Krieg in Libyen Plant Gaddafi Flucht ins Ausland?

Gaddafi verspricht seinen Anhängern den Sieg. Der Diktator hat sich im Fernsehen zu Wort gemeldet. US-Außenministerin Clinton wiederum vermutet, Gaddafi prüfe Optionen für eine Zukunft im Ausland.
Update: 23.03.2011 - 04:05 Uhr 30 Kommentare
Gadaffi hält Ansprache im libyschen Staatsfernsehen. Quelle: dapd

Gadaffi hält Ansprache im libyschen Staatsfernsehen.

(Foto: dapd)

Tripolis/BrüsselDer durch den internationalen Militäreinsatz unter Druck stehende libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi prüft nach Angaben der US-Regierung angeblich bereits Möglichkeiten für eine Zukunft außer Landes.

„Wir haben von Leuten aus seinem Umfeld gehört, die mit Menschen, die sie überall auf der Welt kennen, Kontakt aufnehmen“, sagte US-Außenministerin Hillary Clinton am Dienstag dem US-Sender ABC. Dabei würden dann Fragen gestellt wie „Was machen wir? Wie kommen wir aus der Sache raus? Was passiert als nächstes?“ Zwar habe sie keine Informationen, dass Gaddafi selbst Kontakte aufgenommen habe, „aber ich weiß, dass Leute angeblich in seinem Namen die Fühler ausstrecken“, sagte Clinton. Ein Teil davon sei sicher nur Theater. Dennoch glaube sie, dass Gaddafi die Optionen prüfen lässt, wohin er gehen könnte. „Und wir würden das unterstützen“, sagte Clinton.

Ungeachtet der ständigen Angriffe einer internationalen Streitmacht gibt sich Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi jedoch weiter siegessicher. In einer am Dienstagabend vom staatlichen libyschen Fernsehen übertragenen Rede versprach er vor jubelnden Anhängern, die Angreifer zurückzuschlagen. „Wir werden nicht aufgeben. Wir lassen uns nicht terrorisieren. Wir werden sie auf jeden Fall besiegen, auf kurz oder lang“, sagte Gaddafi. Er hielt die Rede in der am vergangenen Sonntag bei einem Luftangriff schwer beschädigten Kommandozentrale in Tripolis. Zugleich forderte Gaddafi die islamischen Staaten auf, sich dem Kampf anzuschließen. „Alle muslimischen Armeen müssen sich an der Schlacht gegen die Kreuzfahrer beteiligen.“ Dabei würden sie von vielen Menschen unterstützt. „Überall auf der Welt gibt es Proteste, um Euch zu unterstützen, in Asien, Afrika, Amerika und Europa“, sagte Gaddafi.

Unterdessen hat sich US-Präsident Barack Obama zuversichtlich geäußert, dass die USA die Führung der Militäraktion in Libyen innerhalb der kommenden Tage an die NATO übertragen können. Er zweifle nicht daran, dass Washington seinen Beitrag zu der Aktion zurückfahren könne, sagte Obama am Dienstag während eines Aufenthalts in El Salvador. Über die Rolle der NATO bei dem Einsatz wurde innerhalb des Militärbündnisses bislang keine Einigung erzielt.

Die Vereinigten Staaten rechnen nach Aussage von US-Außenministerin Hillary Clinton mit einem Kommandowechsel bei dem Militäreinsatz in Libyen innerhalb der kommenden Tage. „Ob es bis Samstag geschieht oder nicht, hängt von der gemeinsamen Bewertung durch unsere militärischen Kommandeure mit den Alliierten und Partnern ab“, sagte sie in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC. Wer die Führungsrolle von den Amerikanern übernehmen werde, sei noch offen, aber die Nato werde klar eine Rolle an der Front haben. „Die Nato wird definitiv involviert sein, weil viele Nato-Mitglieder sich diesem Prozess verpflichtet sehen. Und sie wollen eine Kommando-und-Kontroll-Struktur, die organisiert ist“, sagte sie. Sie sei sehr „entspannt“, was diese Diskussion angehe. Alles gehe in die richtige Richtung.

