Konservatives Netzwerk Multimilliardär Koch macht Stimmung gegen Trump – der Präsident schlägt zurück

Charles Koch hat viele Millionen in die Republikanische Partei investiert. Doch mit Trumps Agenda hadert er – und provoziert eine scharfe Reaktion des Präsidenten.
Update: 31.07.2018 - 13:04 Uhr Kommentieren
Der Industrielle im Jahr 2012. Die Kochs machen sich rar in der Öffentlichkeit – nehmen aber großen Einfluss auf gesellschaftliche Themen. Quelle: AP
Charles Koch

Der Industrielle im Jahr 2012. Die Kochs machen sich rar in der Öffentlichkeit – nehmen aber großen Einfluss auf gesellschaftliche Themen.

(Foto: AP)

DüsseldorfDas ist für das Treffen der Superreichen in Colorado Springs ungewöhnlich: Gastgeber und Multimilliardär Charles Koch hat Donald Trumps Politik am Wochenende harsch kritisiert: „Wir sehen einen Aufstieg des Protektionismus“, den er ablehne, sagte Koch.

„Dies ist eine natürliche, aber zerstörerische Tendenz. Denn wenn die Menschen diesem protektionistischen Weg folgen, bauen sie Barrieren, die die Welt für alle schlechter machen.“ Unverhohlene Kritik am US-Präsidenten, ohne Trump beim Namen zu nennen.

Das lässt Trump natürlich nicht auf sich sitzen und reagiert in fast traditioneller Weise – mit einem Wutausbruch auf Twitter. Die Koch-Brüder seien gegen harte Grenzen und starken Handel. In Kreisen von wahren Republikanern würden sie nur noch als Witz gesehen, so Trump. „Ich habe mich nie um ihre Unterstützung bemüht, weil ich weder ihr Geld noch ihre schlechten Ideen brauche.“

Seine Politik habe sie reicher gemacht, doch das Netzwerk der Koch-Brüder sei überbewertet, schrieb der US-Präsident weiter. Sie würden einfach nur ihre Konzerne außerhalb der USA vor der Besteuerung schützen wollen. Doch Trump habe sie in jedem Punkt geschlagen – „zwei nette Typen mit schlechten Ideen“.

Die Brüder Charles und David Koch haben mit Öl und Gas im Chemie- und Energiesektor Milliarden von Dollar verdient – und der Republikanischen Partei im Gegenzug für politischen Einfluss viel Geld gespendet. Zweimal im Jahr tauschen sich in Colorado Springs konservative Spender und Aktivisten aus. Eintrittspreis: 100.000 US-Dollar, so berichtet es das US-Magazin „Time“, für drei Tage Politik-Talks, Socializing, sehen und gesehen werden. Ohne Einladung geht nichts.

Doch dieses Mal war es etwas anders in Colorado. Nicht nur, dass David Koch nicht mehr in Erscheinung trat. Der 78-Jährige hatte Anfang Juni aus gesundheitlichen Gründen alle Ämter im Unternehmens- und Stiftungsimperium abgegeben.

Neu war die offene Kritik an Trump. Das Festhalten an einer protektionistischen Handelspolitik könne die USA in eine Rezession stürzen, sagte Charles Koch. Er machte deutlich, auf lange Sicht wolle er genau überlegen, wem er sein Geld zur Verfügung stelle. „Mir ist es egal, was für Initialen vor oder nach einem Namen stehen“, sagte der 82-Jährige.

Er würde durchaus mit den Demokraten zusammenarbeiten, sollten diese sich in den Zwischenwahlen durchsetzen. Die Republikanische Partei habe 2016 ihre Prinzipien verraten, als sie sich spät auf Trumps Seite stellte und ihn zum offiziellen Kandidaten der Partei machte. „Wir werden sie dafür zur Verantwortung ziehen“, sagte Koch.

Das Weiße Haus blieb bei seiner bekannten Version: Der Präsident befürworte den freien Handel und „glaubt, dass es der beste Weg für alle Länder ist, sich unfairer Praktiken zu entledigen“, sagte eine Sprecherin Trumps vor seinem Wutausbruch auf Twitter. Solange manche Staaten allerdings „nicht nach den Regeln spielen, wird der Präsident harte Maßnahmen ergreifen“.

Die Koch-Seminare in Colorado fanden erstmals im Jahr 2003 statt. Damals wie heute saß ein konservativer Präsident im Weißen Haus, mit dessen Politik die Kochs unzufrieden waren. 2003 war es George W. Bush.

Mithilfe ihres Vermögens errichteten die Koch-Brüder ein eng verflochtenes politisches Netz aus einflussreichen Stiftungen, wie „Americans for Prosperity“, Forschungsinstituten und Thinktanks. Ihre Spenden an Universitäten sind umstritten. Kritiker sehen dadurch eine Gefahr für die Unabhängigkeit der US-Colleges.

Trotz aller Kritik wollen die Spender des Treffens in Colorado für die Zwischenwahlen laut „Time“ unverändert 400 Millionen Dollar geben. Im November werden ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu bestimmt. Nach der Wahl, sagte Charles Koch, erwarte er jedoch eine Teilung der Macht in der US-Hauptstadt: einen republikanischen Präsidenten mit einer demokratischen Mehrheit im Kongress.

Das US-Magazin „Forbes“ schätzt Charles Kochs Vermögen auf 60 Milliarden US-Dollar. Damit gehört er wie sein Bruder David zu den zehn reichsten Menschen der Welt. Nur die Waltons, Gründer der Walmart-Supermärkte, sind noch vermögender als die Kochs.

Sein republikanisches Profil wird Koch aber kaum von heute auf morgen ablegen. Noch bevor die Superreichen 2019 zum nächsten Mal in den Rocky Mountains zusammenkommen, könnte der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen 2020 Fahrt aufnehmen. Falls sich das konservative Netzwerk zwischen einer zweiten Amtszeit Trumps und einem womöglich ausgeprägt linken demokratischen Kontrahenten entscheiden müsste, wäre ein Parteiwechsel eine große Überraschung.

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