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Krawalle in Ferguson Panzer gegen Protestler

Mit schwerem Gerät treten Ordnungshüter in Ferguson den Demonstranten entgegen. Die Krawalle zeigen: Seit Jahren rüstet Amerikas Polizei mit Waffen aus Militärbeständen auf. Das bringt Obama in Bedrängnis.
25 Kommentare
Ausschreitungen in Ferguson: So sah es in der Kleinstadt allabendlich aus. Quelle: dpa

Ausschreitungen in Ferguson: So sah es in der Kleinstadt allabendlich aus.

(Foto: dpa)

San Francisco Schwer bewaffnete Polizisten und Nationalgardisten mit Kampfanzügen und schwerem Militärgerät rücken gnadenlos in Richtung der wütenden Demonstranten vor, wie im Kriegseinsatz in Bagdad. Es fliegen Tränengas-Granaten und Pfefferspray-Kanister. Doch es ist nicht Bagdad, es ist Ferguson, ein 20.000-Seelen-Vorort von St. Louis in Missouri. Nach der Erschießung eines unbewaffneten schwarzen Jugendlichen durch einen Polizisten herrscht Krieg, und genauso ist man ausgerüstet.

Jedenfalls auf einer Seite der Front. Seit 2007 schickte das US-Verteidigungsministerium Pentagon an das Polizei-Departement von St. Louis County nach eigenen Angaben unter anderem sieben gepanzerte „Humvee“-Truppentransporter und drei Helikopter. Die Polizei rüstet kostenlos aus alten Armeebeständen auf. Und mit den Militärwaffen kommt die Militärtaktik.

Seit Präsident Barack Obama das Ende der Ära der amerikanischen Weltpolizei angekündigt hat, hat das Heulen und Weinen begonnen – bei der US-Waffenindustrie. Zu den Zeiten, als noch US-Marines in gepanzerten Fahrzeugen durch die Straßen der Welt patrouillierten, waren die Welt und das Geschäft noch in Ordnung. Transporter, Schnellfeuergewehre, Granatwerfer, Nahkampfausrüstung für Soldaten, Tränengas und Pfefferspray wurden tonnenweise an die Armee und die Regierung für deren Kampf gegen den Terror verkauft.

Doch das Geschäft ist zurückgegangen, und neue Absatzmärkte müssen her. Gefunden wurden sie in kleinen Vororten wie Ferguson oder in Metropolen wie New York. Nach Recherchen der „New York Times“ fanden allein während der bisherigen Amtszeit von Obama 93.763 Maschinengewehre mit fast 200.000 Magazinen Munition, Tarnanzüge, Nachtsichtgeräte, 435 tonnenschwere gepanzerte Fahrzeuge und 533 Hubschrauber, selbst Schalldämpfer für geräuschloses Schießen wie aus dem Hinterhalt den Weg in die Depots amerikanischer Klein- und Großstädte.

So wie nach Neenah, ein verschlafener Ort in Wisconsin, der seit fünf Jahren keinen Mord mehr gesehen hatte. Jetzt steht hier ein 30-Tonnen-schwerer Kampfwagen, mit dem man über Minen fahren könnte. „Ich wünschte es wäre anders“, zitiert die Zeitung Polizeichef Kevin E. Wilkinson. Doch das alte Polizeifahrzeug halte keinem stärkeren Beschuss stand und die Chancen einer schweren Gewalttat stiegen an. Immer wieder kommt es in verträumten US-Gemeinden zu Überfällen und Massakern in Schulen oder Universitäten, und die Täter nutzen immer öfter Schnellfeuerwaffen - wie im Kriegseinsatz.

Teilweise treibt die schiere Geldnot zur Aufrüstung. Polizeidienststellen können sich beim Pentagon um altes Militärgerät bewerben, das sonst verschrottet würde. Das gibt es dann kostenlos. Das Programm gibt es nicht erst seit gestern. Die Defence Logistic Agency verkündet stolz, seit Beginn des National Defense Authorisation Act of Fiscal Year 1997 (FY97) seien im Verlauf der heute „Program 1033“ genannten Aktion Armeebestände im Wert von 5,1 Milliarden Dollar an zusammen 8.000 Polizeibehörden übergeben worden, allein im Jahr 2013 für 449 Millionen Dollar.

