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Krankheitswelle Mehr als 100 Infizierte: Coronavirus versetzt Italien in Panik

Die Regierung riegelt rund ein Dutzend Städte ab, weil bei einigen Fällen die Ansteckungswege unklar sind. Auch der Karneval in Venedig ist abgesagt.
23.02.2020 Update: 23.02.2020 - 14:47 Uhr Kommentieren
Die Straßen in der Stadt sind fast menschenleer, die Zugänge werden von der Polizei kontrolliert. Quelle: AP
Codogno in Norditalien

Die Straßen in der Stadt sind fast menschenleer, die Zugänge werden von der Polizei kontrolliert.

(Foto: AP)

Rom Erst waren es nur zwei Touristen aus China, die mit dem Coronavirus infiziert waren und seit mehr als zwei Wochen in einem römischen Spezialkrankenhaus liegen. Jetzt hat sich das Virus sprunghaft in Italien verbreitet, bisher ausschließlich im Norden. Mindestens 132 Italiener haben sich angesteckt, zwei von ihnen sind gestorben. Italien ist damit über Nacht das am meisten betroffene Land in Europa geworden.

In einer nächtlichen Krisensitzung verfügte die Regierung von Premier Giuseppe Conte, dass die Gemeinden, in denen die Angesteckten leben, zur „roten Zone“ erklärt werden. Die Bewohner dürfen unter Androhung von Strafe ihre Gemeinde nicht verlassen. Das Betreten der Stadt ist für Außenstehende verboten. Rund ein Dutzend Städte wurden abgeriegelt.

Zur Not will die Regierung Militär zur Kontrolle der Quarantäne einsetzen. Es drohen Haftstrafen für die, die der Anordnung nicht folgen.

Schulen, Universitäten, Ämter und Fabriken sind geschlossen, Karnevalsfeiern und Ligaspiele der Serie A in Mailand, Bergamo und Verona wurden abgesagt. Auch der berühmte Karneval in Venedig und Modenschauen der gerade laufenden Mailänder Modemesse finden nicht statt. Die eigentlich bis Dienstag stattfindenden Feste und Umzüge des Karnevals von Venedig gehören zu den größten und berühmtesten Veranstaltungen des weltweiten Narrentreibens.

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    Das Modelabel Moncler sagte ein Open-Air-Event ab. Die für Montag angekündigte Schau von Giorgio Armani findet hinter geschlossenen Türen und ohne Publikum statt. Sie wird nun per Streaming übertragen.

    Von den mindestens 132 Infizierten leben 89 Personen in der Lombardei und 17 im Veneto, sagte Angelo Borelli, der Chef des italienischen Zivilschutzes. Die Notmaßnahmen treffen besonders das Hinterland und Einzugsgebiet von Mailand mit rund 50.000 Bewohnern. Inzwischen gibt es auch Meldungen über Infizierte in den Regionen Emilia-Romagna, Piemont und Latium.

    „Das Ziel ist es, die Gesundheit der italienischen Bevölkerung zu schützen“, erklärte Premier Conte in der Nacht. Ein Aussetzen des Schengen-Abkommens oder die Schließung der Landesgrenzen seien jedoch keine Option. „Das wäre unverhältnismäßig“, erklärte Conte in der Nacht, „und hätte einen verheerenden Einfluss auf die Wirtschaft. Wir wollen Italien doch nicht zum Lazarett machen.“

    Gesundheitsminister Roberto Speranza sagte, es solle versucht werden, die Verbreitung des Virus bestmöglich zu verhindern. Die Notmaßnahmen könnten auch über die betroffenen Gemeinden hinaus ausgedehnt werden.

    Übertragung nach Schanghai-Reise

    „Patient Nummer eins“ ist ein 38-jähriger Mann aus der Stadt Codogno, die knapp 60 Kilometer von Mailand entfernt liegt. Er traf sich am 1. Februar zum Essen mit einem befreundeten Manager, der gerade aus Schanghai zurückgekehrt war. 

    Alle seine Kontaktpersonen wurden überprüft und sind in Quarantäne. Er gehört aber nicht zu den Toten: Bislang sind zwei über 70-Jährige an der Infektion gestorben, einer in der Lombardei, einer im Veneto. Erschwert wird die Aufklärung der Gesundheitsbehörden dadurch, dass es keine Verbindung zwischen dem Fall in Codogno und jenen in den anderen Gemeinden gibt.  

    Staatspräsident Sergio Mattarella rief in einer Botschaft zu verantwortlichem Handeln auf. Denn zur Furcht vor Ansteckung ist bei vielen Italienern Hysterie hinzugekommen, die sich vor allem in Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken zeigt. 

    Man solle ausschließlich die Informationen des Gesundheitsministeriums und des Zivilschutzes ernst nehmen und keine Angst haben, sagte Walter Ricciardi, Chef des Forschungsinstituts für Gesundheit, in einer viel geklickten Botschaft in den sozialen Medien.

    Ansteckungswege häufig unklar

    Mundschutz und Desinfektionsgel sind in den Apotheken zur Mangelware geworden. Die China-Restaurants sind leer, obwohl alle Angesteckten Italiener sind. Das Gesundheitsministerium hat in aller Eile ein Faltblatt drucken lassen mit zehn Regeln, wie man eine Ansteckung vermeiden kann. Punkt eins: „Oft die Hände waschen.“ Punkt acht: „Produkte ‚made in China‘ und Päckchen aus China sind nicht gefährlich.“ Doch die Italiener sind besorgt: Die nationale Notfall-Rufnummer ist permanent besetzt.

    Das Fernsehen zeigt gespenstische Szenen aus der am meisten betroffenen Stadt Codogno südöstlich von Mailand. Die Straßen der Gemeinde mit 15.000 Einwohnern sind leer. Züge und Busse fahren nicht, die Carabinieri riegeln die Zufahrtsstraßen ab, es gibt nur einen „sterilen Korridor“ für die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten.

    Die großen Fernsehsender haben alle Journalisten, die in dem betreffenden Gebiet wohnen, vom Dienst freigestellt und schicken keine Teams mehr in die betroffenen Gemeinden. Von Codogno aus pendeln viele Einwohner.

    Der Krisenstab in Rom trifft sich auch am Sonntag. Die Gefahr ist noch nicht gebannt. „An der Situation in Italien ist besonders besorgniserregend, dass nicht alle registrierten Fälle eine klare Krankengeschichte haben, also eine Verbindung mit Reisen nach China oder Kontakte mit anderen bereits bekannten Fällen“, sagte Hans Henri Kluge, Regionaldirektor für Europa der Weltgesundheitsorganisation, in einem Interview.

    Mehr: Das Coronavirus legt Chinas Wirtschaft lahm. Auch deutsche Unternehmen stehen dadurch vor großen Schwierigkeiten. Wie schlimm wird die Krise?

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