Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Korea-Krise Nordkoreas Regime kündigt „nächste Aktion gegen den Feind“ an

Nach zwei Jahren Ruhe entfacht die Schwester von Kim Jong Un den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel neu. Ihre Drohungen werden ernst genommen.
14.06.2020 - 10:39 Uhr Kommentieren
Kim Jong Un mit seiner Schwester Kim Yo Jong. Quelle: Reuters
Nordkorea

Kim Jong Un mit seiner Schwester Kim Yo Jong.

(Foto: Reuters)

Tokio Während der Olympischen Winterspiele 2018 wurde Kim Yo Jong, die Schwester des nordkoreanischen Führers Kim Jong Un, zum Gesicht der Annäherung von Nord- und Südkorea. Nun entwickelt sich die Chefpropagandistin des Regimes zur Stimme einer neuen Koreakrise. Nachdem Kim Yo Jong schon in den vergangenen Wochen die Kommunikationskanäle mit den USA und Südkorea aufgekündigt hatte, verschärfte sie am Wochenende im Auftrag des Führers ihre Drohungen gegen Südkorea und Überläufer.

„Meines Erachtens ist es höchste Zeit, mit den südkoreanischen Behörden endgültig Schluss zu machen“, zitierte Nordkoreas Nachrichtenagentur die stellvertretende Vorsitzende einer Abteilung des Zentralkomitees der koreanischen Arbeiterpartei. „Wir werden bald die nächsten Schritte einleiten.“

Mit Hinweis auf „unseren Plan“ erklärte sie, dass „die nächste Aktion gegen den Feind“ dem Generalstab der Armee anvertraut werde. Darüber hinaus kündigte sie „Vergeltungspläne“ gegen Überläufer an, wie sie die Flüchtlinge nannte. Dem „Gesindel, das es gewagt hat, das Ansehen unseres großen Führers zu beschädigen“.

Der immer schärfere Tonfall aus Pjöngjang wird inzwischen außerhalb der Landesgrenzen ernst genommen. Südkoreas Präsident Moon Jae In, der 2018 mehrfach Kim und seine Schwester getroffen und freundlich behandelt hatte, berief am Sonntag umgehend eine Krisensitzung ein. „Die Regierung nimmt die derzeitige Lage ernst“, erklärte das Vereinigungsministerium danach. Einige Nordkorea-Beobachter warnen sogar, dass militärische Aktionen Pjöngjangs kurz bevorstehen könnten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die amerikanische Korea-Expertin Sue Mi Terry von der US-Denkfabrik CSIS glaubt: „Alle Anzeichen deuten auf eine bevorstehende nordkoreanische Provokation hin.“ Und Chad O’Carroll, der Chef der Korea Risk Group, meint auch, den ersten Adressaten zu kennen: Nordkorea wolle eine „innerkoreanische Krise herbeiführen“, so O’Carroll. Er meint sogar, dass Nordkorea bereits bis Montag handeln könnte, dem 20. Jahrestag des ersten innerkoreanischen Gipfeltreffens.

    Als eine Möglichkeit nennt er eine Sprengung des Verbindungsbüros zwischen beiden Koreas. Mittelfristig erwarten andere Experten zudem erneute Tests von Atomwaffen und Langstreckenraketen, auf die Nordkorea seit Ende 2017 verzichtet hat. „Aber auch die Bemerkungen über die ‚Abrechnung mit dem Gesindel‘ sind beunruhigend“, meint O’Carroll. Nordkorea habe in der Vergangenheit Personen entführt oder versucht, sie zu ermorden.

    Südkoreas Präsident konnte sein Versprechen nicht erfüllen

    Über die Motive die Zuspitzung der Lage wird weiter spekuliert. O’Carroll vermutet hinter der Eskalation die Hoffnung Nordkoreas, von Südkorea Wirtschaftshilfe zu erpressen. „In dem Fall könnte es eine größere Eskalation der Spannungen für den einzigen Weg halten.“ Die Entwicklung in diesem Jahr deutet jedenfalls darauf hin.

    Nachdem US-Präsident Donald Trump voriges Jahr sein Gipfeltreffen mit Nordkoreas Führer Kim Jong Un überraschend abgebrochen hatte, traten die Verhandlungen über Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramme auf der Stelle. Damit konnte auch Südkoreas Präsident Moon sein Versprechen nicht erfüllen, Nordkorea wirtschaftlich zu helfen. Die USA drohten zudem mit schärferen Sanktionen. 

    Nordkorea reagiert seither immer härter. Zuerst verweigerte Kim Jong Un mehrfach jeglichen Dialog, kündigte eine weitere Stärkung seiner Atomstreitmacht an und testete im Rekordtempo Kurzstreckenraketen. Nachdem Kim sich mehrere Wochen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und damit Gerüchte über seinen Tod ausgelöst hatte, nahmen dann die verbalen Drohungen wieder zu.

    Ende Mai legte er öffentlich auf einer Sitzung der Militärkommission die Grundlage für eine weitere Aufrüstung. „Auf dem Treffen wurde eine neue Politik zur weiteren Erhöhung der nuklearen Abschreckung des Landes festgelegt, und die strategischen Streitkräfte wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt“, teilte damals die Koreanische Zentrale Nachrichtenagentur (KCNA) mit.

    Öffentliches Sprachrohr des Regimes

    Außerdem trat Kims Schwester, die als mögliche Nachfolgerin des Führers gehandelt wird, plötzlich als öffentliches Sprachrohr des Regimes auf. Zu ihrem Debüt als Sprecherin Kims in nordkoreanischen Medien Anfang Juni drohte sie mit einem Abbruch der Beziehungen zu Südkorea, wenn die Regierung von Präsident Moon nicht die Flugblattsendungen stoppe, die anti-nordkoreanische Gruppen seit Jahrzehnten mit Ballons über die gemeinsame Grenze schicken.

    Südkoreas Regierung versuchte zwar umgehend zu beschwichtigen und stellte ein Verbot von Flugblattaktionen gegen Nordkorea in Aussicht. Doch ohne Erfolg: Vorige Woche kündigte Nordkoreas Außenminister Ri Son Gwon zum zweiten Jahrestag von Trumps erstem Gipfeltreffen mit Kim an, sich kein weiteres Mal von dem US-Präsidenten ohne Gegenleistungen benutzen zu lassen.

    Er stellte zudem eine Einmischung in Trumps Wahlkampf in Aussicht und spielte auch auf eine Rückkehr zur Zeit der Konfrontation im Jahr 2017 an, als Trump Nordkorea mit „Feuer und Wut“ gedroht hatte. Hoffnung habe sich in Verzweiflung gewandelt, und jeglicher Optimismus für einen Frieden auf der koreanischen Halbinsel sei in einen „dunklen Albtraum“ abgedriftet. Kim Yo Jong knüpft nun nahtlos an diese Ankündigung an.

    Mehr: Kim Jong Un will sein Atomwaffenprogramm stärken

    Startseite
    Mehr zu: Korea-Krise - Nordkoreas Regime kündigt „nächste Aktion gegen den Feind“ an
    0 Kommentare zu "Korea-Krise: Nordkoreas Regime kündigt „nächste Aktion gegen den Feind“ an"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%