Angst vor gewalttätigen Kriegsveteranen
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25 Kommentare zu "Krawalle in Ferguson: Panzer gegen Protestler"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Leider ist das kein Traum

    selbst "unser" Gabriel hat doch vor kurzen folgendes von sich gegeben:"... da muss die Rüstungsindustrie mehr Geld in die Erforschung der zivilen Nutzung stecken..."

    Prost Mahlzeit

  • Ich errinnere mich an die Aufschreie in der westlichen Welt als die Türkei mit Wasserwerfern gegen Prosestanten los gegangen ist.

    Nun geht DAS Demokratie-Land mit Panzern gegen Demonstranten los. Ist das auch mein Begriff von Demokratie? NEIN

    Aber für mich ist die USA schon lange nicht mehr ein Land mit Demokratie - es ist ein Land mit Kapital-Macht. Das Kapital sponsert die Politik - und eines gilt auf der ganzen Welt - Wer anschafft (zahlt) bestimmt auch.

  • @ Herrn Klaus Grelle

    Ihre Darstellung ist die Wiederholung des von der erschossenen Person vertretenen Rechtsanwaltes. Nach dessen Auffassung kommt für das Tatgeschehen in Betracht, dass der Tote sich ergeben haben muss. Das schliesst der Rechtsanwalt aus den rechtsseitigen Einschüssen beim Toten. Zunächst muss er diese Festellung so machen, weil er ohne diese Darstellung schlecht behaupten kann, dass die Polizei unverhältnismäßig reagiert habe.

    Eine andere Darstellung erlaubt es aber zu behaupten, dass der Täter genausogut hingefallen sein kann. Und zwar, wenn er auf der Flucht versucht hat, auf die Polizei zu schießen. Beim Umdrehen und anvisieren der Polizei hat er das Gleichgewicht verloren und ist hingefallen. Zeitgleich könnte er Schüsse frei gesetzt haben, die wiederum dazu geführt haben, dass die Polizei zurück geschossen hat.

    Hat die Polizei auf Höhe des Hüftbereiches gezielt, so kann sie die flüchtige Person auch vom Hüftbereich aufwärts getroffen haben, weil die Person das Gleichgewicht verloren hat.

    Nun muss das nicht gleich zum Tod der flüchtigen Person geführt haben. Es kann im folgenden auch dazu gekommen sein, dass die flüchtige Person das Feuer eröffnet hat. Daraufhin wurde sie dann von der Polizei erschossen.


    Ich will Ihnen damit sagen, dass Ihre Meinung vom Strafverteidiger dererschossenen Person herrührt und noch nicht dazu ausreicht, als Wahrheit angenommen zu werden.

  • @ Herrn Andreas Glöckner,

    der Schwarze wurde mit Händen seitlich über dem Kopf erschossen - mit 6 (sechs) Kugeln, nicht etwa in Beinen, sondern in seiner rechten Körperhälfte und zwei davon in den Kopf. Das wird alles genau in amerikanischen Presse-Organen, sogar mit Zeichnungen, gezeigt - und wo bei uns trotz der vielen USA-Reporter und -Korrespondentenb..!?
    Für mich ist das bezeichnend, ebenso die Bericht- oder besser Nicht-Berichterstattung über das Thema Ukraine..!

  • In den USA scheint dies nicht möglich zu sein. Auch scheint die Anzahl der flüchtigen Straftäter höher zu sein, als etwa hierin Deutschland. Die US- Amerikaner haben ein großes Schutzbedürfnis entwickelt, was an der steigenden Bewaffnung der Polizei zu erkennen ist.

    Insgesamt kann nicht von einem Kampf Weiß gegen Schwarz gesprochen werden. Offenbar spricht die Situation in Afrika und vergleichend in Europa dafür, dass in den USA ein Kampf Schwarz gegen Weiß stattfindet. Dieser Kampf hat mittlerweile derart große Probleme verursacht, dass ein nicht anders zu befriedigendes Schutzbedürfnis entstanden ist, das lediglich mit Panzerfahrzeugen befriedigt werden kann.

    Viele US Amerikaner haben Erfolg und sind nicht dadurch gekennzeichnet, dass sie eine weiße Hautfarbe haben oder nur innerhalb eines Millieus von Menschen mit gleicher Hautfarbe aufgestiegen sind. Hierfür gibt es ein sprachliches Beispiel: melting pot .

