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Korea-Konflikt Diktator Kim geht in die Eskalation: Nordkorea sprengt Verbindungsbüro an der Grenze

Die Gespräche über eine Denuklearisierung Nordkoreas sind schon lange gescheitert. Nun ist entscheidend, wie weit Diktator Kim Jong Un geht.
16.06.2020 Update: 16.06.2020 - 14:00 Uhr Kommentieren
Südkoreanische Medien spekulierten, Nordkorea könnte unter anderem wieder Soldaten in das Gebiet um Kaesong schicken. Quelle: AFP
Rauch über Kaesong

Südkoreanische Medien spekulierten, Nordkorea könnte unter anderem wieder Soldaten in das Gebiet um Kaesong schicken.

(Foto: AFP)

Seoul Es war eine symbolische militärische Aktion mit Ankündigung: Am Dienstagnachmittag um kurz vor drei Uhr Ortszeit sprengte Nordkoreas Militär das Verbindungsbüro mit Südkorea. Bereits am Sonnabend hatte die Schwester von Kim Jong Un, Nordkoreas Chefpropagandistin Kim Yo Jong, diesen Schritt in Aussicht gestellt. „Bald wird eine tragische Szene am völlig zusammengebrochenen, nutzlosen gemeinsamen Nord-Süd-Verbindungsbüros zu sehen sein“, erklärte sie.

Über Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA deutete sie zudem auf eine bevorstehende militärische Aktion hin: Sie vertraue im Namen des Führers „die nächste Aktion gegen den Feind“ dem Generalstab der Armee an. Der Feind: Südkorea.

Damit eskalieren, zwei Jahre nach dem ersten Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un, wiederholt die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Und dies ist nach dem Scheitern der Atomgespräche womöglich erst der Anfang einer erneuten Politik der Nadelstiche.

Als nächsten möglichen Schritt kündigte Nordkoreas Militärführung am Dienstag an, wieder Truppen in eine Zone entlang der Grenze zu schicken, die zuvor in einem innerkoreanischen Abkommen demilitarisiert worden waren.

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    Südkoreas Präsident Moon Jae In rief daraufhin am Dienstagnachmittag prompt seinen Krisenstab zusammen. Für ihn steht dabei viel auf dem Spiel. Er hatte sich 2018 mehrfach mit Nordkoreas Führer Kim Jong Un getroffen und feierlich ein Ende der 70-jährigen Feindschaft beschworen.

    Das Verbindungsbüro, in das Südkorea 13 Millionen Euro investiert hatte, war ein wichtiges Symbol der neuen Annäherung. Und so appellierte Südkoreas Präsident an Kim, die Kommunikation nicht einzustellen: „Wir können nicht hinter das Versprechen auf Frieden auf der koreanischen Halbinsel zurückfallen, das ich und Vorsitzender Kim Jong Un vor 80 Millionen Koreanern gegeben haben.“

    Nordkorea beendet umgehend jegliche Kommunikation mit Südkorea

    Zeit der Verhandlungen ist vorbei

    Mit einem lauten Knall unterstrich Nordkorea nun, was Kim Jong Un sowie Partei- und Regierungskader schon seit Monaten betonen: Die Zeiten der Verhandlungen über eine Denuklearisierung Nordkoreas sind vorbei. Nachdem Trump voriges Jahr sein Gipfeltreffen mit Nordkoreas Führer in Vietnam überraschend abgebrochen hatte, waren die Verhandlungen bereits praktisch tot.

    Seit Anfang dieses Jahres verweigerte Kim dann mehrfach jeglichen weiteren Dialog, kündigte eine weitere Stärkung seiner Atomstreitmacht an und testete ungeachtet von Verboten und Sanktionen der Vereinten Nationen in Rekordtempo Kurzstreckenraketen.

    Nachdem sich Kim mehrere Wochen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und damit Gerüchte über seinen Tod ausgelöst hatte, nahmen dann die verbalen Drohungen wieder zu. Ende Mai legte er dann öffentlich auf einer Sitzung der Militärkommission die Grundlage für eine weitere Aufrüstung. Und in den vergangenen Wochen schickte das Regime seine Schwester vor, um die Drohungen zu verstärken.

    Als Auslöser für die Eskalation wählten die Machthaber in Pjöngjang dieses Mal regimekritische Flugblätter, die Überläufer von Südkorea aus mit Ballons über die Grenze schickten. Kim Yo Jong hatte am Wochenende den geflüchtigten Nordkoreanern ausdrücklich Vergeltung angedroht.

    Nordkorea will Militärallianz testen

    Christopher Hill, der unter US-Präsident George W. Bush Anfang des Jahrhunderts mit Nordkorea verhandelte, sieht das Regime von einem anderen Motiv getrieben: „Ich denke, es handelt sich um einen Test der Allianz mit den USA“, sagte er am Montag auf einem Webinar der amerikanischen Denkfabrik CSIS. Die Aktionen der vergangenen Wochen seien ein Versuch, mit Provokationen Südkoreas herauszufinden, wie weit die Kluft zwischen den Alliierten geworden sei.

    Die Beziehungen zwischen Südkorea und der Schutzmacht USA waren schon lange schwierig. Aber unter Trump sind die Spannungen in offenen Streit umgeschlagen. Die Stationierung der 28.500 Soldaten in Südkorea stellt Trump schon lange infrage, aber seine Sicherheitsexperten konnten ihn noch von dem Schritt abhalten. Dafür zettelte er einen Handelskrieg mit Südkorea an, um erstens das Freihandelsabkommen zugunsten der USA zu verbessern. Zweitens will er eine höhere Beteiligung Südkoreas an der US-Truppenstationierung erzwingen.

    Voriges Jahr stockte Südkorea den Beitrag schon um die Hälfte auf rund 924 Millionen Dollar auf. Doch Trump schwebte zuerst für 2020 eine weitere Verfünffachung der Summe vor. Seouls derzeitiges Angebot, 1,3 Milliarden Dollar zu zahlen, schlug er aus. Dies wiederum verstärkt die Frustration der Südkoreaner über ihren Alliierten.

    Die offene Frage ist, wie weit Nordkorea die Lage weiter eskalieren lässt. Einige Korea-Experten wollen erneute Atomwaffen- und Langstreckenraketentests nicht ausschließen. Die hatten zuletzt 2017 zu harscher Kriegsrhetorik zwischen den USA und Nordkorea geführt. Aber vier ehemalige Chefunterhändler der USA und Südkoreas glaubten in der Veranstaltung des CSIS nicht, dass Nordkorea die USA vor den Präsidentschaftswahlen derart provozieren würde.

    Der Südkoreaner Chun Yung-Woo etwa, der unter dem früheren Präsidenten Roh Moo-Hyun mit Nordkorea verhandelte, sah „keinen Grund“, warum Nordkorea die USA vor den Präsidentschaftswahlen im November herausfordern wolle. Das halte er für zu riskant. Stattdessen erwarte er gezielte symbolische Aktionen, die nicht extrem eskalierend wirken – wie die Sprengung des Verbindungsbüros.

    Damit würde Nordkorea nur „umbringen, was schon tot war“, sagte Chun am Montag voraus. Als Gegenmaßnahme setzt Chun auf Sanktionen sowie Gesprächsangebote an die nordkoreanischen Machthaber. „Es ist wichtig, sie anzulächeln und gleichzeitig unter Druck zu setzen.“

    Mehr: Nordkoreas Regime kündigt „nächste Aktion gegen den Feind“ an

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