Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kosovo Am Balkan droht ein politisches Erdbeben

Im Kosovo wird ein neues Parlament gewählt – ein Jahr vor dem regulären Termin. Laut Umfragen liegt eine extremistische Koalition aktuell weit vorn. Dem kleinen Balkanstaat droht eine Verschärfung der Dauerkrise.
09.06.2017 - 16:22 Uhr Kommentieren
Albin Kurti, Kandidat für den Posten des Premierministers bei der kosovarischen Oppositionspartei Vetevendosje, winkt am in Pristina bei einer Wahlkampfveranstaltung. Der jüngste Staat Europas wählt ein Jahr vor dem regulären Termin, weil die Regierung durch ein Misstrauensvotum gestürzt wurde. Erwartet wird eine Stärkung der Extremisten, wodurch die EU-Vermittlung zwischen den verfeindeten Nachbarn Kosovo und Serbien noch schwieriger wird. Quelle: dpa
Parlamentswahl im Kosovo

Albin Kurti, Kandidat für den Posten des Premierministers bei der kosovarischen Oppositionspartei Vetevendosje, winkt am in Pristina bei einer Wahlkampfveranstaltung. Der jüngste Staat Europas wählt ein Jahr vor dem regulären Termin, weil die Regierung durch ein Misstrauensvotum gestürzt wurde. Erwartet wird eine Stärkung der Extremisten, wodurch die EU-Vermittlung zwischen den verfeindeten Nachbarn Kosovo und Serbien noch schwieriger wird.

(Foto: dpa)

Pristina Ein Jahr vor dem regulären Termin wählt das Kosovo ein neues Parlament, weil die Koalition zwischen der Demokratischen Partei (PDK) und der Demokratischen Liga (LDK) zerbrochen war. Die PDK, die aus der früheren Rebellenbewegung UCK hervorgegangen war, hat sich mit zwei weiteren ehemaligen Anführern der Aufständischen von Ende der 90er Jahre zum „Kriegsflügel“ zusammengeschlossen. Diese extremistische Koalition liegt in allen Umfragen weit vorn.

PDK-Chef und Parlamentspräsident Kadri Veseli war lange der Chef des mächtigen Geheimdienstes (SHIK). Er ist jetzt verbündet mit Ramush Haradinaj und dessen oppositioneller Allianz für die Zukunft (AAK). Haradinaj war bis Ende April monatelang in Frankreich festgehalten worden. Denn Serbien, von dem das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo 2008 abgefallen war, hatte dessen Auslieferung wegen Kriegsverbrechen verlangt. Ein Gericht in Colmar verfügte schließlich seine Freilassung. Der Dritte im Bunde ist Fatmir Limaj von der NISMA-Partei, ebenfalls ein ehemaliger UCK-Kommandant.

Diese Radikalen werden verstärkt von der extrem nationalistischen „Vetevendosje“ (VV). Die ist schon bisher die drittstärkste Kraft und ihr werden satte Zugewinne vorausgesagt. Zwar liegen VV-Ziehvater und Regierungschef-Kandidat Albin Kurti sowie der „Kriegsflügel“ oft über Kreuz, doch in ihren extremen Zielen sind sie sich sehr ähnlich. Die nach jahrelangen EU-Vermittlungen verabredete Autonomie der serbischen Minderheit in Nordkosovo soll vom Tisch gewischt werden, hatten sie angekündigt. Überhaupt wollen alle vier Parteien gegenüber dem ungeliebten großen Nachbarn Serbien eine viel härtere Gangart einschlagen.

Chronik einer europäischen Katastrophe
1. März 1992
1 von 12

Bei einer Volksabstimmung in Bosnien-Herzegowina stimmen 99,4 Prozent der Wähler für die Unabhängigkeit. Bosnische Serben boykottieren die Wahl. Es ist der Beginn des grausamsten Krieges in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit über 100.000 Toten und über zwei Millionen Vertriebenen.

(Foto: Picture Alliance)
2.März 1992
2 von 12

Nach dem Referendum kommt es zu Unruhen in Sarajevo. Es wird von einem ersten Toten und mehreren Verletzten berichtet.

(Foto: Picture Alliance)
3.März 1992
3 von 12

Die Republik Bosnien und Herzegowina erklärt sich für unabhängig. Im Land kommt es zu vereinzelten Kämpfen, die sich im April verstärken.

(Foto: Picture Alliance)
4./5. April 1992
4 von 12

Proserbische Kräfte nehmen den Flughafen von Sarajevo ein. Die Stadt ist damit eingekesselt. Während der mehrjährigen Belagerung sterben etwa 10 000 Menschen.

(Foto: Picture Alliance)
6. April 1992
5 von 12

Die Europäische Gemeinschaft (EG) erkennt Bosnien und Herzegowina als unabhängigen Staat an. Die USA folgen einen Tag später. Im ganzen Land brechen Kämpfe aus, mehr als ein Dutzend Menschen sterben.

(Foto: dpa)
30. April 1992
6 von 12

Die Vereinten Nationen entsenden Militärbeobachter der UN-Schutztruppe UNPROFOR nach Bosnien-Herzegowina.

(Foto: Picture Alliance)
12. April 1993
7 von 12

Die Nato beginnt, das seit Oktober 1992 geltende Flugverbot über Bosnien-Herzegowina mit Kampfflugzeugen durchzusetzen.

(Foto: Picture Alliance)

Damit könnte die Dauerkrise um das Kosovo wieder in eine heiße Phase eintreten, weil selbst die wenigen bisher umgesetzten Kompromisse zwischen Serbien und dem Kosovo zur Disposition stünden. Daneben haben die vier radikalen Kosovo-Politiker ihren Wählern versprochen, innerhalb von nur drei Monaten die EU zur Abschaffung des Visazwangs zu bewegen. Kosovo ist bisher der einzige Balkanstaat, dessen Bürger nicht visafrei nach Westeuropa reisen dürfen. Der Grund: Pristina hat zentrale Versprechen gegenüber Brüssel nicht eingehalten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das gilt für die nicht umgesetzte größere Autonomie der Serben im Kosovo oder die Festlegung der umstrittenen Grenze zum Nachbarn Montenegro. Und vor allem: Kosovo ist einer der kriminellsten und korruptesten Staaten Europas geblieben - einschließlich Waffen-, Drogen- und Menschenhandels im ganz großen Stil. Die Justiz gilt als unfähig, korrupt und oft als verlängerter Arm der Politik. Die wirtschaftliche und soziale Misere - samt Rekordarbeitslosigkeit vor allem unter den Jungen - treibt die Menschen in die kriminellen Netzwerke.

    Daher gibt es seit vielen Jahren Überlegungen von Seiten der USA und der EU, wie man führende Politiker matt setzen könnte, weil sie traditionell als Clanführer diese Probleme befeuern. Hoffnung bringt das soeben in Den Haag gegründete internationale Gericht zur Aufarbeitung albanischer Kriegsverbrechen vor allem an Serben. Doch die Radikalen hoffen offensichtlich, durch die Übernahme der Regierung die drohende Verfolgung ihrer führenden Vertreter durch Den Haag unmöglich zu machen.

    • dpa
    Startseite
    Mehr zu: Kosovo - Am Balkan droht ein politisches Erdbeben
    0 Kommentare zu "Kosovo: Am Balkan droht ein politisches Erdbeben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%