktbeobachter feststellten, „einfach schockierend“ ausgefallen waren: Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von IHS Markit sank im August den vierten Monat in Folge. Zuletzt notierte er bei 47,4 Punkten und lag damit auf dem niedrigsten Stand seit über sieben Jahren.

Laut Markit berichteten Unternehmen aus Großbritannien, dass Kunden aus der EU ihre Lieferketten umstellen, sodass sie nicht mehr so stark von britischen Produkten abhängig sind. Zwar wiesen Experten darauf hin, dass auch andere Faktoren wie der Handelsstreit zwischen den USA und China die Stimmung belaste, aber die Furcht vor einem chaotischen Austritt aus der EU am 31. Oktober verschlimmert die Situation für die britische Wirtschaft.

Schließlich sind die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU eng: 2018 gingen 46 Prozent aller britischen Exporte (289 Milliarden Pfund) in die EU, während Großbritannien 54 Prozent aller Importe vom Kontinent bezog.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Insgesamt belief sich das Handelsbilanzdefizit des Vereinigten Königreichs mit der EU auf 64 Milliarden Pfund. Sollte Großbritannien Ende Oktober ohne Handelsabkommen oder Übergangsfristen aus der EU austreten, würde das Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals in Schwierigkeiten bringen, vor allem aber in Großbritannien.

    Der Internationale Währungsfonds hatte vor einiger Zeit bereits gewarnt, dass ein No-Deal Großbritannien in eine Rezession stürzen könnte. Konkret hatten Experten im vergangenen Jahr kalkuliert, dass bei einem No-Deal-Brexit das Wirtschaftswachstum in Großbritannien bis 2030 um rund vier Prozent geringer ausfallen dürfte als ohne Brexit.

    Die letzten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) hatten bereits die Annahme mancher Brexit-Befürworter widerlegt, dass der Brexit die Wirtschaft nicht beeinträchtigt oder gar beflügelt: Im zweiten Quartal 2019 schrumpfte das BIP im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent, zum Vorjahr verlangsamte sich das Wachstum deutlich von 1,8 Prozent auf 1,2 Prozent – und erreichte damit das niedrigste Plus seit dem zweiten Quartal 2012.

    Angesichts dessen ist es wenig überraschend, dass die PMI-Zahlen bei Weitem nicht das einzige Anzeichen dafür sind, dass den Briten keine rosigen Zeiten bevorstehen. Zeitgleich mit den PMI-Zahlen veröffentlichte die Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG am Montag ein Papier, wonach der britische Immobilienmarkt im Fall eines No-Deal-Brexits einbrechen könnte. Im nächsten Jahr könnten laut KPMG die Immobilienpreise zwischen 5,4 und 7,5 Prozent zurückgehen, wenn sich London und Brüssel nicht einigen können.

    Im Schnitt könnten die Hauspreise um etwa sechs Prozent fallen – aber auch ein Rutsch zwischen zehn bis 20 Prozent „sei nicht auszuschließen“. Besonders stark dürften die Abschläge in London und Nordirland ausfallen. Viele Immobilienkäufer hielten sich zurück, bis sich eine Lösung in der „Brexit-Saga“ abzeichnet, erklärten die KPMG-Experten.

    Der Brexit habe der Wirtschaft einen Schock versetzt, der im Vergleich zu anderen derartigen Vorkommnissen – der Ölkrise 1973 etwa oder dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 – ungewöhnlich sei, schrieb die Bank of England in einem aktuellen Papier zu den Folgen auf die Unternehmen. Es sei zu einer lang anhaltenden Unsicherheit“ gekommen, die auch noch drei Jahre nach dem Referendum nicht verschwunden sei.

    Den Hochrechnungen zufolge sind die Investitionen seitdem um etwa elf Prozent gesunken und die Produktivität seit 2016 um zwei bis fünf Prozent gefallen – zum Teil deswegen, weil viele Firmen sich intensiv um die Planung für den Brexit kümmern müssen. Ein No-Deal wäre „definitiv eine Herausforderung für die Wirtschaft“, räumte Arbeitsministerin Amber Rudd kürzlich ein – und betonte, dass deswegen die Regierung auch alles daransetze, einen Deal zu erzielen.

    Doch angesichts des Vorgehens von Premier Boris Johnson herrschen daran immer größere Zweifel. „Großbritanniens Ruf in der Welt als offenes, stabiles Land, in dem Rechtssicherheit herrscht und in das man investieren kann, hat seit dem Referendum 2016 gelitten“, kritisiert Nigel Green vom Finanzberater deVere Group. Der Premierminister gehe mit seiner kompromisslosen Brexit-Strategie ein hohes Risiko ein. „Ich bin mir nicht sicher, ob ein Politiker Poker spielen sollte, wenn die Entwicklung der Wirtschaft dabei auf dem Spiel steht.“

    Mehr: Schaffen es die Brexit-Gegner im Parlament, diese Woche ein Gesetz gegen den ungeordneten Brexit zu verabschieden? Premier Johnson droht den Tory-Rebellen.

    Startseite
    Mehr zu: Konjunktur - Industrie, Währung, Hauspreise: So wirkt sich der Brexit auf die britische Wirtschaft aus
    0 Kommentare zu "Konjunktur: Industrie, Währung, Hauspreise: So wirkt sich der Brexit auf die britische Wirtschaft aus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%