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Juan Carlos

Der ehemalige spanische König dankte 2014 ab.

(Foto: AFP)

Korruptionsverdacht Spanisches Königshaus gerät erneut in Bedrängnis

Gesprächsmitschnitte legen nahe, dass Spaniens Ex-König Juan Carlos in illegale Geschäfte verwickelt war. Zwar fehlen Beweise, die Aufregung ist aber bereits riesig.
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MadridSpanien hat an Affären keinen Mangel. Die jüngste um den 2014 abgedankten König Juan Carlos ist aber gleich doppelt pikant – sowohl wegen des Inhalts als auch wegen der Art und Weise, wie die Informationen ans Licht gekommen sind. Der Inhalt: Heimliche Gesprächsmitschnitte von 2015 belasten den Monarchen schwer.

Damals hatten sich angeblich die ehemalige Geliebte des Königs, die deutsche Unternehmerin Corinna zu Sayn-Wittgenstein, der pensionierte Polizeikommissar José Manuel Villarejo und der Ex-Chef des spanischen Telekomkonzerns Telefónica in London getroffen.

In dem Mitschnitt erzählt eine Frauenstimme, dass Juan Carlos in der Schweiz Geld vor dem spanischen Fiskus versteckt halte. Er habe 80 Millionen Euro Provision erhalten, um spanischen Firmen den Auftrag eines Hochgeschwindigkeitszugs von Medina nach Mekka zu besorgen.

Zudem habe ihr Juan Carlos Geld und Grundstücke überschrieben, ohne dass sie davon wusste. Er habe sie als Strohfrau genutzt, sagt die Frauenstimme, „um Vermögen und Anwesen im Ausland zu verstecken – nicht weil er mich liebte, sondern weil ich in Monaco wohne“.

Regierung bemüht sich um Aufklärung

Corinna zu Sayn-Wittgenstein, die ihren Adelstitel einer geschiedenen Ehe mit dem deutschen Aristokraten Casimir zu Sayn-Wittgenstein verdankt, hat in einer Stellungnahme beklagt, dass es eine „politisch motivierte, rufschädigende Kampagne“ mit „unendlich vielen Falschinformationen“ gegen sie gebe. Sie hat allerdings nicht behauptet, dass die nun veröffentlichten Mitschnitte gefälscht seien.

Dass sie die „innige Freundin“ des Königs ist, wissen die Spanier spätestens seit dem Jahr 2012. Da begleitete sie Juan Carlos zu einer Elefantenjagd nach Botswana, auf der dieser sich die Hüfte brach. Dadurch kam die Reise ans Licht – und schlug vielen Spaniern bitter auf, weil der König just zum Höhepunkt der Wirtschaftskrise zu einer Lust- und Luxusreise aufgebrochen war.

Als zu dieser Missstimmung auch noch der Korruptionsskandal um seinen Schwiegersohn Iñaki Urdangarin hinzukam, trat Juan Carlos 2014 zurück. Sein Sohn Felipe VI. bemüht sich seitdem, den Ruf des Königshauses wieder herzustellen. Zu den neuen Vorwürfen bewahrt der Palast Stillschweigen.

Das sind die Monarchen dieser Welt
Elizabeth II.
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Königin Elizabeth II. (*1926) regiert seit 1952 und ist das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Als Königin ist sie Oberhaupt von 16 unabhängigen Staaten, unter anderen Großbritannien, Australien und Antigua. Elizabeth ist parlamentarische Monarchin und hat wenig direkte politische Macht, sondern überwiegend repräsentative Aufgaben. Allerdings ernennt und entlässt sie offiziell den britischen Premierminister und wird wöchentlich über die politische Entwicklung im Land informiert. Für eine Königin hat Elizabeth II. eine eher ungewöhnliche Berufsausbildung absolviert: Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie zur Fahrzeugmechanikerin ausgebildet.

(Foto: dpa)
Qabus ibn Said
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Sultan Qabus ibn Said (r., mit Turban) herrscht seit 1970 als absoluter Monarch über den Oman. Seit 2011 gibt es Bestrebungen, die Verfassung zu reformieren und aus der absoluten Monarchie des Oman eine konstitutionelle Monarchie zu machen, in der der Sultan in seiner Macht deutlich beschränkt wäre. Qabus ibn Said pflegt eine enge Beziehung zu Deutschland und besitzt ein Anwesen in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Margrethe II.
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In Dänemark regiert seit 1972 Königin Margrethe II. (*1940). Sie konnte nur Monarchin werden, weil ihr Vater im Jahr 1953 die Verfassung dahingehend änderte, dass auch weibliche Nachkommen den Thron besteigen können. Margrethes Aufgaben als Staatsoberhaupt bestehen größtenteils aus der Repräsentation Dänemarks, Grönlands und der Färöer-Inseln. Sie übt begrenzt politische Aufgaben aus, so ernennt und entlässt sie formell den Regierungschef.

(Foto: dpa)
Carl XVI. Gustaf
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Ein weiteres bekanntes Gesicht des europäischen Hochadels ist der schwedische König Carl XVI. Gustaf (*1946). Er regiert seit 1973 und ist damit der am längsten regierende schwedische König. Zu Beginn seiner Regierungszeit im Jahr 1973 war Carl XVI. Gustaf noch mit nahezu autokratischen Herrschaftsrechten ausgestattet, welche aber schon kurze Zeit später von der schwedischen Regierung beschränkt wurden, und den König zu einem repräsentativen und zeremoniellen Staatsoberhaupt machten.

