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Konjunkturschwäche Indien will mit milliardenschwerer Steuersenkung die Wirtschaft anschieben

Indiens Finanzministerin Sitharaman überrascht mit ihrer Ankündigung, die Unternehmenssteuer deutlich senken zu wollen. Diese Maßnahme wird der gesamte Kontinent spüren.
1 Kommentar
Indien will mit Steuersenkung die Wirtschaft anschieben Quelle: AFP
Nirmala Sitharaman

Die nun beschlossene Steuersenkung ist der größte Wurf von Indiens Finanzministerin. Sie hatte zuletzt fast wöchentlich Maßnahmen angekündigt, um die Konjunktur zu beleben.

(Foto: AFP)

Bangkok Das Lichterfest Diwali versüßt den Indern jedes Jahr den Herbst mit Naschereien und Präsenten. Finanzministerin Nirmala Sitharaman hat ihr Geschenk bereits ein paar Wochen vor den Festtagen präsentiert: Überraschend kündigte sie an diesem Freitag eine deutliche Senkung der Unternehmenssteuern an.

Die Reduktion entspricht einem Einnahmenverzicht von umgerechnet mehr als 20 Milliarden US-Dollar, wie die Politikerin im westindischen Bundesstaat Goa vor Journalisten mitteilte. Sie wolle damit das Wachstum und die Investitionen in Indien anschieben, sagte Sitharaman. Die Börsen in Mumbai zogen deutlich an.

Die 60 Jahre alte Ökonomin Sitharaman ist seit nicht einmal vier Monaten im Amt und hat sich in der Zeit bereits als tatkräftige Krisenmanagerin in Szene gesetzt: Ihr Land erlebt derzeit einen wirtschaftlichen Einbruch – die Wachstumsrate lag zuletzt mit fünf Prozent so niedrig wie seit dem Amtsantritt von Premierminister Narendra Modi vor sechs Jahren nicht mehr.

Sitharaman präsentierte deshalb in den vergangenen Wochen fast im Wochenrhythmus neue Initiativen, um die schwächelnde Konjunktur wiederzubeleben. Sie senkte die Hürden für ausländische Direktinvestitionen, versorgte die Schattenbanken mit dringend benötigter Liquidität, verkündete eine Großreform der maroden Staatsbanken und brachte ein milliardenschweres Exportförderungsprogramm auf den Weg.

Die nun beschlossene Steuersenkung ist Sitharamans größter Wurf, der auf dem gesamten Subkontinent zu spüren sein wird. Der Basissteuersatz für Unternehmen wird demnach von 30 auf 22 Prozent gesenkt. Inklusive anderer Abgaben werde der Effektivsteuersatz bei rund 25 Prozent liefen, sagte Sitharaman. Bei der Entlastungsaktion will die Ministerin offensichtlich keine Zeit verlieren: Die Maßnahme gilt rückwirkend zum 1. April.

Euphorie an den Aktienmärkten

Die Reaktion an den Aktienmärkten fiel euphorisch aus: Der Leitindex Sensex lag zeitweise 5,9 Prozent im Plus. Einen ähnlich hohen Anstieg sahen die indischen Anleger zuletzt im Mai 2014 – dem Monat, als Narendra Modi mit einem Erdrutschsieg zum neuen Premierminister wurde. Auch Zentralbankchef Shaktikanta Das lobte die Steuerbeschlüsse der Regierung. „Das sind starke und willkommene Maßnahmen“, sagte er. „Sie werden für unsere Wirtschaft extrem positiv sein.“

Sitharaman will auch neue Anreize setzen, in Indien Fertigungsstätten aufzubauen: Für neue Produktionsunternehmen, die nach dem 1. Oktober gegründet werden, soll der Steuersatz von bisher 25 auf künftig 15 Prozent reduziert werden. Das solle der von Premierminister Modi ins Leben gerufenen Initiative „Make in India“ einen Schub geben, sagte die Ministerin.

Indien hatte zuletzt Probleme, neue Fabriken ins Land zu locken und kämpft mit einer vergleichsweise hohen Arbeitslosenrate. Von den Entlastungen sollen auch ausländische Unternehmen profitieren können, sagte Sitharaman. „Sie müssen dafür hier ein Büro haben und ihr Geschäft von Indien aus steuern, dann sind sie dafür qualifiziert.“

Mit der Steuersenkung nimmt der Standortwettbewerb in Asien weiter zu. Die Steuersätze gehörten nun zu den niedrigsten in der Region, sagte Sitharaman. Zuvor hatten bereits Thailand und Indonesien umfangreiche Entlastungen für Unternehmen angekündigt – im Versuch, Fabriken anzuziehen, die angesichts des Handelsstreits zwischen den USA und China aus der Volksrepublik abwandern.

Auch die indische Regierung stieß bei den Amerikanern im Streit um Importzölle auf massive Kritik und verlor ihrerseits in diesem Jahr Handelsbegünstigungen im Geschäft mit den USA. Bereits an diesem Wochenende könnte es aber zu einer Annäherung kommen: Premierminister Modi reist in die USA und wird am Sonntag in Texas zusammen mit US-Präsident Donald Trump vor einem indischstämmigen Publikum auftreten. Geplant sind auch Gespräche von Modi mit Vertretern von US-Konzernen wie BP, ExxonMobil, Microsoft, Google und Walmart.

„Reform mit großem Knall“

Die Steuersenkung bezeichnete Modi auf Twitter als „historisch“. Sie werde aus aller Welt Investitionen anziehen, schrieb er. In seiner Heimat scheint Modis Regierung wichtige Unternehmer von dem neuen wirtschaftspolitischen Kurs bereits überzeugt zu haben.

„Niedrigere Steuern für neue Unternehmen ist ein sehr innovativer und wichtiger Schritt“, sagte R. C. Bhargava, der Vorsitzende von Indiens größtem Autohersteller Maruti Suzuki. „Das macht Investitionen sehr attraktiv.“

Uday Kotak, Chef der Kotak Mahindra Bank, bezeichnete die Steuersenkungen als Reform mit großem Knall. „Sie zeigt, dass sich unsere Regierung dem Wirtschaftswachstum verpflichtet fühlt“, schrieb er auf Twitter.

Fraglich ist jedoch, ob die Maßnahme dafür sorgen wird, dass Sitharaman die geplante Reduktion der Neuverschuldung verfehlen wird. Bisher hatte die Regierung mit Steuereinnahmen von rund 230 Milliarden Dollar gerechnet. „Investoren werden genau hinsehen, wie die Regierung mit dem möglichen Schaden für das Budgetdefizit umgehen wird“, kommentierte Priyanka Kishore, Indien-Analystin bei Oxford Economics.

Auf Fragen dazu reagierte Finanzministerin Sitharaman am Freitag beschwichtigend: „Wir sind uns möglicher Auswirkungen auf das Defizit bewusst“, sagte sie. Der wirtschaftliche Aufschwung durch die Steuersenkungen werde aber zu steigenden Einnahmen an anderer Stelle führen.

Mehr: Die indische Autoindustrie steckt in einer Krise. Hersteller und Zulieferer reagieren mit temporären Produktionsstopps. Jetzt reagiert die Regierung.

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1 Kommentar zu "Konjunkturschwäche: Indien will mit milliardenschwerer Steuersenkung die Wirtschaft anschieben"

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  • Moin,
    kann irgend jemand eine theoretische Quelle für den behaupteten Zusammenhang zwischen Steuersenkung und Wirtschaftswachstum nennen ?
    Danke

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