    Anhand der Bevölkerungsentwicklung in der besagten US Stadt lässt sich zudem ablesen, dass ein Einzelfall vorliegt, bei dem es besser bleiben sollte.

  • „Ein Land was durch Gewalt gegründet, wird durch Gewalt unter gehen“
    Sagt ein alter Häuptling in „Hopis Erzählungen“
    Amerika ist längst ein Polizeistaat geworden. Und die „Homeland-Security“ wird mit immer neuen Rechten ausgestattet. War bei einer Verhaftung eines Schwarzen Jugendlichen in Orlando dabei.
    Sechs Cops, Vier knieten auf dem Jugendlichen und alle prügelten auf den Burschen ein. Wobei die Cops sich gegenseitig auf die Birne hauten und ihre Mützen verloren. Das alles mit einer Hektik, die der Situation nicht angepasst war. Ich war versucht mich da einzumischen, doch mein Begleiter hielt mich zurück. Mit den Worten „das kann hier Tödlich enden“.
    Gott schütze Amerika. LoL

  • @ Herr Maik Maier

    Ich finde ihren Beitrag sehr interessant. Ich hbae nur meine Schwierigkeiten damit, dass der Konflikt in Ferguson nicht auf der Zunahme der farbigen Bevölkerung beruht. Denn anders als in Afrika haben die Menschen in den USA auch die Möglichkeit, Handel zu treiben. Wer Drogen oder Waffen beschaffen kann, der sollte genauso gut in der Lage sein mit Lebensmitteln, Schuhen oder Bekleidung zu handeln. Nun kann man sehr leicht sagen, dass diese Waren in den USA nicht zu bekommen seien, weswegen kein Handeln mit ihnen stattfinden könne. Doch das dürfte gerade in den USA sehr schwierig sein. Wer lesen will, kann sich günstig Bücher in Antiquariaten beschaffen. Der muss keine millionen Dollar verdienen, und er braucht auch keinen teueren Fernseher.

    Jetzt schaut nach Afrika, schaut sich die Konflikte dort an und sieht sehr schnell einen Unterschied zu Europa: die historische Entwicklung des Rechts auf der Grundlage gesellschaftlicher Erfahrungen. Was ist es, was wir hier anders machen, als diese Menschen? Wir hängen nicht am Wort, nicht an den Schrifbildern irgend welcher Autoren. Wir haben unsere Freiheit...
    Die Konflikte in Afrika werden auch nicht zwischen schwarzen und weißen Menschen ausgetragen, jedenfalls nicht so grundsätzlich wie in den Fällen, wo von Rassenkonflikten gesprochen wird.

    In den USA gibt es eine mit hiesigen Zuständen vergleichbare Ausformung der Freiheit. Wer soll diese Freiheit verteidigen?
    Wenn in den Nachrichten davon gesprochen wird, dass es in den USA einen Toten durch Polizeigewalt gab, und dieser Tote ein Farbiger ist, dann wird häufig übersehen, dass die Polizei gerade dabei ist, einen Straftäter zu überführen. Die Bilder und Berichte aus den USA weisen nach, dass die Täter immer flüchten wollen und die Aufnahmen stammen aus den Abend- oder Nachtstunden. Die Polizei muss eine Möglichkeit haben, den Täter auf der Flucht zu stoppen. Hier in Deutschland setzt dann die sogenannte Verfolgungsjagd ein.(Teil 1)

  • Ich gehe doch davon aus, daß die EU-Polizei mitübt um damit die gewählten EU-Funktionsträger besser vor demokratiefeindlichen Übergriffen zu schützen.

  • "Und viel Spass noch mit den offenen Grenzen und der Willkommenskultur."

    Das ist nicht das Problem! Das liegt tiefer. Ob man Deutschland oder gleich die ganze EU betrachtet, ist nur eine Frage des Blickwinkels. Die (Macht-)Verhältnisse sind gleich.

  • Stimmt so nicht ganz. Die Nationalgardisten sind Milizsoldaten der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und haben mit der Polizei in summa nichts zu tun! Die USNG (United Staates National Guard) ist eine bedeutende Einheit der US-Armee und besteht aus gut 350.000 Kämpfern! Und nur so nebenbei bemerkt, man stelle sich einmal die empörten Berichte vor, wenn Gleiches zum Beispiel in Moskau ablaufen würde und dort zur Unterstützung der Polizei noch Einheiten der russischen Armee eigesetzt würden!

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