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Krieg in Syrien Assads Armee teilt Ost-Ghuta

Assads Armee rückt weiter in Ost-Ghuta vor. Das Rote Kreuz musste einen Hilfskonvoi absagen, auch Chlorgas soll eingesetzt worden sein.
Update: 08.03.2018 - 15:53 Uhr Kommentieren
  • Handelsblatt
Das Rote Kreuz musste einen für Donnerstag  geplanten Hilfskonvoi nach Ost-Ghuta absagen. Quelle: dpa
Konflikt in Syrien

Das Rote Kreuz musste einen für Donnerstag geplanten Hilfskonvoi nach Ost-Ghuta absagen.

(Foto: dpa)

Beirut/Amman Die syrische Armee hat einen Keil in die Rebellen-Enklave Ost-Ghuta getrieben und sie nach Angaben einer regierungstreuen Miliz faktisch zweigeteilt. Die aus Osten vorstoßenden Kämpfer stünden davor, sich mit Einheiten im Westen zusammenzuschließen, sagte ein Kommandeur der Miliz am Donnerstag. Ein Rebellenvertreter bestritt diese Darstellung. Wegen der Kämpfe sagte das Rote Kreuz einen geplanten Hilfskonvoi nach Ost-Ghuta ab. Helfer und Oppositionsvertreter warfen der Regierung den Einsatz von Chlorgas vor. Der UN-Sicherheitsrat wiederholte seine Forderung nach einer 30-tägigen Feuerpause im gesamten Land.

Ein noch nicht von regierungstreuen Kräften besetzter, etwa ein Kilometer breiter Gebietsstreifen sei eine No-Go-Area, sagte der Milizen-Kommandeur. Sie liege in direkter Schusslinie der Regierungstruppen und könne von den Aufständischen nicht mehr genutzt werden. Daher sei die Enklave militärisch geteilt. Ähnliches hatte am Mittwoch auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet. Ein Sprecher der Rebellengruppe Failak al-Rahman wies hingegen die Berichte über eine Teilung des Gebietes östlich von Damaskus zurück. Rebellenvertreter kündigten an, ihre Taktik zu ändern. In den verlorenen Gebieten würden sie sich auf einen Guerilla-Kampf einstellen, um den Vormarsch der Regierungstruppen aufzuhalten.

Die syrische und die mit ihr verbündete russische Regierung begründen ihre Angriffe damit, den Beschuss der Hauptstadt durch Rebellen zu stoppen. Nach Angaben der Beobachtungsstelle kamen dabei seit Mitte Februar 27 Menschen ums Leben, die staatlichen Medien sprechen von mehr Toten. Nach Informationen der Beobachtungsstelle wurden durch die syrische Militäroffensive in den vergangenen 18 Tagen knapp 900 Zivilisten getötet, allein 91 am Mittwoch. In der Region leben laut Vereinten Nationen rund 400.000 Menschen.

Die Regierung wies Vorwürfe zurück, Chlorgas einzusetzen. Russland und Syrien beschuldigen ihrerseits die Rebellen, Giftgas zu verwenden. Helfern der sogenannten Weißhelme zufolge waren bei einem Angriff am Mittwoch etwa 50 Zivilisten von Chlorgas betroffen. Ärzte gaben die Zahl mit mehr als 100 an. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian bekräftigte die Entschlossenheit seines Landes zu handeln, sollte nachgewiesen werden, dass Menschen durch Chemiewaffen getötet wurden. Wie eine mögliche militärische Intervention aussehen könnte, sagte er aber nicht.

Zugleich rief Le Drian Russland und den Iran auf, ihren Einfluss auf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad geltend zu machen und ihn zur Einhaltung der von den UN geforderten 30-tägigen Feuerpause zu drängen. Das UN-Nothilfebüro (Ocha) appellierte an die Kriegsparteien, Hilfskonvois ungehinderten Zugang zu gewähren. Am Montag hatte ein Transport das Gebiet erreicht. Über ein Dutzend Lkw konnten aber nicht entladen werden, weil der Konvoi wegen anhaltender Luftangriffe vorzeitig das Kampfgebiet wieder verließ.

Der syrische UN-Botschafter in Genf, Hussam Aala, rechtfertigte die Angriffe in Ost-Ghuta. Sie stünden im Einklang mit internationalem humanitärem Recht und hätten Terror-Organisationen zum Ziel. Die Regierungstruppen hätten sich an eine tägliche Feuerpause gehalten, die Terroristen hätten jedoch pausenlos Damaskus beschossen. Staatlichen Medien zufolge öffnete die syrische Regierung für Zivilisten einen zweiten Fluchtkorridor im Süden der Enklave.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärte derweil, der Militäreinsatz seines Landes gegen die kurdische YPG-Miliz in der nordsyrischen Region Afrin werde im Mai abgeschlossen. Die Regierung in Ankara sieht die YPG als Teil der als Terrororganisation eingestuften PKK. In Syrien ist die YPG mit den USA im Kampf gegen die Islamistenmiliz IS verbündet.

  • rtr
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