(Foto: dpa)
Hassanal Bolkiah
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Eines der eher unbekannteren Gesichter ist der Sultan von Brunei, Hassanal Bolkiah (*1946). Er ist seit 1967 absoluter Herrscher des Sultanats Brunei, einem Nachbarland von Malaysia. Brunei zählt aufgrund seiner Ölvorkommen zu den reichsten und höchst entwickelten Ländern Asiens und hat etwa 420.000 Einwohner.

(Foto: AFP)
Mswati III.
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König Mswati III. ist seit 1986 das absolutistisch herrschende Staatsoberhaupt von Swasiland, einem Nachbarstaat von Südafrika und Mosambik. Er gerät wegen seines ausschweifenden Lebensstils immer wieder in die Kritik, da der Großteil seiner 1,4 Millionen Untertanen in Armut lebt. Jegliche politische Betätigung durch das Parlament ist durch König Mswati III. unter Androhung von Haftstrafen verboten.

(Foto: dpa)
Akihito
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In Japan ist seit 1989 Akihito der 125. Kaiser. Da es verfassungsrechtlich kein Staatsoberhaupt in Japan gibt, ist der Kaiser als „Symbol des Staates“ ein reiner Repräsentant Japans. Die Monarchie in Japan gilt als die älteste noch existierende weltweit. Der Kaiser und seine Familie genießen in Japan ein hohes Ansehen, Akihitos Vorfahren wurden sogar als Gottheiten verehrt. Am 30. April 2019 will Akihito abdanken – es wäre das erste Mal seit 200 Jahren, dass ein japanischer Kaiser sein Amt zu Lebzeiten abgibt. Sein Nachfolger wird Kronprinz Naruhito.

(Foto: Reuters)

Die neue sozialistische Regierung versucht indes, dem Skandal hinter verschlossenen Türen auf die Spur zu kommen: Der Chef des spanischen Geheimdienstes will in den kommenden Tagen im Kongress Parteivertretern Rede und Antwort stehen. Der linkspopulistischen und monarchiekritischen Partei Podemos ist das zu wenig. Sie fordert einen Untersuchungsausschuss. Spanien „kann keine dunklen Bereiche zulassen, die das Staatsoberhaupt betreffen“, forderte der Organisationssekretär der Partei, Pablo Echenique.

Doch mit einem Ausschuss sind längst nicht alle einverstanden. Der Grund ist die Art und Weise, wie die Informationen an die Öffentlichkeit kamen: Sie sollen womöglich dem Schutz von Polizeikommissar Villarejo dienen. Der sitzt selbst seit Ende vergangenen Jahres wegen Geldwäsche, Bestechlichkeit und organisierter Kriminalität in Untersuchungshaft und hat offenbar zahlreiche Mitschnitte von vertraulichen Gesprächen angefertigt.

Skandal wirft neue Schatten auf spanische Monarchie

Die Aufnahmen aus dem Gespräch mit Corinna zu Sayn-Wittgenstein befinden sich seit einigen Monaten in den Händen der Polizei und des Richters, der das Verfahren leitet. In Spanien wird spekuliert, Villarejo habe aus der Zelle heraus dafür gesorgt, dass die Informationen jetzt öffentlich bekannt wurden. So habe er gezeigt, wie schädlich sein Wissen für die höchsten Kreise Spaniens ist, die ihn deshalb besser nicht belasten sollten. Seine Anwälte bestreiten das jedoch.

„Wenn wir jetzt, wie Podemos fordert, einen Untersuchungsausschuss gründen, dann spielen wir genau das dunkle Spiel der Erpressung mit“, sagt der Politikprofessor Fernando Vallespín von der Autonomen Universität Madrid dem Handelsblatt. Wenn solche heimlichen Mitschnitte als Beweise herangezogen würden, dann könne jeder jeden ausspionieren.

Dennoch sind die Informationen nun in der Welt. Und sie werfen erneut einen Schatten auf die spanische Monarchie. Unter den Spaniern gab es immer schon eine Fraktion, die lieber in einer Republik leben würde als in einem Königreich. Nach einer Umfrage vom Jahresanfang sind das 30 Prozent, während 60 Prozent die Monarchie behalten wollen.

Der Politologe José Fernández Albertos geht davon aus, dass der neue Skandal diesen Graben zwischen Befürwortern und Gegnern vertieft, nicht aber zu einer neuen Verfassungskrise in Spanien führen wird. „Für die öffentliche Meinung sind das keine komplett überraschenden Informationen“, sagt er. Viele Spanier sind davon ausgegangen, dass der König ein paralleles Leben mit einer anderen Frau führe und zwischen spanischen Unternehmen und Auftraggebern vermittelt habe. „Juan Carlos hat bereits abgedankt, weil er sich als König ungebührend verhalten hat“, sagt auch Vallespín. „Das ist jetzt ein weiterer Fall.“

Dennoch dürfte das Thema nicht so schnell von der Agenda verschwinden. Das erfolgreiche Misstrauensvotum gegen den Ex-Premier Mariano Rajoy wegen Korruption in seiner Partei hat die Sensibilität für illegale Machenschaften in Spanien deutlich erhöht. Zudem ist Podemos erklärtermaßen kritisch gegenüber der Monarchie und muss sich politisch von der sozialistischen Regierungspartei PSOE abgrenzen. „Sie werden an dem Thema dranbleiben wollen“, vermutet Fernández Albertos.

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