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Konjunktur Wunder der Statistik – Russlands BIP steigt nachträglich um zwei Prozent

Russlands Statistikbehörde hat das Wirtschaftswachstum für 2018 nachträglich auf zwei Prozent hochgerechnet. Experten bezweifeln jedoch die Echtheit der Zahlen.
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Der russische Präsident hatte bei seiner Jahrespressekonferenz noch von einem Wachstum von 1,7 Prozent gesprochen. Quelle: AFP
Wladimir Putin

Der russische Präsident hatte bei seiner Jahrespressekonferenz noch von einem Wachstum von 1,7 Prozent gesprochen.

(Foto: AFP)

MoskauNun also doch: Russlands BIP ist im vergangenen Jahr überraschend um zwei Prozent gewachsen. Das verkündete das russische Wirtschaftsministerium, das sich auf Zahlen der Statistikbehörde Rosstat stützt, am Montag.

Zuvor war ein Wachstum von 1,8 Prozent erwartet worden, der Trend hatte jedoch auf ein schwächeres Ergebnis hingedeutet. Präsident Wladimir Putin hatte bei seiner Jahrespressekonferenz von 1,7 Prozent gesprochen, der Chef des Rechnungshofs Alexej Kudrin kam in seinen Berechnungen sogar nur auf 1,5 Prozent. Diese Zahlen hatten sich logisch in das Bild einer zum Jahresende abschwächenden Konjunktur gefügt.

Ein Wachstum um zwei Prozent würde hingegen eher auf einen Boom hindeuten – speziell im Bausektor, welcher der Hauptgrund für den plötzlichen statistischen Wachstumssprung sein soll. So soll die Baubranche im Jahresvergleich um 5,3 Prozent gewachsen sein. Das wäre Rekord für das vergangene Jahrzehnt.

Ein stolzes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die Stadionbauten, der Aufbau der Infrastruktur und der Hotels für das Highlight des Jahres, die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, eigentlich fast alle schon vor dem vergangenen Jahr fertig waren.

Noch kurioser wird es allerdings bei einem Vergleich des Jahresergebnisses mit den Elfmonatszahlen. In ihrer Schätzung von Januar bis November nämlich hatte Rosstat den Bausektor nur mit einer geringfügigen Steigerung von 0,5 Prozent veranschlagt.

Die Behörde selbst begründet den nachträglichen Anstieg mit den zuvor vorgenommenen Investitionen. Die Wachstumszahlen im Bau seien einfach nur mit den Kapitalanlagen aus dem dritten Quartal in Übereinstimmung gebracht worden, so das Argument.

Experten bezweifeln Echtheit

Experten bezweifeln allerdings die Echtheit der Zahlen: „Mit dem Bau ist das eine durchtriebene Sache. In einigen Monaten wurden die Nennbeträge gleich um einige Dutzend Milliarden Rubel angehoben. Solche Additionen lassen sich durch keine Logik erklären. Das sieht irgendwelchen statistischen Tricks ähnlich“, erklärte Igor Poljakow vom Moskauer „Zentrum für makroökonomische Analyse und Kurzfristprognosen“. Das Institut habe versucht, mit mehreren Methoden das Resultat von Rosstat zu verifizieren, konnte aber mit keinem Modell die veröffentlichten Zahlen erreichen.

Es ist keineswegs das erste Mal, dass Rosstat nachträglich die Zahlen schön rechnet. Die Behörde bastle sich jedes Mal eine neue Methode, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, kritisierte der ehemalige Vizeenergieminister Wladimir Milow. Schon 2016 wurde so aus einem anfänglichen Minus von 0,2 Prozent ein Jahr später doch noch ein Plus von 0,3 Prozent. 2017 war der später berechnete Anstieg mit einem Plus von 0,1 Prozent von 1,5 auf 1,6 Prozent nur geringfügig. Dafür wurde nun 2018 noch einmal kräftig angeschoben.

Eins konnte Rosstat mit diesem statistischen Wunder allerdings nicht beheben: Die fallenden Einkünfte der Russen. Diese sind nämlich – sogar nach offiziellen Angaben – nun auch im fünften Jahr in Folge rückläufig.

Laut Prognose sollten sie um 3,6 Prozent steigen, stattdessen sanken sie aber um 0,2 Prozent. Damit setzt sich die Verarmung der Bevölkerung weiter fort. Zuletzt hatte es diese Entwicklung in den 90er Jahren gegeben. Die Hyperinflation hatte damals eine massive Absenkung des Lebensstandards zur Folge. Der Verfall der Löhne in den 90er Jahren vollzog sich wesentlich drastischer, allerdings war selbst damals der Trend nicht so lang anhaltend negativ.

Wie diese Disbalance zwischen wachsender Wirtschaft und sinkenden Einkommen zu erklären ist, wollte Rosstat nicht kommentieren. Ein pikantes Detail gibt es allerdings: Im Dezember ist der langjährige Chef der Statistikbehörde Alexander Surinow zurückgetreten. Das Wunder begann unmittelbar danach.

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