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Szene aus dem Video

„Das ist allerdings illegal, die Börsen sind geschlossen.“

(Foto: Screenshot Youtube)

Konjunktur „Wir müssen sie wirtschaftlich vernichten“ – Türkischer Wirtschaftsverband zeigt Verschwörungsvideo

In der Türkei sind die „Feinde aus dem Ausland“ ein beliebtes Klischee. Die Exportvereinigung des Landes befeuert die Annahme weiter. Und erntet viel Spott.
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IstanbulEs ist der 13. August 2018, 18.30 Uhr türkischer Zeit: In einem der vielen Bürotürme der britischen Hauptstadt London schnappt sich ein Mann mit amerikanischem Akzent sein Mobiltelefon und sagt: „Die Türkei hat zu viel Macht auf der internationalen Ebene. Wir müssen sie wirtschaftlich vernichten!“

Am anderen Ende der Leitung: ein britischer Investmentbanker. „Ja, Sir, wir sind bereit“, antwortet er und weist darauf hin: „Das ist allerdings illegal, die Börsen sind geschlossen.“ Der Anrufer lässt nicht mit sich reden. Anschließend sieht man eine Tafel mit den Wechselkursen der türkischen Lira zum Euro, zum US-Dollar und dem britischen Pfund. Die Umrechnungswerte steigen rapide an – so wie an jenem 13. August auch real geschehen.

Die Szene stammt nicht aus einer Reportage türkischer oder internationaler Journalisten, sondern aus einem Imagevideo der türkischen Exportvereinigung (Tim). Sie zeigte das Video am Sonntagabend auf einer Preisverleihung für die besten Exportfirmen des Landes.

Glaubt man türkischen Spitzenpolitikern, so ist die wirtschaftliche Schieflage des Landes alleine das Werk ausländischer Verschwörer. Etwa, als im vergangenen August die türkische Lira binnen Tagen massiv an Wert verloren hatte. Dass es auch eigene politische Fehler sein könnten, die zur derzeitigen Schwäche der türkischen Wirtschaft geführt haben, blendet die Regierung dabei gerne aus. Ein Großteil der Bevölkerung glaubt die politische Fassadenmalerei indes nur zu gerne.

Tatsächlich befindet sich seit August des vergangenen Jahres die Wirtschaft des Landes in einer schweren Krise. Der Wechselkurs der Lira hat seither rund ein Drittel an Wert verloren. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft seit Oktober, dahingegen steigen Arbeitslosigkeit und Inflation. Die Zentralbank hatte die Leitzinsen im September auf 24 Prozent angehoben und damit auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt. Kürzlich deutete die Notenbank indes einen Kurswechsel an, um die Wirtschaft zu stützen.

Zurück zum Imagevideo der Exportvereinigung: Dort werden im weiteren Verlauf des Films türkische Exportbranchen vorgestellt, etwa die erfolgreiche Autoproduktion in der Türkei. Das Land exportiert nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Tim in 223 Länder. In 39 dieser Länder werden Waren und Dienstleistungen von jeweils mehr als einer Milliarde Dollar ausgeführt.

„Manipulationen, um die Türkei in eine Ecke zu drängen“

In den sozialen Netzwerken erntet das Video viel Spott und Häme. Ein Twitter-Nutzer teilte das Video mit dem Hinweis, es sei das lustigste Video, das in der Türkei je publiziert worden sei. Ein Nutzer schreibt: „Immerhin glauben die Türken noch, Großbritannien sei stark genug, eine ausländische Währung in den Keller zu schicken.“

Verschwörungstheorien haben in der Türkei seit einiger Zeit Hochkonjunktur. Als die Lira zum ersten Mal Anfang 2018 absackte, sprach Erdogan von einer Verschwörung der Märkte und „Manipulationen, um die Türkei in eine Ecke zu drängen“. Im Jahr 2017 behauptete die islamistische Zeitung Yeni Akit allen Ernstes, aus den Löchern von auf alt gemachten Jeans geheime Botschaften fremder Mächte gedeutet zu haben.

Mehr: Der türkische Präsident Erdogan benutzt die türkische Wirtschaft als Spielball – das kommentiert unser Türkei-Korrespondent Ozan Demircan.

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