Nach schweren Luftangriffen der Koalition auf Ziele in Libyen hat die Führung in Tripolis am Dienstagabend einen Waffenstillstand angekündigt. Der libysche Ministerpräsident Al Baghdadi Ali al-Mahmoudi informierte darüber den UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Die internationale Kritik an dem Militäreinsatz nahm indessen weiter zu, die russische Regierung bot eine Vermittlung in dem Konflikt in Nordafrika an. Nach Tagen des Zögerns wird nun auch die Nato aktiv: Das Bündnis begann am Dienstag mit einem Marineeinsatz zur Umsetzung des vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Waffenembargos gegen Libyen. Die Bundesregierung zog daraufhin alle deutschen Kräfte aus den Bündnisoperationen im Mittelmeer zurück.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon berichtete am Dienstagabend während eines Tunis-Besuchs von dem Waffenstillstandsangebot aus Tripolis.

Wie Ban ausführte, hatte ihn Al-Mahmoudi persönlich angerufen und darüber informiert. Über die Auswirkung dieser Ankündigung auf die Fronten in Libyen lagen zunächst keine Berichte vor. Auch konnte die Aufrichtigkeit des Angebots vorerst nicht überprüft werden. Tripolis hatte schon am vergangenen Freitag, wenige Stunden nach Verabschiedung der UN-Resolution zur Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen, eine sofortige Feuerpause angekündigt, diese aber nicht eingehalten.

Zuvor hatte Libyens Machthaber Muammar Gaddafi trotz dreier Angriffswellen der westlichen Allianz weiter die Daumenschrauben bei den Rebellen angezogen. Seine Truppen nahmen am Dienstag Misrata und Sintan unter schweren Beschuss. Dutzende Menschen wurden getötet. „In Misrata ist ein Massaker im Gange“, beschrieb ein Sprecher der Aufständischen die Lage in der seit Wochen eingeschlossenen Stadt. Das Zentrum liege im Feuer von Gaddafis Panzern.

Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

30 Kommentare zu "Krieg in Libyen: Plant Gaddafi Flucht ins Ausland?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der verbrecher soll dableiben,wir holen ihn ab und seine billionen gehören den Stämmen.

  • Wie es aussieht, geht es also für Mr. Gaddafi nach Süd- bzw. Mittelamerika, Weißrussland oder Ägypten (http://www.reisecharts.de/2011/03/23/krieg-libyen-aktuell-nato-fuhrung-und-gaddafi-flucht-vermutet/ )Eignetlich egal wo hin, Hauptsache er ist weg aus Libyen!

  • @Zeitzeuge
    Der Bezug zum Völkerrecht ergibt sich aus der Tatsache, dass in einem Bürgerkrieg rechtmäßiges Handeln der beteiligten Seiten nicht von vornherein und schlüssig von neutralen Instanzen beurteilt werden kann.
    Richtig ist, dass sich das Völkerrecht weiterentwickelt hat und inzwischen auch die Wahrung von Menschenrechten zum Gegenstand hat, was aber nicht bedeutet, dass Souveränitätsfragen keine Rolle mehr spielen.
    Es ist kein Zufall, dass die Resolution 1973 nicht den Sturz des lybischen Präsidenten zum Gegenstand hat.
    Die Wahl der angewandten Mittel in einem Bürgerkrieg und deren rechtmäßiger Bewertung ist in der gegenwärtigen Situation der Auseinandersetzung schwer einzuschätzen und noch schwerer zu beurteilen. Insofern hat die Zurückhaltung der deutschen Regierung auch in rechtlicher Hinsicht ihre Gründe.

  • @Kassandrus

    Der sogenannte "Bürgerkrieg", ist ein von Gaddafis inszeniertes und finanziertes Schauspiel. Mich wundert es immer wieder, wie viele tatsächlich auf diese Propaganda noch herein fallen. Sogar einige westliche Medien lassen sich vor diesen Karren spannen.

  • @Rainer_J

    Ihr Kommentar sollte unter dem Motto stehen: wie bastele ich mir mein eigenes Weltbild?

  • Wäre es Ihnen lieber und ist es hinnehmbar, wenn Gaddafi seinen alten Terroristenapparat wieder anlaufen läßt und ein Reisebüro für illegale Einwanderer nach Europa organisiert, um sich am Westen zu rächen? Sie haben wohl nichts davon mitbekommen, welchen "Zauber" Gaddafi mit Schweizer Staatsbürgern veranstaltet hat, weil sein Sohn es sich nicht verkneifen konnte, seine mitreisenden Hausangestellten in der Schweiz zu mißhandeln? Leben Sie hinter dem Mond?

