Korea-Konflikt Telefonverbindung in den Norden steht

Südkorea hat ein Kommunikationssystem an der Grenze zum Norden wieder in Betrieb genommen. Jetzt wird geprüft, ob die Leitung gut funktioniert – damit der Kontaktaufnahme mit Kim Jong Un nichts im Wege steht.
Update: 03.01.2018 - 11:38 Uhr 2 Kommentare

„Auf meinem Schreibtisch steht immer ein Atomknopf“

SeoulNordkorea hat nach fast zweijähriger Unterbrechung einen Kommunikationskanal mit dem Süden wiedereröffnet. Machthaber Kim Jong Un ordnete an, die Telefonleitung im Grenzort Panmunjom am Mittwochnachmittag (07.30 Uhr MEZ) wieder freizuschalten. Auch die Regierung in Seoul bestätigte, einen Anruf erhalten zu haben. Über die Inhalte des Gespräches am Mittwoch wurde zunächst nichts bekannt.

Man habe einen vorläufigen Kontakt mit Nordkorea am wieder eröffneten Kommunikationssystem an der Grenze in Panmunjon hergestellt, teilte das Vereinigungsministerium in Südkorea am Mittwoch lediglich mit. Nun solle geprüft werden, ob die Verbindung gut funktioniere.

Stunden zuvor hatte Nordkorea im Staatsradio angekündigt, den Kommunikationskanal wieder zu öffnen. Südkorea erklärte daraufhin, man werde versuchen, die Leitung zu nutzen, um das Angebot zu verhandeln, über eine Zusammenarbeit während der Olympischen Winterspiele im Februar zu sprechen. Die beiden Länder hatten infolge zunehmender Spannungen seit 2016 nicht mehr über die Telefonleitung miteinander geredet, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Dabei handelte es sich um Vergeltung für die Schließung eines gemeinsamen Industriegebietes durch Südkorea.

Hintergrund der Ankündigung ist ein Gesprächsangebot des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un vom Montag. Südkorea hatte daraufhin am Dienstag vorgeschlagen, in der nächsten Woche ein Treffen auf hoher Ebene in Panmunjom abzuhalten. Es soll dabei um eine Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Spielen im südkoreanischen Pyeongchang im Februar und die Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen gehen.

Nach Berichten südkoreanischer Medien wurde die Radioankündigung vom Leiter der für innerkoreanische Angelegenheiten zuständigen Behörde in Nordkorea, Ri Song Gwon, gemacht. „Aufgrund der Entscheidung der Führung werden wir auf ernsthafte und glaubhafte Weise den Kontakt mit Südkorea aufnehmen“, wurde Ri zitiert. Ziel sei es, über die „potenzielle Entsendung einer Delegation“ nach Pyeongchang zu diskutieren. Ob Nordkorea auch den Vorschlag Südkoreas für ein Treffen annehmen will, war zunächst unklar.

Kim Jong Un hatte in seiner Neujahrsansprache angeboten, eine Delegation zu den Olympischen Spielen in der grenznahen südkoreanischen Provinz Gangwon zu schicken. Die beiden Länder könnten sich dazu sofort treffen, schlug er vor.

Das Angebot an Südkorea verband der Diktator jedoch mit neuen Drohungen in Richtung der USA. Pjöngjang wirft Washington eine feindselige Politik vor. Die gesamten USA seien in Reichweite der nordkoreanischen Atomwaffen, betonte Kim. Der „Atomwaffenknopf“ sei stets auf seinem Schreibtisch.

Analysten sehen in Kims Vorgehen daher einen Versuch, einen Keil zwischen Seoul und dessen Verbündeten in den USA zu treiben. So könnten die internationale Isolation des Landes etwas aufgehoben und die Sanktionen gegen Pjöngjang gelockert werden. Nach mehreren Raketentests Pjöngjangs hatte sich das Verhältnis zwischen den Ländern 2017 zusehends verschlechtert.

Südkorea begrüßte dennoch Kims Gesprächsangebot. Südkoreas Präsident Moon Jae In wies das Außenministerium aber an, sich eng mit den Alliierten Südkoreas und der internationalen Gemeinschaft darüber abzustimmen, wie die Verbesserung des innerkoreanischen Verhältnisses und eine Beilegung des Streits um das nordkoreanische Atomprogramm „zur gleichen Zeit“ behandelt werden könnten.

China hat Nordkoreas Angebot begrüßt, die Olympischen Winterspiele in Südkorea als Gelegenheit zu nutzen, Gespräche zu führen. Peking hoffe, dass sich Pjöngjang und Seoul dabei „auf halbem Weg entgegenkommen“, sagte der chinesische Außenministeriumssprecher Geng Shuang m Mittwoch. „Alle beteiligten Seiten“ sollten die „positive Wende der Ereignisse“ nutzen.

Geng ging auch auf die bizarre Atomknopf-Debatte zwischen dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump ein. Kim hatte am Montag nicht nur seine Bereitschaft bekundet, eine Delegation zu den Winterspielen in Pyeongchang zu schicken, sondern die USA auch aufgefordert, Nordkorea als Atommacht anzuerkennen. Der „Atomknopf“ befinde sich auf seinem Schreibtisch. Trump erwiderte per Twitter, seiner sei größer und mächtiger. Geng forderte beide Seiten auf, Zurückhaltung zu üben und sich auf eine Art und Weise zu äußern, die zur Entspannung der Situation beitrage.

  • dpa
  • ap
  • rtr
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2 Kommentare zu "Korea-Konflikt: Telefonverbindung in den Norden steht"

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  • Damit sind die Kandidaten für den nächsten Friedensnobelpreis um 2 hochrangige Staatsführer erweitert .

  • Herr Kim Jong Un, Herr Moon Jae-in, ich freue mich über Ihre Friedensaktivitäten
    insbesondere die Kontaktaufnahme zur Friedenssicherung und wenn möglich zur Zusammenführung beider Völker.
    Eine Bitte, lasst den US Imperialismus nicht in Eure Verhandlungen einbinden. Da kommt sonst nur Sch.... raus.
    Die Welt wartet auf ein positives Ergebnis.

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