Korea-Experte zum Gipfel von Trump und Kim Nach dem Nordkorea-Treffen geht die eigentliche Arbeit erst los

Der Gipfel in Singapur könnte einen Friedensprozess mit Nordkorea einleiten. Korea-Experte Scott A. Snyder beunruhigt aber, wie schlank die Abschlusserklärung geraten ist.
Kommentieren
Nur wenig Konkretes vereinbart. Quelle: AP
Kim Jong Un und Donald Trump

Nur wenig Konkretes vereinbart.

(Foto: AP)

WashingtonEine kurze Nacht hat Scott A. Snyder hinter sich, der Korea-Experte hat wie alle Interessierten kaum geschlafen und dank der Zeitverschiebung bis in die frühen Morgenstunden das Spitzentreffen in Singapur verfolgt. Auf dem Weg ins Büro gibt er eine erste Einschätzung zum historischen Gipfeltreffen.

Laut Donald Trump hat der Gipfel „alle Erwartungen übertroffen“. Stimmen Sie dem zu?
Der Präsident ist stolz darauf, Kim Jong Un persönlich getroffen zu haben, und natürlich war der Gipfel in Singapur historisch. Allerdings gleicht die gemeinsame Abschlusserklärung eher einer Auflistung von Absichten. Die eigentliche Arbeit geht jetzt erst los. 

Die Abschlusserklärung enthält nur wenige Details über eine mögliche Denuklearisierung, ein Zeitplan etwa fehlt. Hat uns der Gipfel in der Sache weitergebracht?
Es beunruhigt mich, wie schlank das Dokument geraten ist. Je weniger drin steht, desto weniger kann man beide Seiten auf konkrete Fortschritte festnageln. An einer Stelle heißt es sogar, dass Kim Jong Un sein Bekenntnis zur Denuklearisierung lediglich „bekräftigt“. Was nichts anderes heißt, als dass er nicht zu neuen Zugeständnissen bereit war. Trotzdem macht die Abschlusserklärung auch Hoffnung.

„Die ökonomische Stärke der USA ist ihr größter Hebel in den Verhandlungen mit Kim Jong Un.“ Quelle: Council on Foreign Relations
Scott Snyder

„Die ökonomische Stärke der USA ist ihr größter Hebel in den Verhandlungen mit Kim Jong Un.“

(Foto: Council on Foreign Relations)

Inwiefern?
Man muss beiden Seiten zugestehen, dass sie sich schon im Vorfeld intensiv beraten haben. Das spiegelt realen Willen für eine Einigung wider. Der Gipfel kann durchaus ein Anfang sein, um langfristig Frieden und Abrüstung durchzusetzen. Der Gipfel hat eine neue Ära gemeinsamer Interessen zwischen den USA und Nordkorea eingeläutet. Vor diesem Treffen gab es nur Konflikt und Konfrontation. Es wäre auch nicht fair, das Dokument eins zu eins mit früheren Abmachungen zu vergleichen. Schließlich hatten die Verhandler dieses Mal nur wenige Wochen Zeit, es vorzubereiten.

Zwei wichtige angebliche Beschlüsse sind nicht schriftlich festgehalten. Die USA wollen die gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea aussetzen, und Kim soll zugestimmt haben, ein weiteres Testgelände zu sprengen. Wie glaubwürdig sind die Versprechen?
Für den Moment würde ich zu Vorsicht raten. Dass Trump vor laufenden Kameras solche Überraschungen aus dem Ärmel zieht, zeigt nur, wie intransparent der gesamte Verhandlungsprozess ist. Das war typisch Trump.

Die Wirtschaftssanktionen sollen zunächst aufrechterhalten werden, könnten aber langfristig fallen. Können Sie sich wirklich eine Welt vorstellen, in der Konzerne in Nordkorea investieren, Promis dort Ferienhäuser kaufen und Nordkoreaner einen Burger bei McDonald’s essen?
Die ökonomische Stärke der USA ist ihr größter Hebel in den Verhandlungen mit Kim Jong Un. Der nordkoreanische Diktator möchte ausländische Investoren anziehen, sonst hätte er sich nie auf Gespräche eingelassen. Allerdings wird sich kein Unternehmen auch nur in Nordkorea umsehen, solange die Abrüstungsfrage nicht geklärt ist. Da sind wir noch lange nicht. Kim wird so lange wie möglich am nuklearen Potenzial seines Landes festhalten wollen.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die vielen freundlichen Gesten sahen – das Händeschütteln, die Scherze oder Trumps Versprechen, Kim ins Weiße Haus einzuladen?
Die Bilder sind beeindruckend, sie werden vielen US-Amerikanern gefallen. Aber Trump hat mit seinem euphorischen Auftreten bittere Wahrheiten beschönigt. Der US-Präsident, der vermeintliche „leader of the free world“, hat sich auf politische Augenhöhe mit einem Diktator begeben, der sein Volk brutal unterdrückt. Intern wird das auch im US-Kongress zu schmerzhaften Debatten führen.

Wie wird sich die internationale Gemeinschaft jetzt verhalten?
Das Gerüst aus Sanktionen und Resolutionen der UN wird vorerst in Kraft bleiben. Man muss aber zwischen US-Sanktionen und UN-Sanktionen unterscheiden. Die US-Sanktionen sind nur schwer aufzuheben, aber bei den UN-Sanktionen gibt es politischen Spielraum. Es wird interessant zu sehen, ob etwa Südkorea und China diesen Spielraum nutzen und Ausnahmen von den Sanktionen beantragen. Der Druck auf Nordkorea könnte das erste Mal seit Jahren signifikant sinken. 

Startseite

Mehr zu: Korea-Experte zum Gipfel von Trump und Kim - Nach dem Nordkorea-Treffen geht die eigentliche Arbeit erst los

0 Kommentare zu "Korea-Experte zum Gipfel von Trump und Kim: Nach dem Nordkorea-Treffen geht die eigentliche Arbeit erst los"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%