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Kriegsverbrechen Bis zu 290 Milliarden Euro – Griechenland will Reparationsforderungen an Deutschland stellen

Athen will von Deutschland Geld für die im Zweiten Weltkrieg erlittenen Schäden fordern. Die Bundesregierung weist die Forderungen entschieden zurück.
Update: 18.04.2019 - 10:48 Uhr 6 Kommentare
Griechenland will Reparationsforderungen an Deutschland stellen Quelle: Reuters
Überlebende im Mausoleum des Dorfs Distomo

Der Ort wurde im Zweiten Weltkrieg niedergebrannt.

(Foto: Reuters)

AthenDas griechische Parlament hat am Mittwochabend beschlossen, offiziell von Deutschland Reparationszahlungen für die Kriegsschäden und -verbrechen im Zweiten Weltkrieg einzufordern. Es geht einer griechischen Expertenkommission zufolge um bis zu 290 Milliarden Euro.

Mit großer Mehrheit stimmte das Plenum für eine Vorlage des Parlamentspräsidenten Nikos Voutsis, mit der die griechische Regierung aufgefordert wird, alle notwendigen diplomatischen und rechtlichen Schritte einzuleiten.

Zunächst soll es sich dabei um eine Verbalnote handeln, üblicherweise die schriftliche Nachricht eines anderen Staates an das deutsche Außenministerium. „Die Forderung von Reparationszahlungen ist für uns eine historische und moralische Pflicht“, sagte Regierungschef Alexis Tsipras in seiner Rede vor dem Parlament am Mittwochabend.

Er habe das Thema nicht mit der schweren Finanzkrise der vergangenen Jahre und den Schulden des Landes verquicken wollen, erklärte Tsipras. Jetzt aber, nach dem Ende der internationalen Hilfsprogramme, sei der richtige Zeitpunkt gekommen. „Wir haben jetzt die Chance, dieses Kapitel für beide Völker abzuschließen.“ Wichtig sei ihm, mit Deutschland auf Augenhöhe und freundschaftlich zusammenzukommen.

Die Bundesregierung wies die Reparationsforderungen am Donnerstag entschieden zurück. „Die Haltung der Bundesregierung ist unverändert: Die Frage nach deutschen Reparationen ist juristisch wie politisch abschließend geregelt“, sagte ein Regierungssprecher.

Berlin stützt sich dabei auf den 1990 zur Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag, in dem es heißt, es seien „keine weiteren Reparationen“ vorgesehen.

Die deutsche Wehrmacht hatte Griechenland im Zweiten Weltkrieg 1941 besetzt. Zehntausende Griechen wurden im Kampf gegen die deutschen Besatzer oder bei Vergeltungsaktionen der Wehrmacht getötet. Die griechische Seite möchte zudem einen Ausgleich für eine Zwangsanleihe, die die griechische Nationalbank 1942 auf deutschen Druck ausgeben musste.

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte am Mittwoch betont, dass sich Deutschland seiner historischen Verantwortung bewusst sei. „Wir wissen um die große Schuld, um das große Leid, das Deutschland und Deutsche zu Zeiten des Nationalsozialismus über Griechenland gebracht haben.“

Deshalb bemühe man sich um gute Beziehungen zum Euro- und EU-Land Griechenland als „Freunde und Partner“. Auch in Polen gibt es Forderungen nach Reparationen, dort geht es um eine Summe von rund 800 Milliarden Euro.

Bei der Debatte im griechischen Debatte hatte es am Mittwoch im Laufe des Tages bittere Momente gegeben, etwa als Augenzeugenberichte von Nazimassakern in griechischen Dörfern verlesen wurden. Aber auch die Populisten nutzten die Gunst der Stunde.

Ministerpräsident Alexis Tsipras wolle mit den Reparationsforderungen nur Stimmen für die im Oktober anstehende Parlamentswahl gewinnen, hieß es. Die rechtsextreme Partei „Goldene Morgenröte“ machte gar eine ganz eigene Rechnung über die Reparationen auf. Höhe: 400 Milliarden Euro.

Von Deutschland sei ohnehin nichts zu erwarten, warnten hingegen andere Parlamentarier: „Die deutsche Seite ist der Meinung, dass sie das Thema mit der Zahlung von 160 Millionen Mark an die Opfer und der Aufnahme von rund 420.000 Gastarbeitern abgegolten hat“, sagte Oppositionspolitiker Vasilis Leventis.

