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Konjunkturprognose Italiens Wirtschaft ringt um Krisenplan: „Ohne Umsatz kann keiner überleben“

Italiens Wirtschaft stellt sich auf einen Einbruch des BIP von sechs Prozent ein – bestenfalls. Der Industrieverband fordert die Regierung zu „unkonventionellen Maßnahmen“ auf.
31.03.2020 - 16:29 Uhr Kommentieren
Italien war als erstes europäisches Land von der Coronakrise betroffen – und ist es noch immer. Quelle: dpa
Italien

Italien war als erstes europäisches Land von der Coronakrise betroffen – und ist es noch immer.

(Foto: dpa)

Rom Italien leidet besonders schwer unter dem Coronavirus und den Maßnahmen zu dessen Eindämmung: Seit einer Woche wird in Italien wegen des Coronavirus nichts mehr produziert, mit Ausnahme von „lebensnotwendigen und essentiellen Gütern“. Die Frage drängt sich auf: Wie lange hält das die Wirtschaft durch, und wie geht es danach weiter?

„Ohne Umsatz kann keiner überleben, weder die großen noch die mittleren und kleinen Unternehmen“, sagte Vincenzo Boccia, Präsident des italienischen Industrieverbands Confindustria an diesem Dienstag bei der Vorstellung der Wirtschaftsprognose für 2020 und 2021

„Wir rechnen mit einer langsamen Rückkehr zur Normalität Ende Mai, Anfang Juni“, erklärte Stefano Manzocchi, Chefvolkswirt von Confindustria. Die Wirtschaft sei im Herz getroffen durch einen doppelten Schock von Angebot und Nachfrage als Folge des Industriestopps.

Die Zahlen, die das Research-Institut von Confindustria für Italien vorlegte, sind düster. Den Berechnungen zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2020 um sechs Prozent einbrechen.

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    „Wir müssen alle Zahlen nach unten korrigieren, wenn sich die Situation bei der Bewältigung der Coronakrise nicht positiv verändert“, räumte Manzocchi ein. Jede Woche, die der Produktionsstopp weiter anhalte, koste das Land einen weiteren Einbruch des BIP um mindestens 0,75 Prozent.

    Bis Juni soll die Fertigungsbranche wieder laufen

    Am schlimmsten wirkt sich der Corona-Schock im zweiten Quartal aus, für das der Wert den Prognosen zufolge zehn Prozent unter dem von Ende 2019 liegen wird.

    Im Detail berechnet das Studieninstitut des italienischen BDI für das erste Quartal dieses Jahres ein Minus von 3,5 Prozent des BIP (minus 15 Milliarden Euro) und erwartet für das zweite Quartal ein Minus von 6,5 Prozent (minus 27 Milliarden).

    Für das dritte Quartal wird ein Plus von vier Prozent (plus 16 Milliarden) und für das vierte ein Plus von 2,5 Prozent (plus zehn Milliarden) prognostiziert.

    Auch die Industrieproduktion in Italien, die allerdings schon vor der Coronakrise zurückgegangen war, sinkt weiter, wenn auch nicht so extrem. Der Prognose zufolge ging sie im ersten Quartal um 5,4 Prozent zurück und wird im zweiten Quartal um 15,2 Prozent einbrechen. Ab dem dritten Quartal wird mit einem Plus von 7,5 und im vierten mit einem Plus von 4,0 Prozent gerechnet.

    Für die Fertigungsbranche, in der Italien neben Deutschland eine Spitzenposition in Europa belegt, prognostiziert die Studie eine graduellen Rückkehr zur Normalität: Ausgehend von einem Ende der akuten Phase des Corona-Notstands in der Mitte des zweiten Quartals gehen die Confindustria-Berechnungen davon aus, dass Anfang April 40 Prozent der Unternehmen wieder öffnen werden, Ende April 60 Prozent, Anfang Mai 70 Prozent, Ende Mai und Anfang Juni 90 Prozent und Ende Juni 100 Prozent.

    Alle Bereiche der Wirtschaft betroffen

    Von der Coronakrise, die in Italien als erstem Land in Europa ausbrach und zu den meisten Infizierten und Toten führte, sind vom Privatkonsum über den Export bis hin zur Arbeitslosenquote alle Bereiche der Wirtschaft betroffen. 

    Das Konsumenten- und Unternehmervertrauen sei im März so niedrig gewesen wie seit 2015 nicht mehr, meldete das Statistikamt Istat vor Kurzem.

    Confindustria berechnet für das ganze laufende Jahr ein Minus von 6,8 Prozent beim Privatkonsum und einen Rückgang um 10,6 Prozent bei Unternehmensinvestitionen. Bei der Arbeitslosenquote wird für das Jahr 2019 mit einer Steigerung von 9,9 Prozent auf 11,2 Prozent gerechnet.

    „2019 exportierte Italien Waren im Wert von 550 Milliarden Euro“, sagte Manzocchi. Dazu gehören Mode- und Luxuswaren „Made in Italy“ ebenso wie Metallwaren und Produkte der Autozulieferer. Nach Confindustria-Berechnungen wird der Export 2020 um 5,1 Prozent ins Minus rutschen.

    Die Politik müsse in dieser ersten Phase der Krise verhindern, dass die aktuelle Rezession die Industrie zerstört, heißt es in der Studie. Confindustria-Präsident Boccia forderte „unkonventionelle  Maßnahmen“, damit sich die Angst der Menschen nicht in Panik verwandele.

    Als erstes sei die Schaffung eines staatlichen Garantiefonds für die Banken nötig, danach ein Investitionsplan für den Wiederbeginn in der zweiten Jahreshälfte und für 2021.

    Die Folgen der Coronakrise für die drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum sind groß, denn durch den Einbruch beim Wachstum und durch die Rettungspakete in Milliardenhöhe, an denen die Regierung noch arbeitet, steigt das italienische Haushaltsdefizit.

    Confindustria beziffert dessen Anstieg in diesem Jahr mit fünf Prozent. Damit steigt die Verschuldung auf 147 Prozent der Wirtschaftsleistung. Im nächsten Jahr wird das Defizit den Berechnungen zufolge über drei Prozent liegen und ohne die auch für den nächsten Haushalt anstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer bei 3,2 Prozent liegen, während sich die Staatsverschuldung auf 144,3 Prozent beläuft.

    Erst müsse das Überleben der Wirtschaft angegangen werden, erklärte Confindustria-Chef Boccia. Denn nur, wenn man Menschen und Unternehmen in Sicherheit bringe, werde sich die Rezession nicht in eine langanhaltende Depression verwandeln. Und das gelte für ganz Europa. Immerhin, für 2021 prognostiziert der Verband bereits ein Wachstumsplus von 3,5 Prozent.

    Mehr: Furcht vor EU-Auflagen: Italien lehnt den Euro-Rettungsschirm ab. Lesen Sie hier mehr.

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