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Kreuzfahrtschiff in Japan Die Quarantäne auf der „Diamond Princess“ endet – die Angst vor einer Epidemie wächst

Ein Virologe hatte sich auf das Schiff geschlichen. Was er sah, erschreckte ihn. Mit dem Ende der Quarantäne droht auch das Virus mit von Bord zu gehen.
19.02.2020 - 14:35 Uhr Kommentieren

Quarantäne beendet: Erste Passagiere verlassen die „Diamond Princess“

Yokohama Für die ersten Passagieren des Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“ ist die 14-tägige Quarantäne im Hafen von Yokohama zu Ende gegangen. Mehrere Hundert der fast 2.700 Passagiere durften bereits das Schiff verlassen. Der Rest der Kreuzfahrer, die negativ auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 getestet wurden, soll bis Freitag folgen.

Doch für 542 Insassen und ihre engen Begleiter verlängert sich die virale Odyssee noch mindestens um 14 Tage, da das Virus sie infiziert hat. Und auch die Freigelassenen können sich nicht sicher fühlen. Die amerikanische Seuchenkontrollbehörde CDC warnte bereits, dass die Quarantäne auf dem Kreuzfahrtschiff ungenügend gewesen sei und die Entlassung der Passagiere ein „fortlaufendes Risiko“ einer Ausbreitung des Virus darstelle.

Inzwischen packt auch ein erster Augenzeuge über die Zustände an Bord aus, ein glaubwürdiger noch dazu. Der japanische Virologe Kentaro Iwata von der Kobe Universität hatte sich Zugang zum Schiff verschafft und war nach ein paar Stunden von Bord gewiesen worden. Doch was er in der Zeit sah, erschreckte ihn so sehr, dass er seine Erfahrungen auf der Videoplattform YouTube teilte.

Er habe schon viele Infektionskrankheiten behandelt, erzählt Iwata. Beim verwandten Sars-Virus in China im Jahr 2003 hat er geholfen, später bei der Ebola-Welle in Afrika. „Ich habe nie Angst gehabt, mich zu infizieren, weil ich wusste, wie ich mich und andere beschütze“, sagt er. „Aber auf der ,Diamond Princess‘ hatte ich Angst.“

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    Das Schiff sei nicht ein bisschen für die Quarantäne geeignet, erzählt der Experte. Beamte hätten das Sagen gehabt und nicht Experten, meint Iwata. Daher sind seines Erachtens die notwendigen Schutzprotokolle nicht eingeführt worden. So sei das Schiff nicht in „grüne“ (sichere) und „rote“ (unsichere) Zonen aufgeteilt worden, in denen sich die Mitarbeiter nur in Schutzkleidung hätten aufhalten dürfen.

    Stattdessen rannten die Crew und die Hilfskräfte frei in allen Regionen des Schiffes herum, und aßen teilweise ihre Mahlzeiten auf dem Gang. Nicht einmal die Doktorin habe sich geschützt, erinnert sich der Spezialist. Da wundert es nicht, dass auch viele Passagiere offenbar die Regeln nicht einhielten.

    Der amerikanische Passagier Matthew Smith beschrieb eine ältere Frau, die sich auf dem Balkon ohne Maske und den angeordneten Sicherheitsabstand Angesicht zu Angesicht mit ihren Kabinennachbarn unterhalten hatte. Für den japanischen Arzt Iwata ist es daher kein Wunder, dass sich so viele auf dem Schiff infiziert hätten.

    Mit dem Von-Bord-Gehen der bisher auf dem Schiff einquartierten Passagiere droht daher nun auch das Virus mit von Bord zu gehen. Denn bisher gilt offiziell die Annahme, dass der Virus eine bis zu 14-tätige Inkubationszeit besitzt.

    Vielen Passagieren droht in ihren Heimatländern daher erneut eine zweiwöchige Quarantäne. Auch der Arzt Iwata hat sich in ein Zimmer eingeschlossen, weil er Familie und Mitarbeiter nicht gefährden will.
    Experten erwarten wenigstens eine moderate Welle an Infizierungen – selbst in Japan.

    Es ist durchaus möglich, dass sein Beispiel bald in ganz Japan Schule macht. Denn schon jetzt haben die Gesundheitsbehörden in Japan und auch Südkorea die nächste Stufe der Infektionswelle ausgerufen – die Verbreitung daheim. In Japan wurden vorige Woche die ersten Fälle identifiziert, bei denen nicht mehr festgestellt werden konnte, wo die Betroffenen sich das Virus eingefangen hatten. Südkorea folgte diese Woche.

