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Konjunktur Jobverluste in Spanien steigen auf Rekordhoch

Im zweiten Quartal haben mehr als eine Million Spanier ihre Stelle verloren. Die Krise im Tourismus dürfte den Arbeitsmarkt weiter stark belasten.
28.07.2020 - 12:05 Uhr Kommentieren
Auch der japanische Autohersteller streicht in Spanien zahlreiche Jobs. Quelle: AP
Proteste von Nissan-Mitarbeitern vor dem Werk in Barcelona

Auch der japanische Autohersteller streicht in Spanien zahlreiche Jobs.

(Foto: AP)

Madrid Es ist der schlimmste Einbruch, den es je auf dem spanischen Arbeitsmarkt gab: 1,07 Millionen Menschen haben in der Zeit zwischen April und Juni ihren Job verloren. Dabei sind in der Zahl noch nicht diejenigen enthalten, die ihre Arbeitgeber in Kurzarbeit geschickt haben – auf dem Höhepunkt der Krise waren es 3,5 Millionen. Durch die schrittweise Öffnung der Wirtschaft ab Anfang Mai hat sich ihre Zahl bis Ende Juni auf rund 1,75 Millionen Menschen reduziert.

Die spanische Regierung hat in dieser Krise angesichts des erzwungenen Lockdowns der Wirtschaft zum ersten Mal massiv von der Kurzarbeit Gebrauch gemacht, um Jobs zu retten. Vorbild dafür war das deutsche Modell. Die viertgrößte Volkswirtschaft der EU gehört zu den Ländern, die weltweit am stärksten von der Coronakrise betroffen sind.

Am 14. März hatte die spanische Regierung den Alarmzustand ausgerufen und eine strenge Ausgangssperre verhängt. Um den Kollaps der Krankenhäuser zu verhindern legte sie die Wirtschaft zudem zwei Wochen lang komplett lahm und erlaubte nur noch lebensnotwendige Dienstleistungen und Produktionen.

Das nationale spanische Statistikinstitut (INE) gab am Dienstag bekannt, dass im zweiten Quartal insgesamt nur 35 Prozent der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter tatsächlich auch gearbeitet haben.

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    In der offiziellen Arbeitslosenquote spiegeln sich diese drastischen Zahlen jedoch nicht wider. Sie ist nur um knapp einen Prozentpunkt von 14,4 auf 15,3 Prozent gestiegen. Die Statistiker des INE erklären das damit, dass wegen der Ausgangssperre und der geschlossenen Arbeitsämter viele Spanier keine neue Stelle suchen und sich auch nicht arbeitslos melden konnten. Als offiziell arbeitslos zählen sie daher nur 55.000 Menschen. Dagegen sprechen sie von 1,06 Millionen, die im zweiten Quartal „inaktiv“ geworden sind. Die ausgewiesene Arbeitslosenquote liegt damit unter der Erwartung der meisten Experten. Die spanische Zentralbank etwa hatte für das zweite Quartal mit rund 20 Prozent gerechnet.

    „Die Arbeitslosenquote ist in dem Fall nicht aussagekräftig“, sagt Juan Carlos Martínez Lázaro von der Business School IE in Madrid. „Entscheidend sind die gut eine Million Menschen, die ihre Stelle verloren haben, und das ist ein brutaler Einbruch.“

    Volatiler Arbeitsmarkt in Spanien

    Der spanische Arbeitsmarkt gilt als volatil, weil ein Viertel aller Jobs nur zeitlich befristet ist. Häufig laufen die Verträge nur einige Wochen, danach stehen die Angestellten auf der Straße. So wertet die spanische Regierung die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt – gemessen an den außergewöhnlichen Umständen – sogar als positiv.

    Laut dem spanischen Minister für Inklusion, soziale Sicherheit und Migration, José Luis Escrivá, haben auf dem Höhepunkt der Krise 5,95 Millionen Menschen in Spanien ihren Arbeitsplatz verloren – die meisten davon arbeiteten in Teilzeit. Bis Mitte Juli hätten bereits vier Millionen Menschen die Arbeit wieder aufgenommen. „Das war eine positive Überraschung für uns“, sagte Escrivá dem Handelsblatt. „Die Menschen kehrten früher als erwartet an ihren Arbeitsplatz zurück, sodass wir weniger für Transferzahlungen ausgeben, als wir ursprünglich geplant hatten“.

    In den vergangenen Tagen verzeichnete Spanien jedoch zahlreiche Corona-Neuinfektionen. Das gefährdet die Reisebranche, die für die Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Mehrere EU-Länder warnen derzeit vor Reisen nach Spanien oder verhängen eine Quarantäne für Spanien-Rückkehrer. Auch Deutschland hat sich den Warnungen am Dienstag angeschlossen und rät von Reisen in die besonders schwer betroffenen spanischen Regionen Katalonien, Navarra und Aragonien ab. „Die Entwicklung im Tourismus ist ein schwerer Schlag für die spanische Wirtschaft“, sagt Experte Lázaro.

    Die Branche steht für zwölf Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung. „Ich fürchte, dass der Arbeitsmarkt im kommenden Quartal noch mehr leiden wird. Der Tourismus schafft normalerweise viele Jobs, aber jetzt öffnen zahlreiche Hotels gar nicht erst“, sagt Lázaro. Zudem würden im dritten Quartal auch diejenigen, die dann noch in Kurzarbeit sind, in der Arbeitslosen-Statistik auftauchen. Sie werden in Spanien erst als arbeitslos gezählt, wenn sie länger als drei Monate in Kurzarbeit sind.

    Die Arbeitslosen-Daten markieren den Auftakt für eine Woche mit entscheidenden Konjunkturzahlen. Die wichtigste kommt am Freitag: Dann veröffentlicht das spanische nationale Statistikinstitut das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal. Es ist der entscheidende Gradmesser dafür, wie schwer die Rezession in Spanien dieses Jahr werden dürfte. Im Durchschnitt erwarten Analysten, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 18 Prozent einbrechen wird.

    Mehr: Spaniens Tourismus droht der Kollaps

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