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Kim Yo Jong und Moon Jae-in

Die Schwester des nordkoreanischen Machthabers übergibt Südkoreas Staatschef eine Einladung ihres Bruders.

(Foto: AP)

Koreanische Annäherung Die Kims auf Tuchfühlung mit Südkoreas Staatschef

Die beiden Koreas versuchen die olympischen Winterspiele zur Friedensinitiative zu machen. Doch die USA spielen derzeit noch den Miesepeter.
10.02.2018 - 10:38 Uhr Kommentieren

Seoul/Gangneung Das Blaue Haus, der Amtssitz des Südkoreanischen Staatspräsidenten, hatte Nordkorea schon immer im Visier. Vor 50 Jahren griffen Soldaten des kommunistischen Regimes den Regierungssitz an, um den damaligen Präsidenten Park Chung-hee zu ermorden. Der Plan scheiterte. Doch am Sonnabend schafften sie mit einer Charmeoffensive, was ihnen mit Waffengewalt nicht gelang.

Eine Gruppe höchster Kader des Regimes rückten in Südkoreas Machtzentrum ein – als Gäste von Staatspräsident Moon Jae-in. Darunter war sogar erstmals ein Mitglied der nordkoreanischen Diktatorendynastie. Führer Kim Jong Un hatte neben dem protokollarischen Staatsoberhaupt Kim Yong-nam seine jüngere Schwester Kim Yo Jong nach Südkorea geschickt – als seine persönliche Sprecherin.

Und sie hatten ein großes Gastgeschenk mit dabei. In kleiner Runde übergab Kims Yo Jong ihrem Gastgeber Moon eine schriftliche Einladung ihres Bruders, doch bitte zu einem innerkoreanischen Gipfel nach Pjöngjang zu kommen. Dann wiederholte sie in eigenen Worten den Willen ihres Bruders, die Beziehungen zwischen beiden Koreas zu verbessern.

Er sei bereit, Präsident Moon zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu treffen, hat Kim laut einem südkoreanischen Regierungssprecher gesagt. Moon nahm den Brief unter Vorbehalt an. „Lass uns dies verwirklichen, indem wir die notwendigen Bedingungen schaffen.“

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    Von der Korea-Krise, die derzeit in Ostasien Kriegsangst schürt, war dabei im Sitzungsraum wenig zu spüren. In der Mitte des Zimmers stand ein ovaler Tisch. Auf der einen Seite hatten vier Nordkoreaner Platz genommen, alle mit einem großen Anstecker über dem Herzen, der nordkoreanischen Flagge. Dann trat Moon in den Raum und begrüßte die Feinde mit festem Handschlag und freundlichem Lächeln.

    Der Delegationsführer Kim Yong-nam lächelte jovial zurück. Kims Schwester schaute hingegen kühl und distanziert, solange sie im Blick der Kameras war. Nur eine Höflichkeit ließ sie sich entlocken. Die Gäste müssten am Freitag „während der Eröffnung der Winterspiele eine harte Zeit wegen der Kälte gehabt haben“, versuchte Moon das Eis zu brechen. „Es war in Ordnung, weil Sie, Herr Präsident, sich so nett gekümmert haben“, antwortete Kim Yo Jong.

    Diese Fernsehbilder sind für Südkoreas Staatschef Moon ein großer Erfolg. Monatelang hatte er Nordkorea zu den Olympischen Winterspielen eingeladen. Er wollte die Spiele dazu nutzen, der Diplomatie im Krieg der Worte zwischen Führer Kim und US-Präsident Donald Trump wieder eine Chance zu geben.

    Anfang des Jahres belohnte Kim Jong Un Moons Geduld und nahm die Einladung an. Seither herrscht olympischer Friede. Doch noch wirkt es eher wie eine Gnadenfrist. Das Zeitfenster für Verhandlungen ist klein. Wenn es nicht rasch erste Fortschritte in den innerkoreanischen Gesprächen gibt, droht die Krise ab April zurückzukehren.

    Für Moon ist die Initiative daher ein geopolitischer Balanceakt ohne jede Absicherung. Auf der einen Seite muss er die Nordkoreaner davon überzeugen, ernsthaft zu verhandeln. Gleichzeitig muss er seine amerikanischen Alliierten überzeugen, dass er Teil von Trumps Front des „maximalen Drucks“ auf Nordkorea bleibt.

    Doch dies wird schwer für Moon. Denn sowohl Nordkorea als auch die USA versuchen, den Chef der Exportnation auf seine Seite zu ziehen. Nordkorea sieht die Winterspiele als Chance, sein mieses Image vom Provokateur zum Friedensstifter zu wandeln. So will Kim Südkorea dazu bewegen, die Sanktionen und damit die Allianz mit den USA zu lockern.

    Kim hat daher neben seiner Schwester und hohen Kadern 229 junge Cheerleaderinnen, Taekwondo-Kämpfer und eine große Band in den Süden geschickt. Und die ersten medialen Erfolge stellten sich rasch ein. Der deutsche Chef des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, sprach bei der Eröffnungsfeier von der „vereinigenden Kraft des gemeinsamen Einmarsches“ der Athleten aus Nord- und Südkorea.

    Südkoreaner wollen hart bleiben

    Nur die USA spielen nicht mit
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