    Verbreitung in anderen Ländern

    Für den Virologie-Professor Hitoshi Oshitani von der japanischen Tohoku-Universität ist dies erst der Anfang. Sein Hauptszenario ist eine moderate Ausbreitung des Virus in Japan, vielleicht mit einige größeren lokalen Clustern. „Meine größte Sorge sind größere Ausbrüche in anderen Ländern“, sagt er allerdings.

    Gerade in Entwicklungsländern sind zwar bisher kaum Fälle bekannt. Aber Experten führen das darauf zurück, dass die Länder viel weniger Ressourcen für große Testreihen haben als Industrieländer. Und selbst Japan musste erst Kapazitäten aufbauen. Inzwischen können täglich 3.800 Tests durchgeführt werden. Oshitani meint daher: „Ich bin mir sicher, dass wir einen größeren Ausbruch in Asien oder Afrika sehen werden.“

    Ein Problem ist der Charakter des Coronavirus. Auch das Sars-Virus im Jahr 2003 gehörte zu dieser Familie. Aber beide sind sehr unterschiedlich, erklärt Oshitani, der damals die Weltgesundheitsorganisation WHO beriet.

    Der Sars-CoV-2-Erreger hätte bisher eine weit geringere Sterblichkeit als Sars oder das spätere Mers-Virus, das von Kamelen auf Menschen übersprang. Viele Infektionen verliefen nicht symptomatisch oder nur mit leichten Erkrankungen und würden daher gar nicht festgestellt. Dafür verbreitet sich das neue Virus allerdings anscheinend schneller als seine tödlicheren Vorgänger.

    Viele unerkannte Fälle

    Eine in der China CDC Weekly, einer Plattform für die Verbreitung von Fortschritten im Bereich der öffentlichen Gesundheit, veröffentlichte Studie verdeutlicht das: In den jüngeren Altersgruppen liegt die Sterblichkeitsrate dabei zwischen 0,2 und 0,4 Prozent.

    Bei Personen in den 50er-Jahren steigt sie dann auf 1,3 Prozent, in den 60ern auf 3,6 Prozent, in den 70ern auf acht und bei den über 80-Jährigen auf 14,8 Prozent – meist wegen Lungenentzündungen. Bei Sars lag die durchschnittliche Rate bei elf Prozent und stieg bei Senioren auf über 50 Prozent.

    Die Behörden stehen damit vor der Herausforderung, dass viele Fälle gar nicht erkannt werden, meint der japanische Experte. Außerdem ist bis heute noch nicht gänzlich klar wie sich das Virus überträgt und ab wann es ansteckend ist.

    Bei den beiden gefährlichen Vorgängern seien die Infizierten erst in der späten Phase ansteckend geworden, erzählt Oshitani. Daher konnten die Wellen gestoppt werden. Das neue Virus scheine sich eher wie eine Grippe auszubreiten, meint der Experte. „Das macht die Eindämmung viel schwieriger.“

    Tatsächlich sind offenbar auch die Fachleute von der Macht der Viren überrascht worden. Die Ausbreitung verlaufe schneller als in der Vergangenheit, weil auch mehr gereist werde, meint Oshitani. Die Länder würden nun versuchen, das Virus einzuholen. Aber für eine knallharte Isolierungspolitik sei es wohl schon zu spät, meint der Experte.

    Er geht daher davon aus, dass Japans Regierung bald erklären wird, dass leichte Fälle nicht mehr in spezialisierten Isolierstationen behandelt werden, sondern in normalen Krankenhäusern oder daheim. Die medizinischen Einrichtungen müssten sich auf die schweren Fälle konzentrieren.

    Olympische Spiele in Gefahr?

    Er plädiert zudem dafür, alle Kräfte zu mobilisieren, um jetzt die Infektionsketten so schnell wie möglich festzustellen. „Wir müssen den schlimmsten Fall vermeiden“, warnt er, eine große landesweite Epidemie. Sonst sieht er sogar die Olympischen Sommerspiele in Tokio in Gefahr.

    Derzeit ist zu wenig über das Virus bekannt. „Ich bin mir nicht sicher, wie die Lage Ende Juli in Japan aussehen wird.“ Noch ist er zwar guter Hoffnung, dass in Japan bis dahin die Lage unter Kontrolle gebracht werden kann und es Behandlungsstrategien gibt.

    Höher ist für ihn aber die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus dann in anderen Ländern grassiert und damit das Risiko importierter Fälle steigt. „In dem Fall würde es vielleicht schwierig werden, die Olympischen Spiele durchzuführen“, warnt Virologe Oshitani.

    Mehr: Bereits jetzt ist Japan nach China das Land mit der zweithöchsten Zahl an Infektionsfällen. Mittlerweile rationieren Drogerien die Gesichtsmasken.

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