Brexit 2019
  • dpa
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6 Kommentare zu "Kriegsverbrechen: Bis zu 290 Milliarden Euro – Griechenland will Reparationsforderungen an Deutschland stellen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Stoppt die Besatzung der deutschen Ostgebiete durch Russland und Polen! Jetzt!!! Millionen von deutschen wurden aus der Wiege der preußisch/ deutschen Zivilisation vertrieben. Unsere heutige Hauptstadt befindet sich bis heute in einem wirtschaftlich miserablen Zustand augrund der Besatzug durch die Alliierten bzw. aufgrund der Spätfolgen. Die "Wiedervereinigung" von 1990 war lediglich eine Teilwiedervereinigung. Möglicherweise hatten die Menschen in den 1930er Jahren Recht, die NSDAP zu wählen, denn die Reparationslasten der Alliierten an unsere Leute waren unerträglich nach dem 1. Weltkrieg. Bis heute grassiert in der Welt lediglich die Gewinnerperspektive der Alliiierten. Vergessen sind die Menschen aus Mitteleuropa, die lediglich die Interessen ihres eigenen Landes verteidigt haben. Wie viele Besatzungen gab es auf der Welt unter den Briten, den Franzosen, den Amerikanern, die zuletzt in den Irak einmarschiert sind, um das dortige Volk von Saddam Hussein zu befreien? Was ist aus Irak und Syrien seitdem geworden? Wo sind die Reparationen lieber Westen und lieber Osten? Ihr bombardiert bis heute Syrien. Ihr habt Afrikaner versklavt und um die halbe Welt verschifft. Habt Inder um die halbe Welt verschifft. Und noch nicht einen Penny oder Euro, oder Rubel oder US-Dollar an Reparationen geleistet. Deutschland sollte sich neue Allianzen aufbauen. Und nicht unsere Interessen gegenüber Europäern preisgeben, die unsere hart arbeitenden Leute lediglich ausnehmen wollen und ihre Zahlen gefälscht haben um in den Euro aufgenommen zu werden. Die Deutschen sind viel zu nachgiebig und bescheiden und angepasst. Ein Resultat der alliierten Besatzung. Sie haben uns gefügig gemacht und bescheiden.

  • Gegebenenfalls Deutschland bezahlt in irgendeiner Weise wie Schuldenerlaß etc, was bzw. wer kommt dann als nächster? Polen, Tschechei, Belgien, Italien, England, ....

    Das Thema ist erledigt, zumal es keine Deutschen mehr gibt, welche für den Krieg verantwortlich sind. Warum sollten viele "Neudeutsche" (Heimatvertriebene, Flüchtlinge, Zuwanderer, ...) für die Schandtaten der "Altdeutschen" bezahlen? Andernfalls müßten die Franzosen für Napolen und die Italiener für Nero bezahlen.

    Es ist einfacher von Fremden Geld einzufordern als selbst zu arbeiten!

  • Wer die Exaktionen der deutschen Wehrmacht und der SS in Griechenland gesehen und erlebt hat, würde nicht so reagieren wie die meisten Kommentarschreiber. Das Land wurde ausgenommen, vergewaltigt, ausgeplündert und wirtschaftlich um ein halbes Jahrhundert zurückkatapultiert. Das sind die Fakten.
    Ob nach so langer Zeit solche Forderungen noch anegbracht sind, eine aus der finanziellen Not geborene Idee, ist fragwürdig. Sogar 100 Milliarden des schwindsüchtigen Euros würden nicht lange halten, das Fass ist zerlöchert, die Mentalität der herrschenden politischen Elite bizarr.

    Das Gespenst des 1000jährigen Reiches ist immer noch da. Paul Ginor ist mit seinem Kommentar am nächsten, wie das irgendwie geregelt werden wird.

  • "the same procedure as every year"
    Das Thema ist noch lange nicht durch. Auf die eine oder andere Art und Weise werden die Griechen erfolgreich sein. Es wird bilaterale Kredite geben und Deutschland wird Vorreiter in Sachen Schuldenerlass werden.

  • Urlaub in Griechenland? NIE WIEDER. Und Produkte aus Griechenland werde ich auch nicht mehr kaufen!

  • Die Dummheit ist grenzenlos!