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Krise abgewendet Wahl in Afghanistan wird neu ausgezählt

Die Präsidentenwahl in Afghanistan drohte zur Farce zu werden. Im letzten Moment gelingt es US-Außenminister Kerry, beide Parteien zu einem Kompromiss zu bewegen und einen Eklat abzuwenden - zumindest vorerst.
13.07.2014 - 08:46 Uhr Kommentieren
US-Außenminister John Kerry (links) sorgte für eine Einigung der zerstrittenen Präsidentschaftskandidaten Ashraf Ghani (Mitte) und Abdullah Abdullah. Quelle: AFP

US-Außenminister John Kerry (links) sorgte für eine Einigung der zerstrittenen Präsidentschaftskandidaten Ashraf Ghani (Mitte) und Abdullah Abdullah.

(Foto: AFP)

Kabul In der Krise um die Präsidentenwahl in Afghanistan haben sich die Kontrahenten Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani auf eine Überprüfung aller abgegebenen Stimmen geeinigt. Das erklärten die beiden Kandidaten sowie US-Außenminister John Kerry am Samstagabend in Kabul. Sie forderten den scheidenden Präsidenten Hamid Karsai dazu auf, die für den 2. August geplante Amtsübergabe zu verschieben, um für die Prüfung der Stimmen Zeit zu gewinnen.

Kerry sagte: „Beide Kandidaten haben sich verpflichtet, bei der größtmöglichen und umfassendsten Überprüfung mitzuwirken und ihre Ergebnisse zu akzeptieren.“ Mit der nach zwei Tagen erzielten Einigung wurde das befürchtete Scheitern der ersten demokratischen Machtübergabe in der Geschichte Afghanistans zunächst abgewendet.

Kerry war am Freitag nach Kabul gereist, um im Streit um Betrugsvorwürfe bei der Stichwahl vom 14. Juni zu vermitteln. Seitdem führte er mehrere Gesprächsrunden mit Abdullah und Ghani sowie mit Präsident Karsai und dem UN-Sondergesandten Jan Kubis.

Die Erben Karsais
Hamid Karsai
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Präsident Hamid Karsai

Karsai, der seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 regiert, darf bei der Wahl an diesem Samstag nicht erneut antreten. Die Verfassung erlaubt nur zwei Amtszeiten. Acht Kandidaten wollen Präsident werden, der in Afghanistan wie in den USA zugleich Regierungs- und Staatschef ist.

(Foto: dpa)
Afghan Presidential elections last day of campaigning
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Abdullah Abdullah

Abdullahs Vater war ein Paschtune aus Kandahar, seine Mutter stammte aus dem Pandschir-Tal. Damit ist der 60-Jährige, der in der Hauptstadt Kabul geboren wurde, der einzige Halb-Tadschike im Rennen um den Präsidentenposten. Der Augenarzt war ein Vertrauter des legendären Nordallianz-Führers Ahmad Schah Massud, der gegen die sowjetischen Besatzungstruppen und später gegen die radikalislamischen Taliban kämpfte, bevor er 2001 ermordet wurde.

(Foto: dpa)
huGO-BildID: 36228273 Afghan presidential candidate Abudullah Abdullah (C) is escorted by his security detail on the last day of campaigning by presi
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Bis 2006 war Abdullah Außenminister unter Karsai. Bei der Präsidentenwahl vor fünf Jahren trat er gegen den Amtsinhaber an. Die Abstimmung wurde von massivem Betrug überschattet, der insbesondere dem Karsai-Lager angerechnet wurde. Karsai gewann die Wahl, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Abdullah wurde zweiter. Vor einer geplanten Stichwahl zog sich Abdullah überraschend aus dem Rennen zurück, obwohl er ein ausgesprochener Karsai-Kritiker ist

(Foto: AFP)
Ghani
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Aschraf Ghani

Ghani wurde 1949 ebenfalls in Kabul geboren und studierte in den USA. Bis 2004 war er Finanzminister in Karsais Übergangsregierung. Auch Ghani trat 2009 gegen den Amtsinhaber an, landete aber mit nur drei Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem vierten Platz. In den vergangenen Wochen gelang es Ghani, zahlreiche Anhänger aus unterschiedlichsten Schichten zu mobilisieren.

(Foto: dpa - picture alliance)
GhaniII
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Ghani-Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung: Der ehemalige Weltbank-Mitarbeiter liegt bei allen Auszählungen vorn.

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Rassoul
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Salmai Rassoul

Der 72-Jährige ist mit der Familie des früheren Königs verwandt und war dessen Leibarzt. Bis 2010 war er Nationaler Sicherheitsberater in Karsais Kabinett, dann ernannte der Präsident ihn zum Außenminister. Im vergangenen Jahr trat er zurück, um als Präsident zu kandidieren. Rassoul besuchte die französische Schule in Kabul und studierte in Frankreich. Anders als Abdullah und Ghani setzt Rassoul auf Kontinuität, er will Karsais Politik fortführen. Unter den Favoriten war er bei Wahlkampfauftritten am wenigsten charismatisch.

(Foto: dpa - picture alliance)
Afghanische Präsidentschaftskandidaten
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Salmai Rassoul, Abdulla Abdullah und Aschraf Ghani (v.l.): Zwar hat Karsai öffentlich keinem der Bewerber seine Unterstützung zugesagt, Rassoul wird aber als bevorzugter Kandidat des Präsidenten gehandelt. Befürchtet wird, dass Karsai im Falle von Rassouls Wahlsieg im Hintergrund weiter die Strippen ziehen könnte. Rassoul ist der einzige unter den drei Favoriten, der eine Frau im Team hat: Sollte er siegen, würde die bisherige Provinzgouverneurin Habiba Surabi zweite Vizepräsidentin.

(Foto: dpa)

Nach dem vorläufigen Ergebnis der Stichwahl um das Präsidentenamt liegt Ex-Finanzminister Ghani deutlich vor dem früheren Außenminister Abdullah. Abdullah hat das auf massiven Wahlbetrug zurückgeführt, das Ergebnis zurückgewiesen und den Sieg für sich reklamiert. Er hatte die erste Wahlrunde klar gewonnen. Besonders verdächtig ist die unrealistisch hohe Beteiligung an der Stichwahl, die nach Angaben der Wahlkommission bei rund zwei Dritteln der Wahlberechtigten lag.

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    Die Überprüfung der Stimmen soll nach Kerrys Angaben bereits an diesem Sonntag beginnen und von den Vereinten Nationen überwacht werden. Mit der Einigung vom Samstagabend ist die von der Wahlkommission für den 22. Juli geplante Bekanntgabe eines amtlichen Endergebnisses vom Tisch.

    „Dreieck des Betrugs“
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