  • @ R.Ruf :
    Wo liegt die Relevanz in Bezug auf das Völkerecht in Ihrer Erwiderung? Sie beschreibe die Verhältnisse und äußern Vermutungen, das ist aber nichts Neues. Unzweifelhaft muß sein, daß die Menschenrechte in Libyen eingehalten werden, diese entsprechen in ihrer Forumlierung und Praxistauglichkeit auch noch unserer Epoche systemischer Umwälzungen, weil sie auf den Schutz der Menschen und nicht auf den Schutz von Organsationssytemen, wie Staaten oder Volksgemeinschaften ausgerichtet sind. Die alles entscheidende Farge muß sein, was aus Libyen wird und welche Gefahren für wen von Libyen ausgehen, wenn es zum Sieg der einen oder anderen Seite kommt und welche Strukturen Gaddafi sonst noch aktivieren kann, die für Europa Schäden bedeuten könnten. Allein an der Beantwortung dieser Fragen muß sich Handeln und Planen ausrichten, das auch auf einer international anerkennungsfähigen Rechtsbasis beruht. An der UN-Beschlußlage wird sich wegen der Rolle Russlands, das unverhohlen mit der Niederschlagung der gaddafikritischen Kräfte sympathisiert und ansonsten gegenwärtig weltpolitsich einflußlos ist, nicht ändern lassen.

  • Die West-Allierten machen es sich langsam zu einfach mit "Länder angreifen"! Der zweite Irak-Krieg war schon moralisch und völkerrechtlich falsch! Der Grund entpuppte sich später als reine Lüge.

    Jetzt hetzt man Leute in Lybien auf und spielt dann den Retter in der Not, um sich das Land unter dem Nagel zu reißen und eine westlich-freundliche Regierung wie im Irak zu installieren. Die vielen Toten sind egal.

    Sarkozy hat innenpolitisch viele Probleme (finanziell steht Frankreich auch nicht viel besser da, als z.B. Spanien). Innenpolitisch schwache Länder starten häufig Kriege, um das Land zu einen.

    Außerdem werden die neuen Diktatoren in Lybien sich an Frankreich und USA erinnern und dessen Militär- und Ölkonzerne für die nächsten Jahrzehnte mit Aufträge beglücken.

    Länder wie Deutschland, die die Gewalt beider Seiten nicht unterstützen, gehen natürlich dann leer aus.

    Deutschland würde aber auch leer ausgegehen, wenn wir mitmachen. Daher können wir es am besten sein lassen!

  • @Zeitzeuge
    Es handelt sich bei den Auseinandersetzungen in Lybien um einen Bürgerkrieg in dem beide Seiten bewaffnet um die Macht kämpfen.Welche Mittel Gaddafi anwendet wissen wir.Wie die Putschisten reagieren falls sie die Oberhand gewinnen ist völlig ungewiss, da die führenden Köpfe so gut wie unbekannt sind und sich teilweise aus übergelaufenen Gadaffi-Leuten rekrutieren, die bestimmt auch nicht besonders zimperlich mit ihren Gegnern umgehen.
    Davon abgesehen hat der Aufstand gegenwärtig nur geringe Chncen militärisch zu siegen wenn keine Bodentruppen von außen eingreifen, möglicherweise kann sich die Beschlusslage ja noch ändern.
    Dass in einer so unklaren Lage Frau Merkel keine große Lust hat sich zu engagieren ist nachvollziehbar.
    Diejenigen die jetzt militärisch eingreifen werden noch gewaltig ins Grübeln geraten, wenn die Aufständigen keine Offensive in Richtung Tripolis zu Stande bekommen.

  • @ PeterScholz1 :

    Russland wird demnächst von den Chinesen aufgekauft, darüber sollte man sich Gedanken machen. Putin fehlt es nicht an Machtwillen und krimineller Energie, aber dafür an Weitsicht und Einsicht in die Substanzlosigkeit seines mit den destruktiven Methoden des Stalinismus zusammengehaltenen Systems.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%