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Krise durch Vogelgrippe Chinas Führung droht Vertrauensverlust

Die in Asien grassierende Vogelgrippe bringt zunehmend die Regierung der zehn betroffenen Staaten in Erklärungsnot. Die Führung in Peking sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, die Krankheit sei zuerst in China ausgebrochen und habe sich dann schnell ausgebreitet, weil die Behörden Informationen zu lange zurückgehalten hätten.
  • Oliver Müller und Markus Gartner (Handelsblatt)

BANGKOK/PEKING. Und in Thailand steht Thaksin Shinawatra, der vor drei Jahren nach einem Erdrutschsieg als Premier angetreten war, der ersten echten Bewährungsprobe in seiner Amtszeit gegenüber. Der Region, die sechs Jahre nach dem Ausbruch der Asien-Krise und sieben Monate nach dem Ende der SARS-Epidemie um das Vertrauen der Investoren kämpft, droht durch die Geflügelpest ein herber Rückschlag.

Ein Anfang der Woche in der britischen Zeitung „New Scientist“ erschienener Artikel hat in China für Aufruhr gesorgt. Die Geflügelgrippe, schreibt das angesehene Blatt, sei wohl schon in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres ausgebrochen – „wahrscheinlich in China“. Und weiter heißt es: „Eine Kombination von Vertuschung und fragwürdigen Zuchtmethoden erlaubte der Geflügelgrippe, in jene Epidemie auszuarten, die man jetzt sieht.“ Demzufolge könnte das Virus im Zuge einer Massenimpfung chinesischer Farmer an ihren Tierbeständen in Umlauf gebracht worden sein. Der Artikel ruft kaum sieben Monate nach dem Ende der SARS-Epidemie schlimme Erinnerungen wach: Chinas Führung hatte damals im Umgang mit der tödlichen Lungenkrankheit eine denkbar schlechte Figur gemacht.

Neue Brisanz erhält in diesem Zusammenhang der Tod eines aus Hongkong stammenden acht Jahre alten Mädchens und ihres Vaters. Sie waren im Februar 2003 nach einem Besuch in Südchina gestorben. Beim Vater wurde später das H5N1- Virus – der Erreger der Vogelgrippe – nachgewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte China gestern auf, Details über den Tod der beiden herauszugeben.

Auf dem Krisengipfel in Bangkok am Mittwoch wies der zweite Mann in Chinas Ministerium für Landwirtschaft, Qi Jingfa, die Vorwürfe gegen sein Land entschieden zurück: „Wir haben eine sehr strenge Überwachung“, sagte er. Trotzdem forderten Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao die sofortige Schlachtung des gesamten Geflügelbestandes in den betroffenen Gebieten Chinas.

Nicht nur die chinesische, sondern auch die Führung in Bangkok sieht sich schweren Vorwürfen gegenüber. Die Welternährungsorganisation FAO geht davon aus, dass das Virus bereits im November Thailand erreichte. „In manchen Ländern wurden die notwendigen Maßnahmen zu spät getroffen“, sagte Hans Wagner, FAO-Verantwortlicher für Tiergesundheit in Asien, dem Handelsblatt.

Premier Thaksin wird es schwer haben, das zu Hause und im Ausland angeschlagene Vertrauen in seine Regierung wieder herzustellen. Noch vor einer Woche hatte der Multimillionär und charismatische Tycoon vor laufenden Kameras demonstrativ Hühnchen gegessen. Bei der Gelegenheit mahnte er kritische Journalisten, die über den Ausbruch der Vogelgrippe berichteten, ihre „Phantasievorstellungen“ doch bitte zu zügeln. Mit dem Vertuschungsreflex wollte der Regierungschef Schaden von der Geflügelexportindustrie des Landes abwenden – der viertgrößten der Welt.

Inzwischen sind in Thailand 31 von 76 Provinzen betroffen, zwei Kinder starben, weshalb Thaksin am Mittwoch beim Krisengipfel in Bangkok erstmals „menschliche Fehler“ und „administrative Ineffizienz“ beim Umgang mit der Seuche einräumte und Besserung gelobte. „Die Lektion von SARS darf nicht vergessen werden“, so der Premier.

Nach Ansicht des FAO-Experten Wagner tut Thailand inzwischen zwar alles, um das Virus in den Griff zu bekommen. Aber die Gegner des Regierungschefs wetzen trotzdem bereits die Messer. „Die Vogelgrippe hat dem Ansehen Thailands und ganz Asiens geschadet“, moniert der Parlamentsabgeordnete und Ex-Außenminister der oppositionellen Demokratischen Partei, Surin Pitsuwan. Und die Tageszeitung „Nation“ schreibt, der „Hype, demzufolge Thaksin zur nächsten Führungspersönlichkeit Südostasiens heranwächst“, habe sich angesichts der Vogelgrippe in Luft aufgelöst.

Streit um Tötungen

Wirksames Mittel: Massentötungen von Geflügel seien das beste Mittel, um die Seuche einzudämmen, hatte der thailändische Außenminister Surakiart Sathirathai am Mittwoch auf dem Krisengipfel in Bangkok betont. Thailand, der viertgrößte Geflügelproduzent der Welt, ließ inzwischen knapp elf Millionen Hühner töten.
Hohe Kosten: Die Notschlachtungen sind jedoch aus zwei Gründen nicht unumstritten: Zum einen fürchten Experten Versorgungsengpässe in der Bevölkerung. Zum anderen sehen sich die Regierungen einiger betroffener Länder kaum in der Lage, die Bauern für die Verluste zu entschädigen.
Einsicht: Indonesien hat sich daher bis zuletzt gegen Massentötungen von Geflügel gewehrt. Gestern lenkte die Regierung in Jakarta jedoch ein. Als Ausgleich für getötete Hühner sollen Züchter frisch geschlüpfte Tiere erhalten.

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